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Familientreffen in Korea - Ein Wiedersehen nach 68 Jahren

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Für Lee Choon-ja wird es emotional werden: Nach fast 70 Jahren sieht sie ihre Verwandten wieder. Sie wurde für die Familientreffen zwischen Nord- und Südkorea ausgelost.

Lee Choon-ja freut sich auf das Treffen mit ihren Verwandten.
Lee Choon-ja freut sich auf das Treffen mit ihren Verwandten. Quelle: ZDF

Lee Choon-ja war gerade mal 20 Jahre alt, als der Krieg zwischen Nord- und Südkorea ausbrach. Sie lebte mit ihren Eltern und Geschwistern in der nordkoreanischen Hafenstadt Hamhŭng. Als die Stadt 1950 bombardiert wurde, floh sie mit einem ihrer Brüder in Richtung Süden. "Es war damals ein solches Chaos. Ich konnte mich bei der Flucht noch nicht mal von meinen Eltern verabschieden", berichtet Lee Choon-ja. Die 88-Jährige dachte, dass sie nach einigen Monaten wieder zurückkehren könnte, doch nach dem Ende des Korea-Kriegs war das nicht mehr möglich. Die koreanische Halbinsel wurde mit dem Waffenstilstand von 1953 in Nord- und Südkorea getrennt, die Grenze zwischen beiden Staaten geschlossen. Ihre Eltern und zwei Brüder blieben in Nordkorea, Lee Choon-ja in Südkorea.  

Zehntausende Familien getrennt

Ein Schicksal, das viele Familien mit Lee Choon-ja teilten. Sie fanden sich nach dem Waffenstillstand getrennt von ihren Verwandten auf der anderen Seite des 38. Breitengrades wieder. Zum ersten Mal seit drei Jahren organisieren Süd- und Nordkorea nun neue Treffen zwischen den Familien. Nordkoreas Staatsführer Kim Jong Un und Südkoreas Präsident Moon Jae In hatten bei ihrem Gipfel Ende April vereinbart, dass solche Zusammenführungen umgesetzt werden sollten.

In einem Erholungszentrum im nordkoreanischen Kumgang-Gebirge treffen die Familien am Montag aufeinander. Viele Betroffene sind schon hochbetagt und wünschen sich sehr, ihre Verwandten noch einmal zu sehen. In der Regel bekommen sie zwei Tage Zeit, miteinander zu sprechen. Auch Lee Choon-ja kann es immer noch nicht glauben, dass gerade sie ausgelost wurde. "Ich kann meine Familie wiedersehen. Ich fühle mich so gut, dass ich meine Neffen treffen kann", sagt die 88-Jährige. Ihre Eltern und ihre Geschwister sind bereits gestorben.   

Die letzte Chance

Ausgewählt wurden die 100 Teilnehmer in Südkorea durch einen Zufallscomputer. In Nordkorea spielt nach Ansicht von Beobachtern die Loyalität zur Regierung eine wichtige Rolle. Young-sik Kang, Generalsekretär der "One Korea Global Campaign" fordert regelmäßige Treffen dieser Art. "Das Problem ist, dass die Frequenz der Familientreffen zu niedrig ist. Wir brauchen mehr solcher Treffen, damit auch mehr Menschen die Chance haben, ihre Angehörigen zu treffen", sagt Young-sik Kang, der sich für eine friedliche Wiedervereinigung Koreas einsetzt. Denn in Südkorea starb in den letzten Jahren bereits mehr als die Hälfte der Bewerber, die an einer Familienzusammenführung teilnehmen wollten.

Young-sik Kang hofft auf eine neue Entspannungspolitik. Nordkorea sollte einen offiziellen Briefwechsel zwischen den Familien erlauben. Denn bisher geht das nur über Kontaktpersonen in China. "Viele Menschen in beiden Ländern hätten in den nächsten Jahren die letzte Chance, ihre Verwandten zu treffen, deshalb sollten die Treffen fortgesetzt und erweitert werden", betont Young-sik Kang.  

Lee Choon-ja jedenfalls ist voller Vorfreude auf den morgigen Tag. Am Morgen wird sie mit den anderen ins Kumgang-Gebirge fahren. "Meine Neffen waren zehn Jahre alt, als ich sie zum letzten Mal gesehen habe. Ich bin wirklich gespannt, ob sie mich noch erkennen werden. Es ist so lange her", sagt die 88-Jährige.

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