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Revival des Fantasy-Booms - Es lebe die Traumwelt

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Acht Jahre nach Ende der Eragon-Reihe wird der Welt von Drachenreitern und Elfen neues Leben eingehaucht. Die Fantasy-Welle ist nie abgeflaut, findet Bibliotheks-Direktorin Raabe.

Filmszene aus Eragon
Eragon war eine der erfolgreichsten Fantasy-Serien. Der erste Band der Serie wurde auch verfilmt. An diese Erfolge sollen neue Bücher anknüpfen.
Quelle: imago

heute.de: Heute wird mit der Veröffentlichung von "Die Gabel, die Hexe und der Wurm" die Saga um den Drachenreiter Eragon fortgesetzt. Nach acht Jahren kehrt Autor Christopher Paolini in die Welt von Drachenreiter, Elfen und Magie zurück. Die Buchbranche versucht damit die Fantasy-Erfolge der frühen 2000er-Jahre neu zu beleben. Was ist vom einstigen Boom, der von Harry Potter und den Herr-der-Ringe-Filmen ausgelöst wurde, geblieben?

Christiane Raabe: Ich kann nicht erkennen, dass der Boom von damals abgeflaut ist. Fantasyromane in allen nur denkbaren Ausprägungen sind bei Jugendlichen nach wie vor sehr beliebt. Man schaue sich nur die Bücherregale in einer Buchhandlung an. Auf Hunderten von Seiten kämpfen junge Frauen und Männer mit magischen Kräften gegen Tyrannen. Es werden Blitze geschleudert oder Zauberkräfte aktiviert, böse Reiche gestürzt, das eigene Volk gerettet und verlorene Zauber- und Königsreiche wiederentdeckt, die mit einem diabolischen Bann belegt waren. Und während der vielen Abenteuer, die die Helden erleben, finden sie oft noch ihre große Liebe.

heute.de: Zielen diese neuen Jugendbücher auch auf die Leser von damals?

Raabe: Fantasy funktioniert, aber fast nur bei Jugendlichen. Die Leser von einst, die Ende der 1990er und Anfang der 2000er Jahre mit Harry Potter groß geworden sind, sind dieser Jugendlektüre in der Regel entwachsen.

heute.de: Wo liegen die Trends in der Fantasy-Literatur?

Raabe: Es gibt in der Fantasy spannende Entwicklungen, die sich als Antwort auf die großen Fragen und Veränderungen unserer Zeit lesen lassen. Viel diskutiert wurde beispielsweise 2018 die amerikanische Bestseller-Triologie "Children of Blood and Bones" von Tomi Adeyemi. Es geht darum, dass erstmals eine schwarze Heldin nach dem scheinbar traditionellen Erzählmuster der Fantasy in einem afrikanischen Land ihre magischen Kräfte wiederentdeckt. Dabei werden die grauenhaften Verbrechen der Weißen an den Schwarzen auf der Grundlage wahrer Begebenheiten erzählt.

Mit diesem afrofuturistischen Roman hat die Autorin einer jungen Generation von Frauen, die sich gegen Rassismus und Sexismus zur Wehr setzen, eine Stimme gegeben. Das in den USA viel diskutierte Buch ist auch in Deutschland ein Erfolg. Eine Politisierung der Fantasy-Literatur zeigt sich aber auch in den vielen Dystopien, in denen Weltuntergangszenarien durchgespielt werden. Zudem gewinnt der gesellschaftskritische realistische Jugendroman, der in den 1970er und 1980er Jahren das Genre der Jugendliteratur dominierte, wieder an Boden.

heute.de: Wie ist es im Jahr 2019 grundsätzlich um das Jugendbuch bestellt?

Raabe: Auf dem Buchmarkt ist der Absatz von Jugendbüchern rückläufig und der Trend nicht zu übersehen, dass Jugendliche weniger Bücher lesen. Ich finde es jedoch problematisch, wenn man Bücher und Smartphones gegeneinander ausspielt. Smartphones sind keine digitalen Bücher. Meiner Beobachtung nach gibt es nach wie vor junge Vielleser, vor allem jugendliche Vielleserinnen. Bekannt ist aber auch, dass Jugendliche und junge Erwachsene immer mehr Zeit mit der Nutzung von Streaming-Angeboten, digitaler Kommunikation oder Konsolen- und Smartphone-Spielen verbringen. Diese Unterhaltungsformen funktionieren jedoch ganz anders als das literarische Lesen. Man wird sehen, wie stark das Lesen als Freizeitgestaltung seine Bedeutung verlieren wird. Ich bin optimistisch, dass nach der digitalen Euphorie eine Trendwende hin zum analogen Erleben kommen wird, von der auch das Buch profitiert.

Die Fragen stellte Michael Kniess.

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