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Ökologie vs. Tierschutz - Kükenschreddern: Gibt es Alternativen?

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45 Millionen männliche Küken werden jährlich getötet, weil sie keine Eier legen. Diese Praxis bleibt vorerst rechtens. Das verkündete das Bundesverwaltungsgericht.

Ein männliches Küken.
Die umstrittene Praxis des Küken-Tötens verstößt nicht gegen das Tierschutzgesetz. Das entschied das OVG Münster.
Quelle: dpa

Jedes Jahr werden in Deutschland laut Bundeslandwirtschaftsministerium rund 45 Millionen männlicher Küken nach dem Schlüpfen getötet. Ein Überblick über den Rechtsstreit, die Gründe für diese Praxis und mögliche Alternativen:

Warum werden männliche Küken getötet?

Männliche Eintagsküken aus Legehennenrassen werden in der Regel vergast und geschreddert, weil sie keine Eier legen und zu wenig Fleisch ansetzen. Die Agrarbranche hat also schlicht keine Verwendung für sie. Die Unternehmen sehen derzeit wirtschaftlich keine andere Möglichkeit. Rund 45 Millionen männliche Küken werden deshalb jedes Jahr in Deutschland getötet.

Ein Verbot des Kükentötens ohne Alternative würde dem Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft zufolge "mittelfristig zu erheblichen Lücken" bei der Versorgung mit Eiern führen. Die Branche will demnach aus dem "aktuell weltweit praktizierten Kükentöten" aussteigen, "sobald eine praxistaugliche Alternative vorliegt".

Warum verhandelt das Verwaltungsgericht?

Das damals noch von den Grünen geführte Landwirtschaftsministerium in Nordrhein-Westfalen wies die örtlichen Behörden im Jahr 2013 an, die Tötung der männlichen Eintagsküken zu untersagen. Dagegen klagten Unternehmen - mit Erfolg. Im Mai 2016 entschied das Oberverwaltungsgericht für Nordrhein-Westfalen in Münster im Berufungsverfahren, dass das Töten von Eintagsküken mit dem Tierschutzgesetz vereinbar sei.

Welche Alternativen gibt es zum Kükentöten?

Gearbeitet wird derzeit unter anderem an Methoden zur Geschlechtsbestimmung im Brutei. Dadurch sollen männliche Küken gar nicht erst ausgebrütet werden. Das Geschlecht wird dabei vor dem Ausbrüten im Ei erkannt. Ein Laser brennt ein winziges Loch in die Schale. So kann dem Ei Flüssigkeit entnommen werden, die auf Geschlechtshormone getestet wird. Männliche Küken schlüpfen damit erst gar nicht, ihre Eier werden zu Tierfutter verarbeitet. Wenn das Verfahren serienreif sei, greife das Tierschutzgesetz, argumentiert das Bundesagrarministerium. Das Gesetz besagt, dass kein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund getötet werden darf.

Doch das Verfahren ist umstritten. Fraglich ist etwa, wann Embryos ein Schmerzempfinden haben. Ausgeschlossen wird dies derzeit nur vor dem siebten Bruttag. Der Deutsche Tierschutzbund lehnt deshalb jede Methode ab, die nach dem sechsten Bruttag angewendet wird. Bei dem derzeit bekanntesten Ansatz - dem sogenannten Seleggt-Verfahren - wird das Geschlecht aber erst zwischen dem achten und zehnten Bruttag bestimmt.

Für Tierschützer ist eine Abkehr von der spezialisierten Zucht und eine Rückkehr zu sogenannten Zweinutzungshühnern die deutlich bessere Alternative. Dabei legen die Hennen Eier, während die Hähne gemästet werden. Das Bundeslandwirtschaftsministerium weist aber darauf hin, dass die Hennen weniger und teilweise kleinere Eier legten und Hähne dieser Rassen langsamer wüchsen. Eine dritte Alternative ist die Aufzucht männlicher Küken. Dies geschieht im Rahmen sogenannter Bruderhahn-Initiativen. Laut Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen ist das Prinzip dabei immer gleich: "Der Eier-Preis beinhaltet einen Aufschlag, mit dem die teure Mast der Legehennen-Brüder quersubventioniert wird." Entsprechende Initiativen gibt es bundesweit, aber auch regional.

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