Sie sind hier:

Nach Anschlägen - Was Sie über Sri Lankas religiöse Konflikte wissen müssen

Datum:

Die Anschläge in Sri Lanka machen fassungslos - und ratlos. Fünf Fragen und Antworten zu einem Land, das noch immer von ethnischen und religiösen Konflikten geprägt ist.

Buddhistische Mönche in Sri Lanka, aufgenommen am 19.02.2019 in Colombo (Sri Lanka)
Die Mehrheit der Einwohner Sri Lankas sind buddhistisch. Es leben aber auch viele Hindus, Muslime und Christen im Land.
Quelle: Reuters

Was wir bislang über die Anschläge wissen:

  • Über 320 Menschen wurden getötet, mehr als 500 verletzt
  • Die Anschläge trafen drei Kirchen und drei Luxushotels
  • Sie wurden laut Sri Lankas Regierung von sieben Selbstmordattentätern ausgeführt
  • Die Terrormiliz "Islamischer Staat" reklamierte die Anschläge für sich
  • Die Regierung hatte zuvor von einem Racheakt islamischer Terroristen für den Angriff auf Muslime im neuseeländischen Christchurch gesprochen
  • Es soll Verbindungen zu der nationalen islamistischen Gruppe National Thowheeth Jamaath gegeben haben

Wie stark sind islamistische Gruppierungen in Sri Lanka?

"Bislang gab es keine große islamistische Szene", sagt Politikwissenschaftler Christian Wagner. Aber: "Wir haben in den letzten Jahren beobachtet, dass es eine Fundamentalisierung des Islam gab. Es ist mehr Geld aus den Golfstaaten ins Land geflossen, es sind neue Moscheen gebaut worden und es haben sich neue islamistische Gruppen gegründet." Diese seien allerdings bislang nicht durch Gewaltakte aufgefallen.

So wurde auch die radikalislamische Gruppierung National Thowheeth Jamaath lediglich für die Zerstörung von Buddha-Statuen verantwortlich gemacht. Brisanter sind die Verbindungen der Gruppe ins Ausland, von der mehrere Terrorismusexperten sprechen.

Welchen Einfluss hat der sogenannte "Islamische Staat"?

"Wir haben in den letzten Jahren gesehen, dass der 'Islamische Staat' und seine Ideologie in Sri Lanka mehr Anklang gefunden haben", sagt Wagner. "Wir haben auch gesehen, dass sich circa 30 Personen aus Sri Lanka dem IS in Syrien angeschlossen haben." Das sei eine verhältnismäßig große Gruppe. Denn im Land leben nur etwa zwei Millionen Muslime. Die Mehrheit folge aber einem relativ moderaten Islam.

Wie leben die verschiedenen Religionsgruppen zusammen?

"Bislang haben wir eigentlich ein relativ gutes Zusammenleben der vier Religionsgruppen in Sri Lanka", meint Politikwissenschaftler Wagner. "Man sieht das auch daran, dass die Religionsgruppen immer die Feiertage der jeweils anderen Religionsgruppen mitfeiern." In den vergangenen Jahren habe es allerdings immer wieder kleinere Ausschreitungen gegeben - etwa von Seiten buddhistischer Nationalisten.

Die meisten der knapp 21 Millionen Einwohner Sri Lankas sind Buddhisten. Rund 12,6 Prozent der Bevölkerung sind Hindus, 9,7 Prozent Muslime und 7,4 Prozent Christen.

Wie gefährlich ist der buddhistische Nationalismus?

Buddhistische Nationalisten machen immer wieder Stimmung gegen Muslime. Anfang 2018 attackierten Mobs muslimische Geschäfte, Wohnungen und Moscheen. Das veranlasste Sri Lankas Regierung im März vergangenen Jahres sogar dazu, für zehn Tage den Notstand auszurufen.

"Die buddhistischen Extremisten - obwohl sie eine Mehrheit von über 70 Prozent im Land stellen - sehen ihr Land durch eine wachsende Islamisierung in Gefahr", erklärt Politikwissenschaftler Wagner. Sie stellten den Islam als "allgegenwärtige Terrorgefahr" dar. "Das ist auch ein Problem für die Zukunft. Ich denke, die Regierung muss jetzt sehr viel dafür tun, dass es nicht zu Vergeltungsaktionen seitens buddhistischer Extremisten gegen die Muslime im Land kommt."

Archiv: Sri Lankische buddhistische Mönche, die die buddhistische nationalistische Gruppe Bodu Bala Sena (BBS) unterstützen, aufgenommen am 21.06.2017 in Colombo
Anhänger der buddhistisch-nationalistischen Organisation Bodu-Bala-Sena - sie unterstützen ihren Anführer, der 2017 wegen Hasskriminalität gegen Muslime vor Gericht stand
Quelle: picture alliance / NurPhoto

Wie geht es der christlichen Minderheit?

Christen gibt es sowohl innerhalb der ethnischen Gruppe der Singhalesen, als auch bei den Tamilen. "Sie haben bislang in den Konflikten - auch im Bürgerkrieg zwischen der singhalesischen Mehrheit und der tamilischen Minderheit - eigentlich keine Rolle gespielt", sagt Wagner. Im Bürgerkrieg von 1983 bis 2009 kämpften die "Befreiungstiger von Tamil Eelam" (LTTE) für einen unabhängigen tamilischen Staat im Norden der Insel. Die Tamilen sind zumeist Hindus, die Singhalesen mehrheitlich Buddhisten.

Buddhistische Nationalisten hätten zwar auch christliche Einrichtungen angegriffen. "Es hat aber in der Vergangenheit keine Unruhen oder Ausschreitungen zwischen Muslimen und Christen in Sri Lanka gegeben."

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.