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Bundestag legt Kehrtwende hin - Warum das Handwerk wieder Meister braucht

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Der Bundestag hat die Rückkehr zur Meisterpflicht in bestimmten Berufen beschlossen. Warum diese Kehrtwende nach 15 Jahren? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Der Bundestag hat für die Wiedereinführung dieser Pflicht für insgesamt zwölf Berufe gestimmt. "Sie wird die Qualität, die duale Berufsausbildung und die Qualifizierung im Handwerk fördern und die Zukunft der Betriebe gewährleisten", erklärte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU).

Es ist eine Kehrtwende: Für die zwölf betroffenen Berufe war die Meisterpflicht im Jahr 2004 abgeschafft worden. Was ist der Grund für die Revision? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Warum wurde die Meisterpflicht damals abgeschafft?

Als 2004 die Meisterpflicht für 53 Handwerke abgeschafft wurde, hatte Deutschland um die fünf Millionen Arbeitslose, erklärt Beate Preuschoff vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). Damals sei es vor allem darum gegangen, Menschen zurück ins Arbeitsleben zu bringen. Mit Erfolg: "Es gab dann tatsächlich einen Gründerboom. Vor allem entstanden viele Ein-Mann-Betriebe", so Preuschoff.

Warum wurde die Entscheidung revidiert?

Die schwarz-rote Koalition möchte mit der Rückkehr zur Meisterpflicht das Handwerk stärken. "Unser Ziel ist, mehr Qualität für die Kundschaft und mehr Nachwuchs im Handwerk durch eine bessere Ausbildung", hatten Unions-Fraktionsvize Carsten Linnemann und SPD-Fraktionsvize Sören Bartol Anfang September mitgeteilt. Beate Preuschoff vom ZDH begrüßt die Wiedereinführung des Meisterbriefes: "Es ist gut, dass die Politik in der Lage ist, einmal begangene Fehler zu korrigieren." Der Fachkräftemangel ist im Handwerksberufen besonders deutlich, wie die nachfolgende Grafik zeigt.

Welche Folgen hatte die Entscheidung?

1. Qualitätsverlust: Die Abschaffung des Meistertitels hat es den Handwerkern erleichtert, sich selbständig zu machen. Laut ZDH habe jedoch die Qualität der handwerklichen Leistungen unter der Novelle gelitten. "Wir hatten eine Überflutung unseres Handwerks und gleichzeitig auch der Schadensfälle", erinnert sich Karl-Hans Körner vom Zentralverband des Deutschen Baugewerbes. Dass die Qualität unter der fehlenden Meisterpflicht gelitten habe, ist umstritten. "Die Sicherung von Qualität und Stärkung der Ausbildung im Handwerk erfordern keinen Meisterzwang", so die Monopolkommission, dem unabhängigen Beratungsgremium der Bundesregierung.

2. Rückgang der Ausbildungszahlen: Die Abschaffung hat zu einem Rückgang der Ausbildungszahlen in den betroffenen Berufen geführt. "Wer keinen Meisterbrief hat, bildet auch nicht aus", sagt Kurt Krautscheid, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Handwerkskammern Rheinland-Pfalz. Einer der betroffenen Berufe ist der des Fliesenlegers.

3. Weniger Meisterschüler: Mit dem Wegfall der Pflicht ist logischerweise auch eine Abnahme der Meisterprüflinge einhergegangen. "Wir haben nur noch zehn Prozent der Meisterschüler von damals", sagt Körner vom Zentralverband des Deutschen Baugewerbes. Die Konsequenz sei ein enormer Verlust von Know-How. Besonders bei "exotischen" Handwerken sei das problematisch: "Dann weiß möglicherweise eines Tages niemand mehr, wie eine Orgel gebaut oder eine Kirche restauriert wird", sagt die ZDH-Sprecherin Preuschoff. Die nachfolgende Grafik zeigt den Rückgang an Meisterschüler exemplarisch im Bereich der Fliesenleger.

Müssen die betroffenen Handwerker ihren Meistertitel nachholen?

Nein. Die bereits gegründeten Nicht-Meister-Betriebe genießen einen zeitlich unbegrenzten Bestandsschutz. Die Änderung betrifft lediglich Markteintritte von neuen Betrieben. "Die Bestandschutzregelung finde ich richtig", sagt Körner. Denn auch Menschen aus der DDR seien davon betroffen, weil es dort keinen Meistertitel gab.

Was ändert sich in der Praxis?

Die Meisterpflicht kommt zurück. Archivbild
Die Meisterpflicht kommt zurück. Archivbild
Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Sobald die neuen Regelungen in Kraft getreten sind, ist in den zwölf betroffenen Handwerken grundsätzlich der Meisterbrief Voraussetzung für die Gründung eines Betriebs. Vergleichbare Qualifikationen wie etwa Universitätsabschlüsse oder Ausnahmebewilligungen akzeptiert, werden ebenfalls akzeptiert. Die Handwerksordnung legt dafür die Bedingungen fest.

Was bedeutet die Wiedereinführung für die Betroffenen?

Die Meisterpflicht schafft zusätzliche Hürden für den Markt- und Berufszugang, fürchtet die Monopolkommission. Denn ein Meistertitel kostet nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Handwerker, die ihren Meister machen möchten, müssen tief in die eigene Tasche greifen und einen erheblichen Teil der Kosten selbst aufbringen. Je nach Handwerk kostet eine Meisterprüfung zwischen 3.000 und 17.000 Euro, heißt es vom ZDH. Besonders teuer seien Meisterprüfungen in Bereichen des Informationstechniker-Handwerks.

Was bedeutet die Wiedereinführung für die Kunden?

"Aus Sicht der Verbraucher wird der Zugang zu Handwerksleistungen mit der Wiedereinführung der Meisterpflicht schwieriger. Die Wartezeiten und die Preise können steigen", prognostiziert der Vorsitzende der Monopolkommission, Achim Wambach.

Vonseiten der Hersteller wird die Wiedereinführung der Meisterpflicht begrüßt. "Die Fliesenprodukte werden immer anspruchsvoller und wir sind auf qualifizierte Verleger angewiesen", sagt  Jens Fellhauer vom Bundesverband Keramische Fliesen. Die Meisterpflicht könne zu einer besseren Qualifizierung der Handwerker führen. "Wir freuen uns darüber", so der Fliesenhersteller.

Nach welchen Kriterien wurden die zwölf Berufe ausgewählt?

Die Auswahl war eine politische Entscheidung, erklärt Beate Preuschoff vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). "Dabei haben Aspekte der Qualitäts- und Qualifizierungssicherung, der Gefahrenabwehr und des Verbraucherschutzes eine Rolle gespielt, aber auch der Aspekt des Kulturgüterschutzes."

In diesen Bereichen brauche es sehr spezielles Fachwissen, sagt die ZDH-Sprecherin. "Der Meisterbrief besiegelt dieses Wissen, diese Fachkenntnisse und dieses Können in dem jeweiligen Handwerk."   

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