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Gipfel in Saarbrücken - Weichen stellen für die Stahlbranche

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Die Stahlbranche im Fokus: Auf einem Gipfel in Saarbrücken geht es um den Erhalt von Arbeitsplätzen und die Wirtschaftsfähigkeit. Wie die Branche aufgestellt ist - ein Überblick.

Sechs Bundesländer schließen in Saarbrücken eine "Allianz der Stahlländer". Ziel sei es, die Kräfte zu bündeln, um Deutschland als starken Stahl-Standort in Europa zu erhalten.

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Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Stahlbranche fördern, um so die Arbeitsplätze zu sichern: Das war das Thema eines Stahlgipfels, der am Montag in Saarbrücken stattfand. Dort haben sich verschiedene Bundesländer beim Thema Stahl zusammengeschlossen, um sich bei Weichenstellungen für die Branche besser abstimmen zu können. In der Tat hat die Branche hierzulande und in Europa einige Turbulenzen hinter sich – und viele Probleme existieren noch immer. Ein Überblick mit den wichtigsten Fragen und Antworten zu Stahl und der deutschen stahlverarbeitenden Industrie.

Wie viele Menschen arbeiten in der deutschen Stahlindustrie?

Die Zahl der Stahlarbeiter in Deutschland ist in den vergangenen Jahren stark geschrumpft. In den vergangenen rund 35 Jahren sank die Zahl der Beschäftigten um rund 70 Prozent. 2015 waren es nach Zahlen der Wirtschaftsvereinigung Stahl noch rund 85.000 Beschäftigte, 1980 waren es noch fast 300.000. Der Grund hierfür liegt unter anderem daran, dass viel Billigstahl beispielsweise aus China auf den Weltmarkt strömt. Gegen Billigproduktionsländer wurde es für die deutsche Stahlindustrie zunehmend schwer zu konkurrieren.

Infografik: Beschäftigten in der deutschen Stahlindustrie 1990-2015
Beschäftigte in der deutschen Stahlindustrie von 1990 bis 2015.
Quelle: ZDF

Wo liegen die wichtigsten Stahlstandorte in Deutschland?

Mit knapp 10 Prozent ist der wichtigste Stahlproduzent Deutschlands die Thyssenkrupp Steel Europe mit Sitz in Duisburg. Das Unternehmen ist unlängst eine Partnerschaft mit dem europäischen Ableger des indischen Stahlgiganten Tata Steel Europe eingegangen. Das gemeinschaftlich geführte Unternehmen beschäftigt europaweit fast 50.000 Mitarbeiter. Mit knapp sechs Prozent Anteil an der Rohstahlerzeugung liegt der Salzgitter-Konzern auf Rang zwei der Rohstalproduktion. Auf Platz drei folgt der luxemburgische und weltweit größte Stahlproduzent ArcelorMittal mit Produktionsstandorten etwa in Bremen, Hamburg oder Eisenhüttenstadt.

Welchen Stellenwert hat die deutsche Stahlindustrie international?

Deutschland ist der größte Stahlhersteller in der EU, weltweit steht die hiesige Stahlbranche auf Platz sieben. Allerdings entfallen auf die deutschen Stahlproduzenten nur 2,6 Prozent der weltweiten Stahlerzeugung – der Anteil ist also vergleichsweise gering. Innerhalb der EU entfällt ein Viertel der Rohstahlerzeugung auf die deutsche Stahlbranche.

Top Ten der weltweiten Rohstahl-Produzenten im Jahr 2017
Land Mio t
1. China 831,7
2. Japan 104,7
3. Indien 101,4
4. USA 81,6
5. Russland 71,3
6. Südkorea 71,0
7. Deutschland 43,4
8. Türkei 37,5
9. Brasilien 34,4
10. Italien 24,1
(Quelle: World Steel Association)
Infografik: Weltweite Stahlproduktion 2017
Weltweite Stahlproduktion im Jahr 2017.
Quelle: ZDF

Wer sind die wichtigsten Abnehmer für deutschen Stahl?

Rund 80 Prozent der deutschen Stahlexporte gehen in Partnerländer innerhalb der Europäischen Union. Außerhalb der EU-Länder sind die USA der wichtigste Abnehmer für in Deutschland produzierten Stahl. Die Wirtschaftsvereinigung Stahl befürchtet deswegen durch die von den USA verhängten Strafzölle eine Belastung zumindest dieser Stahlexporte. Allerdings ist das Volumen insgesamt überschaubar, sodass die Belastung für die Branche insgesamt sich in Grenzen hält.

Wie stark treffen die Strafzölle der USA die deutsche Stahlindustrie?

Nicht besonders stark. Die USA haben zehn Prozent Strafzölle auch auf europäischen Stahl eingeführt. Deutschland liegt in der Rangfolge der Stahlexporteure in die USA aber nur auf Platz 8. Nicht einmal vier Prozent der US-Stahlimporte stammen aus Deutschland. Allerdings muss man aus hiesiger Perspektive auch wissen: Mit rund einer Million Tonnen Stahl im vergangenen Jahr sind 20 Prozent der deutschen Stahlexporte in die USA gegangen.

Wo liegen die Probleme der deutschen Stahlindustrie?

Aktuell ist eine der Befürchtungen, dass sich Handelsströme ändern könnten wegen der von den USA verhängten Strafzölle. Wenn die USA durch ihre Strafzölle eine Mauer um das Land ziehen, kann bildlich gesprochen nur noch ein Teil des Stahlflusses über diese Mauer in die USA gelangen. Der Rest fließt woanders hin – beispielsweise nach Europa. Das Problem dabei: Die hiesige europäische Stahlindustrie ist ohnehin schon gebeutelt durch eine massive Überproduktion in China. Die hat die Stahlpreise an den Weltmärkten in den letzten Jahren auf Talfahrt geschickt. Sollte noch mehr Billigstahl seinen Weg nach Europa suchen, dürfte sich das Problem für die europäischen Stahlkocher weiter verstärken.

Wie hat sich die Stahlproduktion weltweit entwickelt?

Nimmt man den Zeitraum der letzten 50 Jahre als Grundlage, haben immense Verschiebungen zwischen den stahlproduzierenden Regionen in der Welt stattgefunden. Stammte 1970 noch rund ein Drittel des weltweit produzierten Rohstahls aus den Ländern der heutigen EU, ist es heute nicht mal mehr ein Zehntel. In China ist im selben Zeitraum die Stahlproduktion regelrecht explodiert – von 3 auf heute rund 50 Prozent.

Spielt Chinas Stahlindustrie mit unfairen Mitteln?

Die Klagen aus der deutschen und europäischen Stahlindustrie sind vehement. In der Tat schwemmt billiger Stahl aus China in die Märkte, weil dort die Produktionskosten niedriger sind. Zudem lautet der Vorwurf, dass die chinesische Stahlindustrie von der Regierung in Peking subventioniert wird. Fakt ist: China produziert rund doppelt so viel Stahl, wie es selbst benötigt. Die Überschüsse aus China haben ein Volumen erreicht, das doppelt so groß ist wie die europäische Stahlproduktion insgesamt.

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