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Stickstoffdioxid - Freie Fahrt dank neuer Messmethoden?

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In vielen Städten drohen Fahrverbote, weil die Grenzwerte für Stickstoffdioxid deutlich überschritten werden. Die Messmethoden dafür sind europaweit geregelt. Die wichtigsten Punkte.

Archiv: Luftmessstation am 28.07.2008 in Erfurt
Luftmessstation in Erfurt
Quelle: imago

Was ist das Ziel der Luftmessung?

Ziel der Luftmessung ist in erster Linie, die Gesundheit des Menschen nicht durch Luftverschmutzung zu gefährden. Das gilt EU-weit und für alle Bürger. Außerdem geht es um eine Vergleichbarkeit der Luftqualität, sowohl geografisch innerhalb von Europa als auch zeitlich über die Jahre.

Wer legt fest, wo und wie Luftverschmutzung gemessen wird?

Wo genau und wie viele Luftmessstationen eingerichtet werden, das definiert detailliert die EU-Luftqualitätsrichtlinie 2008/50/EG. Deutschland hat die Vorgaben der Richtlinie der 39. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (39. BImSchV) umgesetzt.

Welche Vorgaben gibt es?

In der aktuellen Diesel-Debatte geht es vor allem um den Grenzwert für Stickstoffdioxid, der über ein ganzes Jahr hinweg gemessen wird. Dazu heißt es in Paragraph 3 der 39. BImSchV: "(2) Zum Schutz der menschlichen Gesundheit beträgt der über ein Kalenderjahr gemittelte Immissionsgrenzwert für Stickstoffdioxid (NO2) 40 Mikrogramm pro Kubikmeter." Dabei wird davon ausgegangen, dass eine Person diesem Wert zumindest theoretisch dauerhaft ausgesetzt sein könnte. Für die Messung sind dabei zwei Vorgaben zentral:

  • "Die Messstationen sind so aufzustellen, dass sie die höchsten Konzentrationen erfassen, denen die Bevölkerung ausgesetzt ist." Dazu gehören dann zum Beispiel Messstationen am Rand von sehr stark befahrenen Straßen.
  • Die Messungen sollen repräsentative Werte ermitteln. Dazu gehören neben den Stationen an besonders stark belasteten Stellen damit auch Messstation in typischen städtischen Wohngebieten. Sie sollen die durchschnittliche Belastung messen.

Wo gelten welche Stickstoffdioxid-Grenzen?

Die 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid gelten laut EU-Richtlinie nur für die Außenluft. Im Büro hingegen darf die maximale Konzentration 60 Mikrogramm betragen. An Produktionsstätten wie zum Beispiel bei Schweißvorgängen liegt der Grenzwert sogar bei 950 Mikrogramm.

Warum sind Grenzwerte in Innenräumen höher als außen?

Für die Außenluft gilt ein Umweltgrenzwert. Dabei wird davon ausgegangen, dass ein Mensch dem bis zu 24 Stunden pro Tag ausgesetzt sein könnte. Und er gilt für alle - auch für Säuglinge, alte oder kranke Personen. Die Grenzwerte für den Arbeitsplatz hingegen bezieht sich auf toxikologische Aspekte. Dabei wird davon ausgegangen, dass Arbeitnehmer dem maximal acht Stunden pro Tag und 40 Stunden pro Woche ausgesetzt sind. Außerdem gebe es eine arbeitsmedizinische Betreuung und die Arbeitnehmer seien in der Regel gesund, heißt es.

"Arbeitsplatzgrenzwerte sind wissenschaftlich begründet und extrem sinnvoll. Sie stellen sicher, dass nach heutigem Stand des Wissens niemand, der diese Konzentration ein Arbeitsleben lang einatmet, erkrankt", erklärt der Umweltmediziner Dr. Dennis Nowak dem ZDF. "Für die Allgemeinbevölkerung nimmt man Sicherheitsfaktoren an, die auf dem Vorsichtsprinzip beruhen, aber nicht exakt wissenschaftlich begründet sind."

Gibt es Ausnahmen?

In erster Linie geht es um den Schutz menschlicher Gesundheit. Daher werden Messungen nicht für Orte vorgeschrieben, an denen sich in der Regel keine Menschen aufhalten. Dazu gehören zum Beispiel Tunnel oder Fahrbahnen, die in der Regel für Fußgänger nicht öffentlich zugänglich sind, ebenso wie Gebiete ohne feste Wohnunterkünfte oder Industriegeländer, auf denen gesonderte Sicherheitsbestimmungen gelten. 

Fazit

Der Ärger über Fahrverbote ist groß. Aber sind Änderungen an den Messmethoden wirklich die Lösung im Kampf gegen Luftverschmutzung? "Die Bundesländer betreiben ihre Messnetze rechtskonform", sagt der Auto Club Europa dem ZDF. So sehr sich der Verband gegen Fahrverbote stark mache, heißt es weiter in der Stellungnahme: "Das Problem sind nicht fehlerhafte Messungen."

Wenn das explizite Ziel der Stationen ist, die höchste Konzentration zu messen, stellt sich außerdem die Frage, ob sie überhaupt zu viel messen können? Die EU-Kommission überprüft übrigens regelmäßig die Messstationen und –verfahren in den Mitgliedsstaaten. Dabei, berichtet das in Hessen für die Messungen zuständige Umweltamt, habe sie Deutschland zuletzt bescheinigt: Alles in Ordnung.

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