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Fakten zum Klimaschutz - Viele Konferenzen, kaum Erfolge

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Überall demonstrieren Menschen für Klimaschutz. Nun beraten Politiker in Madrid auf der Weltklimakonferenz, was sie besser machen können. Wo steht die Welt beim Klimaschutz?

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen will bis nächsten März erstmals ein europäisches Klimagesetz vorlegen, "um den Übergang zur Klimaneutralität unumkehrbar zu machen". Das kündigte sie im Rahmen der Beratungen beim UN-Klimagipfel an.

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In Madrid hat am Montag die 25. Weltklimakonferenz begonnen, aber das Jubiläum mag dort niemand feiern. Wetterextreme haben in diesem Jahr drastisch vor Augen geführt, was der Menschheit blüht, wenn die Erderhitzung nicht eingedämmt wird: Mehr gigantische Wirbelstürme wie über Ostafrika, verheerende Waldbrände wie in den USA und Australien und weiter dramatisch schwindende Eismassen an den Polen und in den Gletschergebieten. Fragen und Antworten zum Stand des Klimaschutzes.

Ist die Lage wirklich so düster?

Starkregen in der Stadt
Unwetter, Starkregen und Überschwemmungen werden in Zukunft zunehmen.
Quelle: dpa

Ja, denn trotz aller Anstrengungen beschleunigt sich die Erderhitzung zurzeit sogar noch. Schon jetzt hat sich die Erde nach Befunden des Weltklimarats um ein Grad aufgeheizt im Vergleich zur vorindustriellen Zeit. Und die vergangenen vier Jahre waren die wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Zu den Folgen zählen mehr extreme Wetterereignisse, also je nach Region mehr Hitzewellen, Dürren und Waldbrände, aber auch Stürme, Überschwemmungen und Starkregen. Und das ist erst der Anfang: Geht es weiter wie bisher, läge der Temperaturanstieg Ende des Jahrhunderts bei 3,4 bis 3,9 Grad, wie das UN-Umweltprogramm Unep dieser Tage vorgerechnet hat. Angestrebt werden aber maximal 1,5 Grad, um die gefährlichsten Kipppunkte im Ökosystem zu umschiffen.

Wenn wir nicht schnell unseren Lebensstil ändern, gefährden wir das Leben an sich.
Antonio Guterres, UN-Generalsekretär

Der Weltklimarat IPCC, unter dessen Dach Hunderte Forscher kooperieren, geht davon aus, dass bei einem ungebremsten Klimawandel die Meeresspiegel schon bis Ende des Jahrhunderts um mehr als einen Meter steigen könnten. In einem dramatischen Appell haben daher Anfang November 11.000 Wissenschaftler aus mehr als 150 Staaten gewarnt, "unsägliches menschliches Leid" sei nicht abzuwenden, wenn die Menschheit nicht schnell gegensteuere und deutlich weniger klimaschädliches Treibhausgas in die Luft blase. Auch UN-Generalsekretär Antonio Guterres wählte während der Eröffnungszeremonie in Madrid dramatische Worte. "Wenn wir nicht schnell unseren Lebensstil ändern, gefährden wir das Leben an sich", warnte er zur Eröffnung der zweiwöchigen Konferenz, an der Delegationen aus knapp 200 Ländern teilnehmen.

Schon kurzfristig drohen nämlich vielerorts Wasserknappheit und Ernteausfälle, mit Konsequenzen wie Hungersnöten und massiven Fluchtbewegungen. Im Juni warnte auch Philip Alston, der UN-Sonderberichterstatter zu extremer Armut und Menschenrechten, vor dem Szenario einer "Klima-Apartheid", in dem die Reichen zahlen, um vor Hitze, Hunger und Konflikten zu flüchten und der Rest der Welt zurückgelassen wird - und leidet. Die jüngsten Aufrufe erinnern an die Warnung der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg, die vor Jahresfrist sagte, Erwachsene sollten nun in Panik geraten angesichts der existenzbedrohenden Klimakrise.

Wie sieht es hierzulande aus?

Kühe auf vertrockneter Weide in bei Schönebeck in Sachsen-Anhalt (Archivbild vom 23.07.2018)
Trockenheit macht Landwirtschaft und Wäldern zu schaffen.
Quelle: dpa

Ein im November veröffentlichter neuer Monitoringbericht der Bundesregierung weist nach, dass sich die mittlere Lufttemperatur hierzulande von 1881 bis 2018 um 1,5 Grad erhöht hat. Die Folge: Auch in Deutschland wird das Wetter extremer. Je nach Region kann das mehr Hitze, mehr Starkregen oder auch mehr Hochwasser bedeuten. So haben etwa die Menschen im Nordosten dieses Jahr unter dem zweiten heißen Dürresommer in Folge geächzt, es loderten Waldbrände ungekannten Ausmaßes. Und so könnte es weitergehen: Auch in den kommenden Jahren steigen in weiten Teilen Brandenburgs, Mecklenburg-Vorpommerns und Sachsen-Anhalts die durchschnittlichen Temperaturen, während die Niederschläge abnehmen. Gleiches gilt auch für Südwestdeutschland, während etwa in Teilen Hessens mit mehr Regen zu rechnen ist. Und viele Städte am Wasser müssen sich auf mehr Überschwemmungen und höhere Sturmfluten einstellen. Berechnungen der Agentur "Climate Central" für das Jahr 2050 zeigen etwa nach einem Bericht des "Tagesspiegels", dass wegen steigender Meeresspiegel etwa weite Teile Ostfrieslands, Bremens oder Hamburgs 2050 einmal im Jahr überflutet werden könnten, wenn die Küsten nicht zusätzlich gesichert werden.

Was tut die Welt gegen die drohende Klimakatastrophe?

Ein Schaufelradbagger trägt Braunkohle ab
Noch immer werden 80 Prozent der Energie aus dem Kohleabbau gewonnen.
Quelle: dpa

Das 2015 geschlossene Klimaabkommen von Paris wurde als historischer Durchbruch gefeiert. Mehr als 190 Staaten setzen sich darin zum Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 bis maximal 2 Grad zu begrenzen. Aktuell herrscht aber Katerstimmung, denn nach einer neuen Untersuchung sind zwei Drittel der inzwischen rund 180 vorgelegten staatlichen Aktionspläne ungeeignet, die Erderhitzung auch nur zu bremsen. Auch in diesem Jahr dürfte der weltweite CO2-Ausstoß erneut steigen. Und die Internationale Energie-Agentur (IAE) erwartet, dass er auch bis 2040 nicht etwa sinkt, sondern noch um zehn Prozent steigen dürfte.

Eigentlich nötig wäre nach dem Pariser Abkommen aber eine Minderung um fast 50 Prozent. Ein Beispiel für das Schneckentempo: Zwar haben einige Industriestaaten einen Ausstieg aus der Kohle angekündigt, doch beziehen die Staaten der G20 noch immer mehr als 80 Prozent ihrer Energie aus Kohle, Öl und Gas. Weltweit sind trotz des Ausbaus der Erneuerbaren immer noch Zehntausende Kohlekraftwerke in Betrieb, und 1400 neue sind in der Planung oder im Bau.

Was macht die Bundesregierung?

Angela Merkel und Olaf scholz am 20.09.2019 in Berlin
Den Klimaschutzplan der Bundesregierung finden viele nicht ausreichend.
Quelle: Reuters

In Deutschland hat die große Koalition nach langem Gezerre zwar einen Klimaschutzplan vorgelegt. Er ist aber aus Expertensicht "bestenfalls die Andeutung einer Richtungsänderung", wie es der Chef des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Ottmar Edenhofer, formuliert. Selbst der Boss von VW beklagt, dass die Regierung den neuen Preis auf den Ausstoß von Kohlendioxid viel zu niedrig ansetzt, um etwa eine nennenswerte Zahl der 44 Millionen Autos mit Verbrennungsmotor hierzulande von der Straße zu bekommen. Und die umweltschädlichste Art der Fortbewegung, das Fliegen, wird weiter kräftig subventioniert. Allein 2017 verzichtete der Staat dem Umweltbundesamt zufolge auf 8,1 Milliarden Euro, weil Kerosin nicht besteuert wird, und auf 4,2 Milliarden Euro, weil grenzüberschreitende Flüge von der Mehrwertsteuer befreit sind.

Wie verhalten sich die Bürger wirklich?

Ein Demonstrationszug zieht mit Schildern und Plakaten durch Berlin
Immer mehr Menschen ziehen mit Fridays for Future - wie hier in Berlin- für die Umwelt auf die Straße.
Quelle: dpa

Zehntausende Schüler sind in diesem Jahr immer freitags für mehr Klimaschutz auf die Straße gegangen und die Grünen stehen in Wahlumfragen bei mehr als 20 Prozent: Der Kampf gegen die Erderhitzung scheint Dringlichkeit zu haben. Tatsächlich verhalten sich aber viele Bürger anders. So klettern etwa die Passagierzahlen im weltweiten Luftverkehr immer weiter. Im ersten Halbjahr stiegen an deutschen Flughäfen 4,2 Prozent mehr Menschen in einen Flieger. Und 11,6 Millionen Passagiere flogen innerhalb Deutschlands - statt den Zug zu nehmen. Viele sprechen von der Verkehrswende, doch auch vom Auto mag offensichtlich kaum jemand lassen: 2018 wurden bundesweit knapp 3,5 Millionen Pkw neu zugelassen, weit überwiegend mit Verbrennungsmotoren. Und die größten Zuwächse gab es ausgerechnet bei den Spritfressern, also SUVs, Wohnmobilen und Oberklasseautos. Ähnlich ist es beim Fleisch, dessen Produktion Umwelt und Klima stark belasten. Der Verbrauch hierzulande hat in den vergangenen zehn Jahren relativ konstant bei etwas mehr als sieben Millionen Tonnen gelegen, mit zuletzt steigender Tendenz. Die Zahl der Vegetarier liegt Umfragen zufolge bei rund acht Prozent.

Worum geht es bei der Klimakonferenz in Madrid?

Antonio Guterres spricht auf der UN-Klimakonferenz
Antonio Guterres spricht auf der UN-Klimakonferenz Klartext.
Quelle: imago images/Agencia EFE

UN-Generalsekretär Guterres erwartet, dass die einzelnen Staaten bis spätestens nächstes Jahr ihre Klimaschutzzusagen kräftig nachbessern. Bis jetzt sind sie nämlich bei weitem nicht ehrgeizig genug, um die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen. Es kann also sein, dass es in dieser Hinsicht Neuigkeiten gibt und Staaten ihre Klimaschutzpläne nachschärfen. Außerdem geht es um ein Thema, das beim vorangegangenen Klimagipfel im polnischen Kattowitz (Katowice) liegengeblieben ist, den Handel mit Klimaschutz. Strittig sind nämlich die genauen Regeln, wer sich welche Emissionsminderungen anrechnen darf. Aus Sicht von Klimaschützern muss verhindert werden, dass sich Staaten ihre Einsparungen selbst gutschreiben, diese dann aber auch noch an Drittstaaten verkaufen.

Lücken der letzten Klimakonferenz schließen, Zusammenarbeit regeln: Auf der 25. Weltklimakonferenz in Madrid stehen harte Verhandlungen an, so ZDF-Korrespondent Mark Hugo.

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