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Vulkanausbruch in Neuseeland - Hätte das Unglück verhindert werden können?

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Es besteht kaum noch Hoffnung, Überlebende auf der Vulkaninsel White Island zu finden. Wurden die Touristen nicht ausreichend gewarnt? Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen.

Der Whakaari auf den White Islands ist eine Touristenattraktion. Bei einem plötzlichen Ausbruch starben mehrere Menschen, weitere wurden verletzt.

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Aus der Touristeninsel White Island ist nach dem Ausbruch von Neuseelands gefährlichstem Vulkan eine Todeszone geworden. Wegen der Gefahr neuer Eruptionen blieb die Insel 50 Kilometer vor der Küste im Pazifik heute komplett gesperrt. Jede Hoffnung, dort noch Überlebende zu finden, ist praktisch dahin. Auf dem Festland werden 31 Verletzte behandelt. Mehrere schweben in Lebensgefahr.

Die Naturkatastrophe wirft viele Fragen auf. Hätte die Katastrophe verhindert werden können? "Diese Fragen müssen gestellt und beantwortet werden", sagte Premierministerin Jacinda Ardern zur Debatte.

Wieso besichtigen Touristen einen aktiven Vulkan?

Tägliche Touren bringen jedes Jahr mehr als 10.000 Besucher auf die private Insel, die als "der zugänglichste aktive Meeresvulkan der Welt" vermarktet wird. Geologen vor Ort wussten, dass der Vulkan ausbruchsgefährdet war. Das neuseeländische Institut für Geologie hatte die Warnstufe nach erhöhter Aktivität in den vergangenen Wochen von Stufe 1 auf Stufe 2 heraufgesetzt. 

"Ich muss sagen, dass ich sehr überrascht bin, zu hören, dass Besucher da waren, denn die Wissenschaftler scheinen sehr wohl gewusst zu haben, dass White Island in eine Phase erhöhter Aktivität eintritt", sagt der Vulkanologe der Drexel-Universität in Philadelphie Loÿc Vanderkluysen.

Wurden die Touristen ausreichend informiert?

Die offizielle Warnung war bekannt und öffentlich zugänglich. Vulkan-Touristen hätten die sogenannten "Volcano Alert Bulletins (VABs)", Neuseelands offizielle Quelle für Vulkanstatusinformationen, im Internet einsehen können.

Warum gingen die Touristen das Risiko trotzdem ein? Premierministerin Ardern sagte dazu: "Es hat anscheinend in den vergangenen 30 Jahren immer Touren gegeben. In dieser Zeit war der Vulkan immer aktiv und auch in dieser Warnstufe."

Luftaufnahme vom Vulkanausbruch in Neuseeland
Luftaufnahme vom Vulkanausbruch in Neuseeland
Quelle: DPA

Ob die Touristen von dem Reiseanbieter ausreichend vorgewarnt worden sind, bleibt zu untersuchen. Falls sie ihre Kunden nicht ausreichend geschützt haben sollten, könnten sie mit Anklagen wegen Totschlags rechnen, schreibt die Zeitung "The New Zealand Herald".

Der Reiseanbieter White Island Tours behauptet, die Sicherheitsvorschriften ernst genommen zu haben. Am Montag habe Warnstufe zwei gegolten, die vor "mäßiger bis erhöhter Vulkanaktivität" warne, sagte Firmenchef Paul Quinn dem Sender TVNZ. Auf dieser Stufe seien stets weitere Ausflüge zum Vulkan unternommen worden.

Die neuseeländische Polizei soll nun prüfen, ob die Katastrophe hätte verhindert werden können. Es wurden Ermittlungen zum Hergang der Katastrophe aufgenommen. Die Polizei stellte aber klar, dass es sich nicht um eine strafrechtliche Untersuchung handele. Es gehe lediglich um die "Umstände" der Naturkatastrophe, sagte Polizeivertreter John Tims in Wellington. Unter den Toten sind nach Medienberichten auch zwei ausgebildete Führer.

Kann der Vulkan erneut ausbrechen?

Neuseelands Geowissenschaftsagentur GNS Science warnte davor, dass es in den kommenden 24 Stunden zu einer weiteren Eruption kommen könnte, da der Vulkanschlot weiterhin "Dampf- und Schlammstrahlen" ausspuckt. Rettungskräfte hielten sich deshalb zunächst von White Island fern. Ihre Boote blieben etwa einen Kilometer auf Abstand.

Das geologische Überwachungszentrum GeoNet bezifferte das Risiko eines baldigen neuen Ausbruchs auf 50 Prozent. Deshalb verzichtete man auch darauf, mit Hubschraubern über die Insel zu fliegen oder Drohnen starten zu lassen.

Hätte man den Ausbruch voraussagen können?

Tour-Guides evakuieren Touristen nach dem Vulkanausbruch auf White Island
Tour-Guides bringen Touristen in Sicherheit.
Quelle: @sch via reuters

Der Mensch kann die Kräfte eines Vulkanausbruchs nicht bändigen - er kann aber Vorsorgemaßnahmen treffen. Vulkanüberwachung und die damit verbundene Frühwarnung spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Moderne Überwachungsmethoden lassen Veränderungen an einem Vulkan auch aus großer Entfernung erkennen. Neuseeland liegt auf dem sogenannten Pazifischen Feuerring, der geologisch aktivsten Zone der Erde. Die Vulkane werden dort mit modernster Technik und einem engmaschigen Netz überwacht, erklärt Vulkanologe Professor Christoph Breitkreuz.

Warum wurde nur Warnstufe 2 verhängt?

Insgesamt gibt es vier internationale Warnstufen, um die Gefahr eines Vulkanausbruchs zu beschreiben, erklärt Breitkreuz. Die vierte und höchste Stufe bedeutet: Ein Ausbruch steht innerhalb von 48 Stunden bevor. Ob die Geologen eine höhere Warnstufe hätten verhängen müssen, bleibt Gegenstand der laufenden Ermittlungen. "Die Verantwortlichen müssen jetzt Rede und Antwort stehen", sagt der Vulkanologe.

Der Vulkan auf White Island ist seit 1826 fast ständig aktiv, wie das Smithsonian Institute nachweist. Bei ständig aktiven Vulkanen sei es besonders schwierig, das Risiko einzuschätzen, sagt Breitkreuz. Wenn ständig eine seismische Aktivität vorliege, seien gefährliche Phasen schwer von den weniger gefährlichen zu unterscheiden. Bei einem Vulkan, der lange Ruhezeiten hat, sei das anders.

Das sind die Vorboten für den Ausbruch eines Vulkans:

  • Hebungen und Senkungen des Geländes unter und um einen Vulkan herum
  • Änderung der Temperaturen und Zusammensetzung von austretenden Gasen
  • Kleinere Erdbeben, die mit steigendem Magma immer seichter werden
  • Magnetfeld über einem Vulkan

Je dramatischer und schneller sich die Parameter verändern, desto wahrscheinlicher ist ein drohender Vulkanausbruch. "Allerdings kann ein Vulkan auch ohne jegliche Vorwarnung explodieren", schreibt Dr. Heidi Wehrmann auf der Wissensplattform der Helmholtz-Gemeinschaft.

White Island

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