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Konsequenzen im Überblick - Was die US-Sanktionen für Nord Stream 2 bedeuten

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Die USA torpedieren das russisch-europäische Pipeline-Projekt Nord Stream 2 mit Sanktionen. Ein Unternehmen hat schon Konsequenzen gezogen. Die wichtigsten Folgen im Überblick.

US-Präsident Trump hat die Sanktionen gegen den Bau der Ostee-Pipeline Nord Stream 2 in Kraft gesetzt. Er wirft Deutschland vor, sich in die Abhängigkeit von russischem Gas zu begeben.

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1. Wie gefährlich sind die US-Sanktionen für Unternehmen?

Die USA drohen den Unternehmen massiv. Als Strafen vorgesehen sind etwa Einreiseverbote in die USA für Manager der betreffenden Unternehmen. Die US-Regierung will aber auch Vermögen und Werte einfrieren, die beteiligte Firmen auf US-amerikanischem Territorium lagern. Das gilt auch beispielsweise für Schiffe, die amerikanische Hoheitsgewässer befahren. In einem Brief der republikanischen Senatoren Ted Cruz und Ron Johnson an Allseas-Chef Edward Heerema heißt es, sollte die Firma auch nur einen einzigen Tag an der Pipeline weiter arbeiten, drohten "potenziell vernichtende rechtliche und wirtschaftliche Sanktionen".

2. Warum hat ausgerechnet der Pipeline-Dienstleister Allseas seine Mitarbeit gestoppt?

Allseas betreibt eine kleine Flotte sehr teurer und hoch spezialisierter Schiffe. Eines davon beispielsweise brach nach Angaben des Unternehmens 2017 einen Weltrekord: Mit einem Kran hiefte es eine nicht mehr benötigte, 24.000 Tonnen schwere Erdölbohrplattform von Royal Dutch Shell aus der Nordsee. Mit der "Pionieering Spirit" ist Allseas maßgeblich beteiligt, die Rohre für Nord Stream 2 in der Ostsee zu verlegen. Das Schiff ist rund 400 Meter lang und gut 120 Meter breit - eine schwimmende Fabrik also.

Der Konzern arbeitet weltweit für Kunden unter anderem in der Öl- und Gasindustrie. Deswegen ist dem Unternehmen offenbar das Risiko zu groß, von den USA bestraft zu werden. Ansonsten zeigt sich die Firma zugeknöpft, was ihre Geschäftszahlen und ihre aktuellen Projekte angeht.

3. Wie viele Firmen sind an Nord Stream 2 beteiligt?

Die Nord Stream 2 AG gehört offiziell der russischen Gazprom. Chef des Aktionärsausschusses von Nord Stream 2 ist übrigens der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder. Aktionärsgesellschaften, also Investoren hinter dem Projekt, sind europäische Unternehmen wie die beiden deutschen Konzerne Uniper und Wintershall Dea, die französische Engie-Gruppe, der britisch-niederländische Shell-Konzern oder die österreichische OMV.

4. Bringen die Sanktionen das Projekt ins Wanken?

Das Nord-Stream-2-Konsortium will die Pipeline trotz der Sanktionen weiter bauen. Das teilte das Unternehmen am Samstag mit. 1.200 Kilometer sind bereits fertig, 300 Kilometer fehlen noch. Ab kommendem Jahr soll die Pipeline Gas von Russland nach Deutschland transportieren.

Die USA haben Sanktionen gegen den Bau der Gas-Pipeline Nord Stream 2 verhangen. Was bedeutet das für das Milliardenprojekt und wie reagiert Russland? Dazu ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa.

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Allerdings wird es nun schwieriger, das letzte Stück zu bauen, wenn die Spezialschiffe von Allseas nicht mehr mitarbeiten. Aber: "Das Projekt fertig zu stellen, ist unerlässlich für die europäische Versorgungssicherheit", gibt man sich bei Nord Stream zuversichtlich. "Zusammen mit den beteiligten Firmen werden wir daran arbeiten, die Pipeline so schnell wie möglich fertig zu bauen."

Karte: Pipeline Nord Stream 2
Der Verlauf der Pipeline zwischen Russland und Deutschland. 1.200 Kilometer sind schon fertig, 300 fehlen noch.
Quelle: ZDF

5. Berlin wertet die US-Sanktionen nicht als Sanktionen gegen Deutschland sondern gegen einzelne Firmen - ist das zu einfach?

Die Sanktionen "treffen deutsche und europäische Unternehmen und stellen eine Einmischung in unsere inneren Angelegenheiten dar", sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer am Samstag in Berlin. Wenn es aber eine derartige Einmischung in innere Angelegenheiten ist, müsste die Regierung eigentlich reagieren. Bereits im Vorfeld hatte der Osteuropaverein der Deutschen Wirtschaft die geplanten Sanktionen scharf kritisiert.

"Wenn wir hier kein klares Stopp-Signal setzen, drohen wir auf Dauer zum Spielball außereuropäischer Mächte zu werden", sagte der Vorsitzende des Ost-Ausschusses, Oliver Hermes. "Die EU muss ihrerseits schnell Instrumente entwickeln, die derartige Eingriffe in europäische Souveränitätsrechte von außerhalb verhindert oder kompensiert. Diese Debatte sollte die Bundesregierung jetzt mit Hochdruck in Brüssel vorantreiben." Vermutlich wird der Druck auf Berlin aus dieser Richtung wachsen.

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