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Preiserhöhung von Fassbier - Warum Bier teurer werden muss

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Die Radeberger Gruppe erhöht ihre Preise für Fassbier: Frisch Gezapftes beim Wirt wird also teurer. Doch Bier sei sowieso zu billig in Deutschland, meinen Experten.

2019 bleibt ein schwaches Jahr für die Bierbrauer. Symbolbild
Bier vom Fass soll ab März teurer werden.
Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Wir denken hier stark in der Dimension Freibier.
Lothar Eppertz, Geschäftsührer des Bayerischen Brauerbunds

Es ist kühl, es ist goldfarben und sprudelt frisch aus dem Fass - und es soll teurer werden: Die Preise für Fassbier werden steigen, kündigt die Radeberger-Gruppe an. Und damit scheint Hopfen und Malz verloren: Obwohl noch unklar ist, um wie viel teurer das Bier überhaupt werden soll, berichtet gefühlt jedes Medium in Deutschland über die Ankündigung des Unternehmens. "Wir denken hier stark in der Dimension Freibier", sagt Lothar Eppertz, Geschäftsührer des Bayerischen Brauerbunds. Er sagt: Bier sei zu billig, eine Preiserhöhung dringend notwendig für das Überleben der Brauereien.

Zuerst einmal wird mit der Fassbier-Preiserhöhung ab März diesen Jahres das Bier für Gastronomen teurer. Aber bis das den Kunden erreicht, wird es wohl nicht lange dauern. "Die Preiserhöhung wird auch beim Wirt ankommen und damit auch beim Gast", sagt Niklas Other, Herausgeber des Getränkemagazins "Inside". Aber er sagt auch: "Bier und auch Fassbier sind in Deutschland im europäischen und weltweiten Vergleich sehr günstig." Aus seiner Sicht sei der Preis zu niedrig im Vergleich zu anderen Ländern mit weniger Bierkultur.

Warum Radeberger die Preise erhöht

Birte Kleppien, Sprecherin der Radeberger-Gruppe nennt "eine überlastete Lieferkette, Tariferhöhungen, veränderte Preise für Logistik, Energie und Verpackungsmaterialien" als Gründe. Auch Investitionen in mehr Nachhaltigkeit, zum Beispiel in den Mehrwegkreislauf, führen laut Kleppien zu Kostensteigerungen. Zur Höhe der geplanten Preisanhebungen machte die Radeberger-Gruppe keine Angaben. Auch Krombacher und möglicherweise Veltins schließen sich der Fassbier-Preiserhöhung in diesem Jahr an.

Das Unternehmen erhöht auch für einen kleinen Teil der Flaschenbiere die Preise, für Dosenbier aber nicht. Die letzte größere Preiserhöhung betraf im März 2018 die Flaschenbiere einiger Marken. 2018 ist Bier im Vergleich zum Jahr 2017 um knapp vier Prozent teurer geworden.

Hopfen-Feld
Ein Hopfenfeld im Sommer: Ernte, Gärung, Lagerung - Bierherstellung ist aufwendig.
Quelle: ZDF/Stefan Urmann

Bier ist billig in Deutschland

Zunächst die Fassbier-Preise zu erhöhen mache Sinn: "Die Konsumzurückhaltung bei Flaschenbier im Handel ist in der Regel stärker ausgeprägt", sagt Yvonne Bertinchamp vom Marktbeobachter Nielsen Deutschland. Denn Preiserhöhungen würden sich durchaus in Absatzrückgängen bemerkbar machen. Der Bierabsatz finde ohnehin eher im Einzelhandel statt als in der Gastronomie, sagt Other vom Fachmagazin "Inside". Er schätzt den Flaschenbieranteil auf 80 Prozent. "Die niedrigen Preise dort sind die größere Bedrohung für die Brauereien", sagt Other.

Der Preisdruck im Einzelhandel

Während die meisten Menchen bereit sind für Wein viel Geld zu bezahlen, sei die Bereitschaft dazu bei Bier geringer, der Aufschrei bei einer Preiserhöhung lauter, beobachtet Eppertz vom Bayerischen Brauerbund. "Wenn man sich den Aufwand der Bierherstellung vor Augen führt von der Züchtung der Rohstoffe bis zum Handel, macht das keinen Sinn", sagt Eppertz. Ein Kasten Bier habe vor 30 Jahren 19 Mark gekostet und koste jetzt teilweise 9,99 Euro - während für Brauereien alles teurer geworden sei.

Die Deutschen werden sich daran gewöhnen müssen, dass Bier ein bisschen teurer wird.
Niklas Other, Herausgeber des Getränkemagazins "Inside"

Der Bierpreis sei im Vergleich zu anderen Lebenskosten in den vergangenen 30 Jahren relativ stabil geblieben, sagt auch Other von "Inside". Schließlich seien in dem Zeitraum die Löhne gestiegen, die Preise für Malz und Hopfen und auch für die Logistik - es gebe zum Beispiel zu wenig Lastwagenfahrer. "Die Deutschen werden sich daran gewöhnen müssen, dass Bier ein bisschen teurer wird", sagt Other.

Eine Gefahr für die Brauereien?

Alles andere sei auch ein Problem, wenn die Vielfalt der traditionellen, mittelständischen Brauereien in Deutschland erhalten werden soll, meint Eppertz. Der niedrige Bierpreis in Deutschland sei das Ergebnis eines enorm scharfen Wettbewerbs. "Der Bierkonsum sinkt seit Jahrzehnten und hat seit den 70er Jahren rund ein Drittel seines Volumens verloren", sagt der Chef des Bayerischen Brauerbrundes. Eine große Zahl von Brauereien kämpfe um Kunden – und das geschehe seit Jahren über den Preis. Erst seit zwei, drei Jahren zeichne sich ein Wertewandel durch den Craft-Beer-Trend ab: "Die Leute sind wieder eher bereit einen angemessenen Preis für Bier zu zahlen", beobachtet Eppertz.

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