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Rekordzahlen bei Klimademos - Wo die meisten Menschen auf die Straße gingen

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Weltweit sind Menschen fürs Klima auf die Straße gegangen. Alleine bei uns waren es 1,4 Millionen. Wie viele es in deutschen Städten waren, sehen Sie in einer interaktiven Karte.

Tanz, Trommeln und Blockaden: Für einen entschiedeneren Kampf gegen die Erderwärmung sind in Deutschland und rund um den Globus am Freitag Hunderttausende auf die Straße gegangen. Die Jugendbewegung Fridays for Future hatte erstmals ausdrücklich auch Erwachsene aufgerufen, sich an den Freitagsprotesten zu beteiligen.

Der Zulauf in Deutschland war groß: In Berlin gingen nach Angaben der Aktivisten etwa 270.0000 Menschen auf die Straße, die Polizei ging von "mehreren Zehntausend" aus. In Köln waren es laut Veranstalter 70.000, in Hamburg laut Polizei ebenfalls 70.000. In Hannover beteiligten sich gut 25.000 Menschen, in München 40.000 und selbst in kleineren Städten wie Münster und Freiburg waren es 20.000 und mehr. Fridays for Future erklärte, 1,4 Millionen Menschen hätten in der Bundesrepublik demonstriert.

Weltweit Hunderttausende bei Protesten

Auch in anderen Ländern der Welt protestierten die Menschen: Im südafrikanischen Johannesburg, dem indischen Delhi und in Athen etwa. Allein in Australien folgten rund 300.000 Menschen dem Protestaufruf, wie die Veranstalter mitteilten.

Klimastreik in Palangka Raya  (Indonesien) am 20.09.2019
Auch in Indonesien demonstrierten viele Menschen. Bei ihnen wird durch zunehmende Rodung die Luft dünn - im wahrsten Sinne des Wortes.
Quelle: Reuters

Die von der Schwedin Greta Thunberg angestoßene Klimabewegung wird von Schülern und Studenten getragen. Sie fordern von der Politik mehr Ehrgeiz im Kampf gegen die Erderhitzung und die drohende Klimakatastrophe. Vor allem müsse gemäß dem Pariser Klimaabkommen die globale Erwärmung auf unter 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit eingedämmt werden.

"Dieser Planet wird heißer als mein Freund"

In ganz Deutschland waren in Dutzenden Städten mehr als 570 Aktionen und Demonstrationen angemeldet. Auf Plakaten waren Slogans zu lesen wie "Ihr habt verschlafen, wir sind aufgewacht", "Kurzstreckenflüge nur für Bienen" oder "Dieser Planet wird heißer als mein Freund". In Berlin standen drei Menschen auf abtauenden Eisklumpen unter einem Galgen - mit einer Schlinge um den Hals.

Klimastreik in Berlin am 20.09.2019 in
Unter ihnen das schmilzende Eis.
Quelle: Reuters

Vereinzelt wurden von Gruppen wie Extinction Rebellion Straßen blockiert, unter anderem in Frankfurt und Berlin. In Frankfurt drangen Protestierende in die Paulskirche ein. Für die internationale Streikwoche, die nun begonnen hat, haben Aktivisten Proteste in mehr als 2.900 Städten in über 160 Staaten angekündigt.

Fridays for Future: Das Klimakabinett tut nicht genug

Adressat der Protestaktionen in Deutschland war auch das Klimakabinett der Bundesregierung, das am Freitag Eckpunkte für mehr Klimaschutz vorlegte. Unter anderem enthält es einen Preis auf den Ausstoß klimaschädlichen Kohlendioxids, jedoch auf niedrigem Niveau. Zugleich sollen aber auch Fernpendler entlastet werden. "Fridays for Future hat uns alle aufgerüttelt und in Erinnerung gerufen, dass wir Schritte jetzt gehen müssen, die wir in den vergangenen Jahren nicht gegangen sind", erklärte Finanzminister Olaf Scholz (SPD) bei der Vorstellung der Pläne.

Pressekonferenz zur Klimapaket am 20.09.2019 in Berlin
"Das ist heute kein Durchbruch, das ist ein Skandal." - Aktivistin Luisa Neubauer kritisiert das Kabinett.
Quelle: dpa

Auf die Beschlüsse reagierte Fridays for Future auf Twitter mit Kritik. Die Aktivistin Luisa Neubauer schrieb: "Während Hunderttausende klimastreiken, einigt sich die GroKo anscheinend auf einen Deal, der in Ambitionen und Wirksamkeit jenseits des politisch und technisch Machbaren liegt." Und weiter: "Das ist heute kein Durchbruch, das ist ein Skandal."

Deutsche laut Umfragen für mehr Klimaschutz

Für Deutschland fordert Fridays for Future unter anderem, schon bis Jahresende alle Subventionen für fossile Energieträger wie Öl und Kohle zu streichen, ein Viertel der Kohlekraft abzuschalten und eine Steuer auf Treibhausgasemissionen zu erheben. Die Bewegung bekommt breite Unterstützung. Mit dabei sind Umwelt- und Entwicklungsorganisationen wie Greenpeace und Brot für die Welt, aber auch die Evangelische Kirche, die Gewerkschaft Verdi und der Deutsche Kulturrat.

Auch viele Bürger wünschen sich ein Umsteuern in der Klimapolitik. Laut ARD-"Deutschlandtrend" sind knapp zwei Drittel der von Infratest-dimap befragten Bundesbürger (63 Prozent) der Meinung, dass der Klimaschutz Vorrang haben sollte, selbst wenn dies dem Wirtschaftswachstum schadet. Die Schwedin Greta Thunberg, die zurzeit in den USA ist, demonstriert seit vergangenem Sommer jeden Freitag - also meistens während der Schulzeit - für mehr Klimaschutz. Ihr Schulstreik hat weltweit Menschen zu Demonstrationen inspiriert.

Scientists for Future: Letzte vier Jahre die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen

An diesem Samstag startet der Jugend-Klimagipfel der Vereinten Nationen in New York, ihm folgt zwei Tage später der UN-Klimagipfel mit Staats- und Regierungschefs vor der UN-Generalversammlung. Zum globalen Klimastreik wiesen Umweltaktivisten von Scientists for Future auf wissenschaftliche Fakten zur Erderhitzung hin. So sei weltweit die Durchschnittstemperatur bereits um ein Grad gestiegen, relativ zum Zeitraum 1850 bis 1900, schreiben die Wissenschaftler auf Twitter und stellen sich hinter die Proteste von Fridays for Future.

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Und die vergangenen vier Jahre seien die wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gewesen. Auch sei es erwiesen, dass der Mensch mit seinen Treibhausgasemissionen nahezu vollständig verantwortlich sei für dieses Temperaturplus. Schon jetzt verursache die Erderwärmung in vielen Regionen Extremwetter wie Hitzewellen, Dürren, Waldbrände und Starkregen.

Auf der ganzen Welt sind Menschen auf die Straße gegangen, um für Klimaschutz zu demonstrieren. Schüler, Eltern, Wissenschaftler – vereinigt in der Bewegung "Fridays for Future".

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