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FC-Bayern-Hauptversammlung - Hoeneß wird antastbar

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Hauptversammlung beim FC Bayern München: Es gab Pfiffe und Buhrufe gegen Präsident Uli Hoeneß. Ein kritischer Redner bekam viel Beifall. Hoeneß ist für viele antastbar geworden.

Uli Hoeneß spricht am 30. November 2018  auf der Hauptversammlung des FC Bayern München
Uli Hoeneß spricht am 30. November 2018 auf der Hauptversammlung des FC Bayern München
Quelle: dpa

Fast ganz am Ende der überwiegend eher ruhigen Jahreshauptversammlung wurde es für Uli Hoeneß doch noch ein unangenehmer Abend. Unmut unter den 1682 anwesenden Mitgliedern des FC Bayern war zwar schon teils während der rund vierstündigen Zusammenkunft zu vernehmen gewesen. Doch erst bei der siebten von neun Wortmeldungen sah sich der Präsident und Aufsichtsratsvorsitzende sehr direkten Angriffen der Untergebenen ausgesetzt. Für Hoeneß, sonst eher Huldigungen nordkoreanischen Ausmaßes gewohnt, war das ein mindestens überraschendes Aufbegehren.

"Der FC Bayern ist keine One-Man-Show"

"Der FC Bayern ist keine One-Man-Show", rezitierte das Mitglied Johannes Bachmayr am Ende seiner Rede leicht abgewandelt den Präsidenten. Hoeneß hatte 2010 den selbstherrlichen, damaligen Bayern-Trainer Louis van Gaal mit den Worten angegriffen: "Ein Verein ist heutzutage keine One-Man-Show mehr."

Zuvor hatte Bachmayr die aus seiner Sicht zahlreichen Verfehlungen, speziell von Hoeneß, sehr pointiert bis polemisch aufgelistet. Es ging um Versäumnisse in der Personalpolitik, vom Kader über den Trainer bis zum Sportdirektor. Es ging um Vetternwirtschaft und Verträge mit Katar, um das Nachtreten gegen Ehemalige sowie um die längst legendäre Pressekonferenz vom Oktober, auf der Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge die Menschenwürde angeführt hatte, ehe Hoeneß dem im Sommer an Paris Saint-Germain verkauften Linksverteidiger Juan Bernat nachrief, dieser habe einen "Scheißdreck gespielt". Und es ging um die Verbannung von Paul Breitner von der Ehrentribüne, nachdem dieser Hoeneß für dessen Auftritt auf der besagten Pressekonferenz kritisiert hatte.

Dass der kritische Redner Bachmayr besonders viel Beifall bekam, erzählte einiges über die Stimmung unter den Mitgliedern, die ihren Präsidenten zunehmend hinterfragen. Das galt auch für die lauten Pfiffe gegen Hoeneß und die "Zurücktreten"- sowie "Lügner"-Rufe, nachdem der 66-Jährige dem Redner "viele Unwahrheiten" vorgeworfen und gesagt hatte: "Ich lehne eine Diskussion auf dem Niveau total ab." Dabei hatte Bachmayr für viele Mitglieder und Beobachter nachvollziehbare Kritikpunkte vorgetragen und den Präsidenten mit seiner selbstbewussten und scharfzüngigen Rede wohl einfach ziemlich kalt erwischt. Und dass Wortbeiträge auf einer Vereinsversammlung nicht immer höchsten Stilansprüchen genügen, sollte Hoeneß nicht dünnhäutig quittieren. Auch er hat bei diesen Gelegenheiten schon sehr oft sehr polemisch ausgeteilt – und sich dafür feiern gelassen.

Gebaren sorgt immer wieder für Kritik

Es ist nicht erst am Freitagabend der Eindruck entstanden, dass Hoeneß langsam aufpassen muss, sein Lebenswerk FC Bayern unbeschadet und würdevoll übergeben zu können. Immer häufiger sorgt sein Gebaren für Kritik, vor allem jene Selbstgerechtigkeit, die unter anderem auf der Pressekonferenz im Oktober sichtbar wurde. Es hilft dabei auch nicht, dass sich Hoeneß für seine unglücklichen Auftritte teils entschuldigt, weil er meist rasch danach für den nächsten Eklat sorgt.

Uli Hoeneß hat Investitionen "in größerem Stil" angekündigt. Zudem spiele Oliver Kahn in den Überlegungen des FC Bayern eine Rolle, so der Präsident bei der Jahreshauptversammlung, wo es auch Misstöne gab.

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In einem Jahr stehen wieder Präsidiumswahlen an, und Hoeneß hat schon anklingen gelassen, dass er sich voraussichtlich noch einmal im Amt bestätigen lassen will, wenn auch eher nicht für volle drei Jahre. Spätestens am Freitagabend dürfte ihm klar geworden sein, dass er antastbar geworden ist für viele Mitglieder, von denen er als Familienoberhaupt vor allem geliebt werden will. Als er im November 2013 nach Bekanntwerden seiner Steuerhinterziehung weinte, wurde er von den Mitgliedern gefeiert, ehe er sich von diesen im Mai 2014 in seine Haftstrafe mit den Worten verabschiedete: "Das war’s noch nicht." Im November 2016, vor seiner Comeback-Wahl als Präsident, bat er die Mitglieder um eine zweite Chance. Er bekam sie, mit einem nordkoreanisch anmutenden Ergebnis.

Spätestens jetzt sollte sich Hoeneß gut überlegen, wie er diese zweite Chance noch nutzen kann, um zu einer würdevollen Übergabe seines Lebenswerks FC Bayern bis zu seinem Abtritt beizutragen, wann auch immer dieser erfolgen wird. Selbstgerechtigkeit, Stammtischsprüche und Alleingänge, das wurde Hoeneß am Freitag deutlich vor Augen geführt, halten viele Mitglieder dafür zurecht für ungeeignet.

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