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Fed-Chefin Janet Yellen tritt ab - Makellose Bilanz - aber nicht Trumps Fall

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Janet Yellen hat eine makellose Bilanz an der Fed-Spitze. Sie hat die Geldpolitik wieder normalisiert. Ihr Nachfolger wird es nicht leicht haben, in diese Fußstapfen zu treten.

US-Notenbank-Chefin Janet Yellen.
US-Notenbank-Chefin Janet Yellen. Quelle: Andrew Harnik/AP/dpa

Die US-Notenbank lässt die Zinsen zum Ende der Ära der FED-Chefin Janet Yellen unangetastet. Beobachter verwundert das nicht. Denn nur wenige Tage vor dem Amtsantritt ihres Nachfolgers, Jerome Powell, gehört es sozusagen zum guten Ton, nicht kurz vorher noch eine Richtungsentscheidung in Stein zu meißeln.

Außerordentliche Bilanz der Fed-Chefin

Dennoch: Den von Yellen eingeschlagenen Weg will die Fed - Stand gestern - weiter gehen. Denn im Statement des Offenmarktausschusses der Fed heißt es: "Der Ausschuss erwartet, dass die wirtschaftlichen Bedingungen sich in einer Weise entwickeln werden, die weitere moderate Erhöhungen bei der Federal Funds Rate rechtfertigen wird", sprich: Die Zinsen können schon im März weiter steigen. Damit wirkt Janet Yellens Amtszeit noch ein wenig über ihren Abgang hinaus. Am Wochenende wird die mächtigste Notenbankerin der Welt den Stab an ihren Nachfolger, Jerome Powell, übergeben - einen vom US-Präsidenten Donald Trump favorisierter Kandidat.

Die Amtszeit Janet Yellens war vergleichsweise kurz. Doch in nur vier Jahren an der Spitze der Fed hat sie einen Fußabdruck hinterlassen, der groß ist und sichtbar bleiben wird. Denn die Berkeley-Ökonomin hat es geschafft, die Geldflut einzudämmen - ohne dabei die Finanzmärkte in die Krise zu stürzen oder auch nur nennenswerte Turbulenzen auszulösen. Die Wirtschaft hat sich unter Yellen an der Spitze der Fed stark entwickelt: Lag die Arbeitslosigkeit zu Beginn ihrer Amtszeit bei 6,7 Prozent, ist sie bis heute auf rund vier Prozent gesunken. Eine solche Bilanz ist außerordentlich.

Trump will anderen Fed-Chef

Die US-Notenbank ist zwei Zielen verpflichtet: Zum einen soll sie für Vollbeschäftigung sorgen, zum anderen - ähnlich wie die Europäische Zentralbank - ist sie für Preisstabilität verantwortlich. Auch hier ist die Bilanz von Janet Yellen makellos: Die Preisteuerung in den USA liegt im Zielkorridor von zwei Prozent. Das ist ein Wert, von dem EZB-Chef Mario Draghi nur träumen kann:  Im Januar ist die Inflation im Euroraum wieder gesunken - von 1,4 Prozent im Dezember auf 1,3 Prozent im Januar. Auch die EZB peilt eine Preisteuerung von knapp zwei Prozent an, ist von diesem Ziel also noch weit entfernt.

Warum muss die Fed-Chefin nach einer solch positiven Bilanz nun ihren Hut nehmen? Die Antwort ist im Weißen Haus in Washington zu finden - und heißt Donald Trump. Der hat, gegen alle Gepflogenheiten der Vergangenheit, Yellen nicht um eine Verlängerung ihrer Amtszeit gebeten. Dafür hat er ihr aber mitgegeben, dass sie sich angesichts der niedrigen Zinsen schämen solle. Das klingt verwunderlich angesichts der Tatsache, dass die Fed-Chefin fünf Mal die Zinsen angehoben hat und überdies erfolgreich damit begonnen hat, die durch Anleihekäufe aufgeblähte Bilanz der Notenbank langsam abzuschmelzen.

Bleibt Fed unabhängig?

Wie auch immer, jedenfalls dürfte ihr Nachfolger aus Sicht von Trump zwei entscheidende Qualifikationen haben: Er ist männlich, und er ist nicht von Barack Obama, sondern von ihm ernannt worden. Und Trump erwartet von seinen Schützlingen gewöhnlich, dass sie sich, einmal im Amt, erkenntlich zeigen - also Politik nach seinem Gusto betreiben.

Im Falle der US-Notenbank nun könnte das zum Problem werden - denn die soll politisch unabhängig agieren. Bisher hat Jerome Powell, der seit 2012 im Führungsgremium der Fed sitzt, den Kurs von Janet Yellen unterstützt. Es wird spannend zu beobachten sein, wie es in der amerikanischen Notenbank unter Powell und nach der Ära Yellen weiter gehen wird.

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