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100 Jahre Frauenwahlrecht - Schauspielerin wiederholt historische Rede

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Zur Erinnerung zitiert die Schauspielerin Susanne-Marie Wrage bei der Feiestunde im Bundestag aus der ersten Rede einer Abgeordneten, Marie Juchacz (SPD), im Reichstag.

Zur Erinnerung zitiert die Schauspielerin Susanne-Marie Wrage bei der Feierstunde im Bundestag aus der ersten Rede einer Abgeordneten, Marie Juchacz (SPD), im Reichstag.

Beitragslänge:
4 min
Datum:

Rezitation für die Feierstunde am 17. Januar 2019 aus Anlass des 100. Jahrestages der Einführung des Frauenwahlrechtes - Dokumentation der Rede. Hier nochmal zum Nachlesen:

Es ist das erste Mal, dass in Deutschland die Frau als Freie und Gleiche im Parlament zum Volke sprechen darf, und ich möchte hier feststellen, und zwar ganz objektiv, dass es die Revolution gewesen ist, die auch in Deutschland die alten Vorurteile überwunden hat.

Zwischenruf bei den Sozialdemokraten: Sehr richtig!

Marie Juchacz hielt ihre Rede am 19. Februar 1919 in der Nationalversammlung
Marie Juchacz hielt ihre Rede am 19. Februar 1919 in der Nationalversammlung
Quelle: getty images

Die Frauen besitzen heute das ihnen zustehende Recht der Staatsbürgerinnen. Gemäß ihrer Weltanschauung konnte und durfte eine vom Volke beauftragte sozialistische Regierung nicht anders handeln, wie sie gehandelt hat. Sie hat getan, was sie tun musste, als sie bei der Vorbereitung dieser Versammlung die Frauen als gleichberechtigte Staatsbürgerinnen anerkannte. Ich möchte hier feststellen und glaube damit im Einverständnis vieler zu sprechen, dass wir deutschen Frauen dieser Regierung nicht etwa in dem althergebrachten Sinne Dank schuldig sind. Was diese Regierung getan hat, das war eine Selbstverständlichkeit: Sie hat den Frauen gegeben, was ihnen bis dahin zu Unrecht vorenthalten worden ist.

Wollte die Regierung eine demokratische Verfassung vorbereiten, dann gehörte zu dieser Vorbereitung das Volk, das ganze Volk in seiner Vertretung. Die Männer, die dem weiblichen Teil der deutschen Bevölkerung das bisher zu Unrecht vorenthaltene Staatsbürgerrecht 2 gegeben haben, haben damit eine für jeden gerecht denkenden Menschen, und für jeden Demokraten selbstverständliche Pflicht erfüllt. Unsere Pflicht aber ist es, hier auszusprechen, was für immer in den Annalen der Geschichte festgehalten werden wird, dass es die erste sozialdemokratische Regierung gewesen ist, die ein Ende gemacht hat mit der politischen Unmündigkeit der deutschen Frau.

Zwischenruf bei den Sozialdemokraten: Bravo!

Durch die politische Gleichstellung ist nun meinem Geschlecht die Möglichkeit gegeben zur vollen Entfaltung seiner Kräfte. Mit Recht wird man erst jetzt von einem neuen Deutschland sprechen können und von der Souveränität des ganzen Volkes. Durch diese volle Demokratie ist aber auch zum Ausdruck gebracht worden, dass die Politik in Zukunft kein Handwerk sein soll. Scharfes, kluges Denken, ruhiges Abwägen und warmes menschliches Fühlen gehören zusammen in einer vom ganzen Volke gewählten Körperschaft, in der über das zukünftige Wohl und Wehe des ganzen Volkes entschieden werden soll. Ich möchte hier sagen, dass die Frauenfrage, so wie es jetzt ist in Deutschland, in ihrem alten Sinne nicht mehr besteht, dass sie gelöst ist.

Zwischenruf bei den Sozialdemokraten: Sehr richtig!

Aber damit begeben wir uns nun keineswegs des Rechts, andersgeartete Menschen, weibliche Menschen zu sein. Es wird uns nicht einfallen, unser Frauentum zu verleugnen, weil wir in die politische Arena getreten sind und für die Rechte des Volkes mitkämpfen.

Zwischenruf bei den Sozialdemokraten: Bravo!

Wir Frauen sind uns sehr bewusst, dass in zivilrechtlicher wie auch in wirtschaftlicher Beziehung die Frauen noch lange nicht die Gleichberechtigten sind. Es wird hier angestrengtester und zielbewusster Arbeit bedürfen, um den Frauen im staatsrechtlichen und wirtschaftlichen Leben zu der Stellung zu verhelfen, die ihnen zukommt.

Quelle: www.reichstagsprotokolle.de

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