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Silvester - Ein Silvester-Feuerwerk an Feinstaub

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Schwere Verletzungen und dreckige Luft: Das Silvester-Feuerwerk hat Nebenwirkungen. Sollte man es deshalb verbieten - oder zumindest aus den Innenstädten verbannen?

Die Knallerei zu Silvester ist nicht nur wegen der Unfallgefahr umstritten: Wenn Feuerwerkskörper abbrennen, dann steigt die Belastung der Luft mit Schadstoffen drastisch an.

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Für Jörg Thiele und seine Mitarbeiter ist heute der turbulenteste Tag des Jahres. Thiele ist Betriebsleiter der Pyrotechnischen Fabrik GmbH in Kiel, kurz WECO - unter diesem Namen begegnet die Firma den Fans der Silvesterböllerei in Deutschland. Immer am 28. Dezember findet in Kiel der Werksverkauf statt. Schon um 4 Uhr morgens stünden sie Schlange in der Hoffnung auf ein Schnäppchen, sagt Thiele.

Es gibt Kartons für 30 und für 50 Euro. Sie sind so etwas wie eine Wundertüte: Darin stecken Raketen und Böller in verschiedenen Größen und Farbvarianten. Er staune selbst immer wieder, was an diesem Tag auf dem Firmengelände los sei, dem umsatzstärksten Tag im Jahr, sagt Thiele.

In der Tübinger Altstadt gilt ein Feuerwerksverbot. Warum ist das so? Und warum nur in der Altstadt? Daniel Bröckerhoff spricht mit Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer.

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Verletzungen und Feinstaub

Doch das Feuerwerk hat Nebenwirkungen: Schwere Verletzungen kommen in der Silvesternacht immer wieder vor - sie schrecken aber nicht wirklich ab. Das große Feuerwerk gehört für viele Deutsche zum Jahreswechsel einfach dazu. Eine Tradition mit einem weiteren, oft unterschätzten Risiko.

Denn wenn Feuerwerkskörper abbrennen, steigt die Belastung der Luft mit Schadstoffen drastisch an. Durch Böller und Raketen entstehe in kurzer Zeit Feinstaub in hoher Konzentration, sagt Ute Dauert vom Umweltbundesamt in Dessau.

Das Silvesterfeuerwerk bläst riesige Mengen Feinstaub in die Luft.

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Jeder kennt wohl die Situation, wenn um Mitternacht die Luft zum Schneiden ist, die Augen brennen und es im Hals kratzt. Wenn wir Feuerwerkskörper abbrennen, steige die Belastung der Luft mit Schadstoffen explosionsartig an, erklärt Dauert. Zu großen Teilen bestehe der Feuerwerksqualm aus Feinstaub. Es sei erwiesen, dass der sich negativ auf den Gesundheitszustand auswirken könne - ganz abgesehen von den üblichen Verletzungen zum Jahreswechsel, sagt sie.

Luft so belastet wie im ganzen Jahr nicht

Tatsächlich zeigen Auswertungen des Umweltbundesamts, dass am ersten Tag des neuen Jahres die Luftbelastung mit gesundheitsgefährdendem Feinstaub vielerorts so hoch ist wie sonst im ganzen Jahr nicht, vor allem in den Großstädten.

Bei der Böllerei werden demnach rund 4.500 Tonnen Feinstaub freigesetzt. Diese Menge entspreche etwa 15,5 Prozent der jährlich im Straßenverkehr abgegebenen Feinstaubmenge und mehr als zwei Prozent aller Feinstaub-Emissionen. Anfang 2018 hatte sich der Böller-Smog zumindest schnell verzogen, weil es einen kräftigen Wind gab.

Von der Knallerei seien besonders Menschen mit Vorerkrankungen betroffen, sagt Annette Peters vom Helmholtz-Zentrum München, einer Forschungseinrichtung für Gesundheit und Umwelt. Also ältere Menschen, die Atemwegs- oder Herz-Kreislauferkrankungen hätten, und möglicherweise auch Kinder, Frühgeborene, die solch hohe Konzentrationen nicht gut aushalten könnten.

Nur wenige Feuerwerksverbote in Deutschland

Einzelne Kommunen haben die Böllerei bereits in Teilen der Innenstädte und auf bestimmten Plätzen verboten. Auch in München regt sich Widerstand - die Bürgerinitiative "Silvesterböllerei? Nein danke" fordert das sofortige Aus für die private Knallerei im Stadtzentrum. Nur noch wenige zentrale Feuerwerke solle es geben, die von der Stadt organisiert werden. In München beschäftigen sich die Bezirksausschüsse seit langem intensiv mit dem Thema. Verbote aber sind schwierig, weil nach wie vor die rechtliche Grundlage fehle, sagt auch die Bürgerinitiative.

Das Feuerwerk zu Silvester verursacht jedes Jahr viel Feinstaub. Hannover will nun - auch aus Sicherheitsgründen - Böller aus der Innenstadt komplett verbannen.

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Tatsächlich gibt es in Deutschland nur wenige Feuerwerksverbote. So ist das Böllern in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern und Altenheimen verboten. Außerdem in der Nähe von Fachwerk- oder Reetdachhäusern wie auf der Insel Sylt, wo es nur in Westerland in Wassernähe ein Silvesterfeuerwerk gibt. Hier ist der Brandschutz Grund für die Verbote.

Politik hält sich bedeckt

Auch die Deutsche Umwelthilfe, die immer wieder für Diesel-Fahrverbote in den Städten klagt, hat sich zum Thema Silvesterböllerei geäußert. Sie warnt vor einer hohen Feinstaubbelastung zu Silvester und fordert eine Verlegung von Feuerwerken aus belasteten Innenstädten. "Entweder auf Flächen am Stadtrand, wo die Menschen ihre Feuerwerkskörper abfeuern können oder noch besser ein professionelles Feuerwerk außerhalb sensibler Zonen, an dem sich alle erfreuen können und welches kaum Feinstaub erzeugt", schlägt Geschäftsführer Jürgen Resch vor.

Während Umweltexperten und Mediziner vor Feinstaubbelastung und Unfällen an Silvester warnen, halten sich Politiker auffällig bedeckt. Sie wissen, dass Böllerverbote bei vielen nicht gut ankommen. Vor allem junge Leute wollen sich diesen Spaß nicht verderben lassen. Es einmal im Jahr richtig krachen lassen - das müsse doch bei allen Bedenken noch drin sein, sagen viele. Auch Annette Peters vom Helmholtz-Zentrum betont, dass die Belastung nur sehr kurz stattfinde. Ein Feuerwerk gehöre zum Jahreswechsel dazu. Es hänge an jedem Einzelnen, wie verantwortungsvoll er damit umgeht.

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