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Ed Sheeran statt Lerchen-Gesang - "Die Brut findet nicht statt - fliegt weiter"

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Wegen eines Ed-Sheeran-Konzerts sollen gefährdete Feldlerchen umgesiedelt werden. Nur deshalb? Ein Interview mit Josef Tumbrinck, Landesvorsitzender des Naturschutzbunds in NRW.

Archiv: Feldlerche
Die Feldlerche wird bald umziehen müssen. Quelle: imago

heute.de: Am 22. Juli soll Ed Sheeran auf dem Flughafengelände in Essen/Mülheim auftreten und der Andrang ist groß. Das Konzert ist schon ausverkauft, 80.000 Zuschauer werden erwartet. Nun regt sich aber Kritik unter Naturschützern. Wo liegt das Problem?

Josef Tumbrinck: Auf dem Gelände ist die letzte Feldlerchenpopulation in einem weiten Umkreis von 20 bis 30 Kilometern und das Konzert soll mitten in der Brutzeit dieser mittlerweile in NRW gefährdeten und bedrohten Art stattfinden. Wir befinden uns schließlich in einem Ballungsraum und Feldlerchen brauchen, wie der Name schon sagt, ein offenes Feld. Zwar gibt es noch Freiflächen, aber nur noch in kleinen Bereichen und die sind teils durch intensive Landwirtschaft unattraktiv.

heute.de: Was fordern Sie von der Stadt?

Tumbrinck: Das Konzert kann aus unserer Sicht zu dem Zeitpunkt nicht dort stattfinden. Die Stadt will es genehmigen, aber aus artenschutzrechtlicher Sicht geht das gar nicht. Darum hat sich die Stadt dann überlegt, die Vögel zwei Kilometer weit weg zu verlegen.

heute.de: Die Stadt Essen hatte sogenannte Ausgleichsflächen vorgeschlagen, eigens angelegte Grasflächen, auf die die Vögel ausweichen können. Aber Sie glauben, das wird nicht funktionieren.

Tumbrinck: Es ist ja so, dass die Feldlerchen dort schon vor dem Konzert brüten. Die machen zwei, manchmal drei Bruten. Sie können den Feldlerchen dann nicht einfach sagen: "Die zweite Brut findet nicht statt, da ist jetzt ein Konzert. Fliegt mal bitte zwei Kilometer weiter, da haben wir was für euch vorbereitet." Die bleiben entweder verstört an dem Ort zurück oder hauen ganz ab. Eine Umsiedlung mitten in der Brutzeit funktioniert nicht. Man kann versuchen, langfristig neue Lebensräume zu schaffen, aber das ist nicht vorgesehen.

heute.de: Schließlich geht es nur um das eine Konzert, richtig?

Tumbrinck: Die eigentliche Problematik ist, dass die Stadt zukünftig die einzige verbliebene Freifläche bebauen möchte. Der Flugbetrieb hört bald auf und da ist es natürlich schön, wenn sich die Feldlerchen schon mal umsiedeln können oder sie sogar vertrieben worden sind. Denn dann ist es einfacher, dort in Zukunft zu bauen.

heute.de: Nehmen wir mal an, das Konzept für das Konzert kommt so bei der Stadt durch. Was haben Sie in diesem Fall vor?

Tumbrinck: Wir haben ganz klar die Klageoption im Blick. Es ist ein Präzedenzfall, für ein Konzert die Restpopulation der Lerchen, die an der Stelle noch stabil ist, aufs Spiel zu setzen. Das eben aber auch vor dem Hintergrund der zukünftigen Bebauung. Es ist auch für uns ein Stück weit Neuland, aber wenn es die juristische Möglichkeit gibt, haben wir vor, das Vorhaben zu stoppen. Auch um solchen Dingen zukünftig einen Riegel vorzuschieben.

heute.de: Jetzt ist das Konzert bereits ausverkauft und die Zuschauer würden einen Ausfall wohl kaum befürworten. Was sollte die Stadt also Ihrer Ansicht nach tun?

Tumbrinck: Hoffentlich denkbar wäre die zeitliche Verlegung oder die Verlegung nach Düsseldorf aufs Messegelände, wo ein Freiluftkonzertbereich vorbereitet wird.

Das Interview führte Florian Klauß.

Gefährdung der Feldlerchen

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