Ferdinand Piëch ist tot

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Früherer VW-Chef - Ferdinand Piëch ist tot

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Er war jahrzehntelang eine der prägenden Figuren des Volkswagen-Konzerns und der deutschen Autobranche: Der ehemalige VW-Chef Ferdinand Piëch ist tot.

Ferdinand Piëch, der Mann der Volkswagen zu einem Weltkonzern gemacht hat, ist mit 82 Jahren gestorben. Eines ist klar: sein Führungsstil wurde nicht nur bewundert, sondern auch gefürchtet.

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Der langjährige VW-Vorstands- und Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch ist tot. Ihr Mann sei am Sonntag im Alter von 82 Jahren "plötzlich und unerwartet verstorben", zitiert die Agentur dpa aus einer Mitteilung Ursula Piëchs, der Witwe des VW-Patriarchen. "Das Leben von Ferdinand Piëch war geprägt von seiner Leidenschaft für das Automobil und für die Arbeitnehmer." Er sei bis zuletzt ein begeisterter Ingenieur und Autoliebhaber gewesen. Die Beisetzung finde im engsten Familienkreis statt, hieß es weiter.

Lange Zeit war Volkswagen ohne Piëch schwer vorstellbar, er galt als Patriarch des Wolfsburger Weltkonzerns. Der Enkel des Firmengründers und VW-Käfer-Entwicklers Ferdinand Porsche war jahrzehntelang eine der prägenden Figuren der deutschen Autobranche. In seiner Zeit als Vorstandschef bis 2002 formte Piëch VW zum Multimarken-Konzern.

"Mein Harmoniebedürfnis ist begrenzt"

Sein autoritärer Führungsstil war gefürchtet. "Mein Harmoniebedürfnis ist begrenzt", schrieb er in seiner Autobiografie von 2003. Kaum dürfte er damit gerechnet haben, den Machtkampf 2015 mit seinem langjährigen engen Vertrauten Winterkorn zu verlieren. Doch mit Hilfe einer Allianz aus dem Land Niedersachsen und dem mächtigen Betriebsrat setzte sich der Jüngere durch.

Archiv: Das damalige Audi-Vorstandsmitglied Ferdinand Piech neben einem Audi am 01.01.1982
Ferdinand Piëch war 1982 Mitglied im Audi-Vorstand.
Quelle: dpa

Danach tauchte er nur noch selten in der Öffentlichkeit auf. Der gebürtige Österreicher zog sich zurück auf seine Residenz in Salzburg. Was ihm zunächst blieb, war das Aufsichtsratsmandat beim Volkswagen-Haupteigner Porsche SE - die Familien Porsche und Piëch halten 100 Prozent der Stimmrechte an der Firma. 14,7 Prozent davon gehörten zu dem Zeitpunkt Piëch. 2017 bot er seinen Verwandten den Großteil des Aktienpakets an, die griffen zu. Man könne sich Familie nicht aussuchen, kommentierte sein Cousin Wolfgang Porsche damals.

Er galt als Strippenzieher

Zuvor stand Ferdinand Karl Piëch, so sein voller Name, für viele Jahre mitten im Machtzentrum des VW-Konzerns. Der frühere Audi-Chef war von 1993 bis 2002 Vorstandsvorsitzender von Volkswagen und führte danach lange Zeit den Aufsichtsrat - als maßgeblicher Protagonist der Familien Porsche und Piëch, der VW-Großaktionäre. Seine Macht schien unbegrenzt, 2012 hievte er sogar seine Frau Ursula in den VW-Aufsichtsrat. Er galt als Strippenzieher und Königsmacher hinter den Kulissen. Als der frühere Vorstandschef Bernd Pischetsrieder 2006 gehen musste, soll Piëch seinen Einfluss ausgeübt haben. Unter seiner Ägide verleibte sich VW Porsche ein, nachdem der Sportwagenbauer zuvor mit seinem eigenen Versuch, VW zu übernehmen, gescheitert war. Unter dem Dach von Volkswagen sind Marken wie VW, Audi, Seat, Bugatti, Lamborghini und Porsche vereint.

Ferdinand Porsche mit seinen Enkelkindern Ferdinand Piëch (r.) und Ferdinand Alexander Porsche, aufgenommen am 01.01.1949
Ferdinand Porsche mit seinen Enkelkindern Ferdinand Piëch (r.) und Ferdinand Alexander Porsche.
Quelle: obs/vw volkswagen ag

Der detailverliebte Autonarr Piëch lenkte das immer größer werdende VW-Imperium schließlich zusammen mit Winterkorn mit strenger Hand, hierarchisch und zentralistisch - der "Spiegel" beschrieb die Atmosphäre bei Volkswagen unter dem Duo einmal als "Nordkorea minus Arbeitslager".

Technikversessener Top-Manager

Nach der Ära der Alpha-Manager Piëch und Winterkorn - und vor allem nach dem einschneidenden Abgasskandal - blieb bei Volkswagen kaum ein Stein auf dem anderen. Ein "Kulturwandel" wurde von Winterkorns Nachfolger Matthias Müller ausgerufen: Weniger Zentralismus, mehr Verantwortung für die einzelnen Manager, mehr interne Kritik waren die Ziele. Die Mitarbeiter sollten nicht mehr zittern vor einem Patriarchen wie Piëch, der in Wolfsburg auch "der Alte" genannt wurde - oder von einem Kleinaktionär einmal "Göttervater".

Dabei war er in einer schweren Krise nach Wolfsburg gekommen, Massenentlassungen drohten. Das verhinderte der von Piëch eingestellte Personalvorstand Peter Hartz zusammen mit Betriebsrat und Gewerkschaft - dank der Einführung der Vier-Tage-Woche, die erst Ende 2006 gekippt wurde. Der gebürtige Österreicher Piëch war aber nicht nur Manager - der technikversessene Maschinenbauer konnte auch einen Motor zusammenschrauben. Privat segelte er gerne, beschäftigte sich mit fernöstlicher Kultur und japanischer Ethik.

Schon zu Lebzeiten gab es viele Superlative für den VW-Patriarchen. "Ferdinand Piëch hat die Automobilbranche geprägt wie kein Zweiter", sagte beispielsweise Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) einmal. Der entgegnete, Autobauen sei nur sein Hobby.

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