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Getöteter Regierungspräsident - Dringender Tatverdacht: Festnahme im Fall Lübcke

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Spezialkräfte nehmen im Fall des toten Regierungspräsidenten Lübcke einen Tatverdächtigen fest. Medien berichten von Spuren ins rechte Milieu - viele Fragen sind aber noch offen.

Zwei Wochen nach dem Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke hat die Polizei einen Mann unter dringendem Tatverdacht festgenommen. Nach ZDF-Informationen soll er Kontakte ins rechtsextreme Milieu gehabt haben.

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Drei Wochen nach dem gewaltsamen Tod des nordhessischen Regierungspräsidenten Walter Lübcke haben Spezialeinheiten der Polizei einen 45-jährigen Mann festgenommen. Es sitzt in Untersuchungshaft und stehe unter dringendem Tatverdacht, teilten die Staatsanwaltschaft Kassel und das hessische Landeskriminalamt mit. Die Festnahme erfolgte "aufgrund eines DNA-Spurentreffers".

Der Tatverdächtige war am frühen Samstagmorgen festgenommen worden. Am Sonntagnachmittag wurde er dem Ermittlungsrichter am Amtsgericht Kassel vorgeführt. "Aufgrund der Indizienlage" habe das Gericht dann den Haftbefehl erlassen, erklärten die Ermittlungsbehörden. Der Mann wurde in die Justizvollzugsanstalt Kassel I gebracht.

Aus dem rechtsextremen Milieu?

Medienberichten zufolge sollen Spuren ins rechte Milieu führen. Die "Bild"-Zeitung meldete unter Berufung auf Ermittler, dass der Festgenommene der rechtsextremen Szene angehören könnte. Auch nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" soll der Mann aus diesem Milieu stammen. "Süddeutsche Zeitung" und "Tagesspiegel" indes berichteten unter Berufung auf Sicherheitskreise, dass der Tatverdächtige vermutlich früher Kontakte in die rechte Szene gehabt habe. Es sei aber nicht klar, ob das auch aktuell noch der Fall sei. Unklar sei auch, ob Lübcke aus einem rechtsextremen Motiv getötet worden sei, schreibt der "Tagesspiegel".

"Bild" zufolge soll der 45-Jährige polizeibekannt sein und bereits eine schwere Straftat begangen haben. Das habe der DNA-Abgleich ergeben. Damals sei dem Mann eine DNA-Probe entnommen und in der Datenbank des Bundeskriminalamts gespeichert worden. Die Staatsanwaltschaft wollte sich zu den Berichten nicht äußern - weitere Informationen wollen die Behörden kommende Woche bekannt gegeben.

Anfeindungen aus dem rechten Lager

Nach Lübckes Tod hatten hasserfüllte und hämische Reaktionen aus der rechten Szene im Internet breite Empörung ausgelöst. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erklärte, wie manche Akteure in den sozialen Medien sich über Lübckes Tod hermachten "und Genugtuung zeigen, geradezu Beifall klatschen, das ist einfach nur zynisch, geschmacklos, abscheulich, in jeder Hinsicht widerwärtig".

Schon zu Lebzeiten hatte Lübcke Morddrohungen erhalten. Als Regierungspräsident war er im Jahr 2015 auch für die Einrichtung von Erstaufnahmelagern für Flüchtlinge in seinem Regierungsbezirk zuständig. Auf Anfeindungen bei einer Bürgerversammlung sagte er einmal, es lohne sich, in Deutschland zu leben und für die hiesigen Werte einzutreten. "Wer diese Werte nicht vertritt, kann dieses Land jederzeit verlassen - das ist die Freiheit eines jeden Deutschen."

Schussverletzung am Kopf

Walter Lübcke
Walter Lübcke

Angehörige hatten den 65-jährigen Lübcke in der Nacht zum 2. Juni auf der Terrasse seines Wohnhauses in Wolfhagen-Istha entdeckt. Er hatte eine Schussverletzung am Kopf. Reanimationsversuche blieben erfolglos, im Krankenhaus wurde sein Tod festgestellt. Der frühere Landtagsabgeordnete hinterlässt eine Frau und zwei erwachsene Kinder. Am Donnerstag hatte es in Kassel einen Trauergottesdienst mit über 1.300 Menschen für den CDU-Politiker gegeben. Am Samstag war Lübcke beigesetzt worden.

Eine 50-köpfige Sonderkommission unter Leitung des hessischen Landeskriminalamts hatte die Ermittlungen aufgenommen. Wirbel löste am vergangenen Wochenende ein Polizeieinsatz an der niedersächsischen Nordseeküste aus. Die Polizei nahm einen Mann in Gewahrsam, ließ ihn nach einer Befragung aber wieder gehen. Der nun Festgenommene sei nicht der Mann von der Fähre, erklärten die Ermittler am Sonntag.

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