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Nach Anschlag - St. Petersburg: Rätselhafter Verdächtiger

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Drei Tage nach dem Anschlag in St. Petersburg nimmt der russische Geheimdienst einen Verdächtigen fest. Ob hinter der Tat tatsächlich ein Terror-Motiv steckt, wird angezweifelt.

Zerstörung in einem Supermarktes nach Anschlag in St. Petersburg
Zerstörung in einem Supermarktes nach Anschlag in St. Petersburg Quelle: dpa

Der Verdächtige sei am Samstag gefasst worden und werde vernommen, teilte der russische Geheimdienst FSB der staatlichen Agentur Tass zufolge mit. Details zur Festnahme waren zunächst nicht bekannt. In der Erklärung machte der FSB auch keine Angaben zur Identität oder zum Motiv des Verdächtigen.

Anhänger einer okkulten Gruppe?

Allerdings wurde angedeutet, dass die Tat, zu der sich die IS-Terrormiliz bekannt hatte, möglicherweise doch keinen terroristischen Hintergrund hatte. Der FSB erklärte, er habe den Verdächtigen dem Untersuchungskomitee übergeben, der obersten Ermittlungsbehöre des Landes. Der Geheimdienst verhört Terrorverdächtige üblicherweise selbst, die Überstellung könnte also bedeuten, dass ein anderes Motiv vermutet wird.

Die Nachrichtenagentur Interfax berichtete, bei dem Verdächtigen handele es sich um einen 35-jährigen Einheimischen aus St. Petersburg, der einer okkulten "New-Age"-Bewegung angehöre. Die amtliche Nachrichtenagentur Tass zitierte einen Polizeivertreter mit den Worten, der Verdächtige sei in einer psychiatrischen Klinik registriert und führe ein "asoziales Leben". Die lokale Website "Fontanka.ru" berichtete zudem, der mutmaßliche Attentäter sei bereits wegen Drogenbesitzes verurteilt worden. Der Abgeordnete Adalbi Schachgoschew stellte die Bekennerbotschaft des IS ebenfalls in Zweifel. Möglicherweise sei es der Gruppe wegen ihrer Niederlage in Syrien nur darum gegangen, gut dazustehen, sagte er.

Terrormiliz IS hatte Tat für sich reklamiert

Am Mittwoch war in einem Supermarkt in Russlands zweitgrößter Stadt eine selbstgebaute Nagelbombe mit einer Sprengkraft von etwa 200 Gramm Dynamit explodiert. Der selbstgebaute Sprengsatz war in einem Schließfach des Supermarktes platziert worden. Mehr als ein Dutzend Menschen wurden in ein Krankenhaus gebracht, zudem gab es zahlreiche Leichtverletzte. Die Detonation ereignete sich, als viele Russen wegen der Vorbereitungen für den Jahreswechsel und das orthodoxe Weihnachtsfest am 7. Januar unterwegs waren.

Die IS-Terrormiliz hatte die Tat für sich reklamiert. Im Internet kursierten kurz nach der Explosion nicht verifizierte Überwachungsvideos, die einen jungen Mann als möglichen Täter zeigten. Er soll eine Tasche im Schließfach des Supermarktes deponiert und daraufhin das Geschäft im Osten der Stadt verlassen haben.

Putin: Explosion war Terroranschlag

Präsident Wladimir Putin stufte die Explosion rasch als Terroranschlag ein und ordnete an, dass Polizei und Geheimdienste Terrorverdächtige sofort erschießen sollten, wenn sie sich ihrer Festnahme widersetzten.

St. Petersburg, die zweitgrößte Stadt Russlands, ist einer der Austragungsorte der Fußballweltmeisterschaft 2018. Im April wurden bei einem Anschlag in der U-Bahn der Stadt 16 Menschen getötet. Zu der Tat hatte sich eine Gruppe mit Verbindungen zum Al-Kaida-Netzwerk bekannt.

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