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Nach Feuer in Notre-Dame - Paris: Großer Schmerz und Fassungslosigkeit

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Ein Feuer zerstört große Teile von Notre-Dame, eines der Wahrzeichen von Paris: Die Menschen sind fassungslos, der Schmerz sitzt tief bei den Franzosen.

Auf den Straßen, im Bus, der Metro, in Schulen und Geschäften in Paris gibt es nur ein Thema: Notre-Dame. "Unsere Nerven sind in den vergangenen Wochen einfach überstrapaziert worden, was schlechte Nachrichten angeht", stellt die in Paris lebende Designerin Sonia Ferrarese fest. Das berühmte Pariser Lebensgefühl, das "savoir vivre" – die Kunst, das Leben zu genießen - ist heute, am Tag nach dem Brand, nicht vorhanden. Der Schmerz steht den Menschen ins Gesicht geschrieben, ist greifbar. Die Stimmung gedrückt. Die Fassungslosigkeit überbordend.

Überwältigt von den Emotionen

Meine Beine fühlen sich immer noch an, als wären sie aus Gummi
Sonia Ferrarese

Wenn die Designerin über den gestrigen Abend spricht, jagt ihr der Gedanke an das brennende Gotteshaus noch immer eine Gänsehaut über den Rücken. "Meine Beine fühlen sich immer noch an, als wären sie aus Gummi", erzählt Sonia Ferrarese mit stockender Stimme. Sie ist überwältigt von den Emotionen. Dem Schock. Die Italienerin, die seit 1995 in Paris wohnt, bezeichnet sich selbst als "Pariserin". Den Brand hat sie gestern hautnah an Notre-Dame miterlebt.

Eine Freundin, die im Marais mit gutem Blick auf die berühmte weiße Kathedrale wohnt, schickte ihr ein Video. Kommentarlos. "Ich habe diese Bilder gesehen und war zutiefst geschockt", erinnert sich Ferrarese. Sie war gerade dabei ihre vierjährigen Zwillinge ins Bett zu bringen, als das Unglück geschah. An ins Bett gehen, oder Schlaf finden, war nicht mehr zu denken. Am Fernseher verfolgte sie bis spätnachts die Lösch-Versuche der Feuerwehr. "Gegen 22 Uhr war nicht klar, ob die Kirche gerettet werden kann, das hat mich so aufgewühlt", erzählt Ferrarese.

Ein Schock-Moment

Wäre sie nicht mit ihren Kindern alleine zu Hause gewesen, hätte sie getan, was viele in diesen schrecklichen Stunden getan haben – aus allen Ecken der Stadt, selbst aus den Banlieues, den Randbezirken der Millionen-Metropole, sind sie zur Ile de la Cité im vierten Pariser Arrondissement gepilgert, um ihrer Kathedrale beizustehen. Sie haben vor Ort geweint, gebetet und Halt in ihrem Glauben und der Gemeinschaft gesucht. "Notre Dame ist das Herz von Paris, das Symbol für die Stadt", erzählt die Designerin. Was für Touristen der Eiffelturm ist, stellt die Kathedrale für die Pariser dar – das Wahrzeichen.

Der Pariser Architekt Florent Prat war gestern Abend mit Freunden unterwegs. Als er an der Kirche Saint Sulpice, die nicht weit von Notre-Dame steht, vorbeikam, knieten Jugendliche vor dem Gotteshaus und beteten. "Ich wusste zu dem Zeitpunkt nicht, was los war. Meine Freundin hat mich dann telefonisch informiert", erinnert sich Prat. Auch für ihn ist der Brand von Notre-Dame ein Schock-Moment, den er so schnell nicht wieder vergessen wird: "Erst durch solch ein Unglück wird einem bewusst, wie schnell ein Feuer Jahrhunderte von Kultur zerstören kann."

Bisher nie zerstört

Notre-Dame ist eines der frühesten gotischen Kirchengebäude in Frankreich. Die beeindruckende Kathedrale hat in den Jahrhunderten seit ihrer Entstehung viel erlebt. Aber nie wurde sie zerstört. "Das ist das Dramatischste, was je passiert ist", konstatiert Petra Muller. Die deutsch-französische Juristin lebt seit 1982 in Paris. "Selbst den zweiten Weltkrieg hat dieses Monument unbeschadet überstanden", fügt sie noch immer erschüttert von den Ereignissen hinzu. Für sie persönlich war die Kirche "Unserer lieben Frau von Paris" immer ein Fixpunkt: "Die gotische Architektur und das imposante Gebäude strahlten immer eine Friedlichkeit aus". Auch sie verfolgte gebannt, wie das Feuer sich durch die Kirche fraß. "Als der hölzerne Vierungsturm einbrach, war das wie ein Stoß ins Herz", erzählt die Juristin voll Trauer.

Wie Petra Muller pflegen viele Pariser eine innige persönliche Beziehung zur Kathedrale von Notre-Dame. Und diese Beziehung ist es, die ihnen die Tränen der Trauer und der Verzweiflung im Angesicht des Schadens und der Zerstörung in die Augen treiben. Und dennoch mischt sich in das Gefühl dieser Ohnmacht auch ein Funken Hoffnung: Die Kirche steht noch. "Die Mauern haben gehalten, Notre-Dame ist nicht zusammengebrochen", erklärt die Juristin.

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