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Waldbrand-Experte - "Deutschland braucht Löschflugzeuge"

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Bessere Ausrüstung und Ausbildung der Feuerwehren fordert Waldbrand-Experte Goldammer. Deutschland solle auch Löschflugzeuge anschaffen. Denn das Waldbrandrisiko steige.

Aufgrund der Trockenheit und der hohen Temperaturen sind in Deutschland schon unzählige Wiesen und Wälder in Flammen aufgegangen. Deswegen ist die Feuerwehr in ständiger Alarmbereitschaft.

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heute.de: Es brennt in Griechenland, Schweden und Deutschland. Haben Sie die Gefahren kommen sehen?

Johann Georg Goldammer: Ja. Von der Klimaforschung wissen wir, dass wir mit einer häufigeren und länger anhaltenden Trockenzeit rechnen müssen, verbunden mit Hitzewellen. Wir haben immer gesagt: Darauf müssen wir uns besser vorbereiten. Aber die Behörden haben stets geantwortet, Deutschland sei kein Waldbrand-Land.

heute.de: Was nicht stimmt, wie die aktuellen Waldbrände zeigen.

Goldammer: Natürlich sieht die Situation in Deutschland anders aus als in Schweden. Deutschlands Wald- und Kulturlandschaften sind gut durch Straßen und Wege erschlossen. Die Feuerwehr kommt zügig an den Ort des Geschehens. Dennoch: Eine Großwetterlage wie derzeit kann dazu führen, dass mangels geeigneter Ausrüstung und Ausbildung ein kleiner Brand, wie in dieser Woche entlang der A9 in der Nähe von Potsdam, und vor allem an der Waldsiedlung Fichtenwalde zu einem schwer beherrschbaren Großbrand führen kann.

heute.de: Was also ist zu tun?

Goldammer: 98 Prozent aller Brände in Deutschland und insgesamt auch in Europa werden durch den Menschen verursacht. Das heißt: Wir können Feuer vermeiden, indem wir unser Verhalten ändern. Und damit meine ich nicht die Zigarette, die auf den Boden geworfen wird oder zerbrochenes Glas, das zu einem Brennglas werden kann – diese Fälle sind nur zu einem geringen Anteil für den Ausbruch eines Feuers verantwortlich. Die meisten Feuer entstehen durch heiß gelaufene Maschinen oder Autos.

heute.de: Kann mein PKW für einen Brand sorgen?

Goldammer: Ja klar – auch ein Traktor, eigentlicher jeder Motor. Wenn Sie das Auto auf trockenem Gras parken, dann bleibt der Katalysator sehr heiß – auch wenn der Motor längst abgestellt ist. Die heißen Fahrzeugteile können trockenes Gras entzünden. Deswegen ist es wichtig, nur auf markierten Stellen zu parken – so wie man auch nur an ausgewiesenen Stellen grillen sollte.

heute.de: Von der Politik haben Sie lange Zeit zu hören bekommen, Deutschland sei kein Waldbrand-Land. Heißt das, wir sind nicht ausreichend vorbereitet?

Goldammer: Die Feuerwehren, vor allem die freiwilligen Feuerwehren, sind das Rückgrat des Katastrophenschutzes. Aber sie brauchen eine bessere Ausrüstung und müssen für Waldbrände sensibilisiert und trainiert werden. Ein Brand auf dem Feld oder im Wald entwickelt sich ganz anders als ein Hausbrand.

Waldbrandrisiko in Europa - und was zu tun wäre

heute.de: Warum braucht es für Waldbrände eine spezielle Ausrüstung? Ist Gasmaske nicht gleich Gasmaske?

Goldammer: Nein. Ein Feuerwehrmann, der in einem Haus nach Menschen sucht, trägt schwere Schutzkleidung und hat ein schweres Atemschutzgerät mit einer Sauerstoffflasche auf dem Rücken. Damit sind Sie nicht geländefähig, das ist viel zu schwer. Wir brauchen bei Waldbränden leichte Feuerschutzkleidung und leichte Masken mit speziellen Schutzbrillen. Ein reiches Land wie Deutschland sollte sich das leisten. Es müssen ja nicht alle Feuerwehrleute damit ausgestattet werden. Sinnvoll wäre, wenn wir mit dieser Zusatzausrüstung in den gefährdeten Regionen beginnen.

heute.de: Hat Deutschland eigentlich ein Löschflugzeug?

Goldammer: Nein, deswegen mussten die Südeuropäer Schweden helfen. Deutschland sollte dringend Löschflugzeuge anschaffen. Das kann ja, was zum Teil bereits geschieht, auf EU-Ebene koordiniert werden. Auch sollten wir über eine Grundgesetz-Änderung nachdenken. Momentan liegt die Kompetenz bei den Bundesländern. Größere Investitionen sollten aber vom Bund koordiniert und übernommen werden.

heute.de: Gibt es Einsatzpläne, die bei Großbränden besonders gut greifen?

Goldammer: Australische und kalifornische Feuerwehrleute haben da viel Erfahrung. Sie schulen die Menschen, die am Rande der Natur wohnen. Die Tragödie in Griechenland wäre so nicht passiert, wenn sich die Menschen nicht nach einer Oase im Grünen sehnen würden. Das ist ein hoher Risikofaktor, trockene Vegetation ist hoch brennbar. Eigentlich müsste der Gesetzgeber die Menschen dazu zwingen, die Pflanzen zu beseitigen. In Südfrankreich ist das vorgeschrieben: Büsche und Bäume in der Nähe von Häusern müssen weg.

heute.de: Was macht das Löschen von Waldbränden so schwierig?

Goldammer: Ein Flammenmeer ist unberechenbar. Das Wetter kann umschlagen, Winde können sich drehen. Durch Windwechsel können die Flammen innerhalb von wenigen Sekunden die Richtung ändern.

heute.de: In manchen Regionen gilt ein Feuer- und Feuerwerksverbot. Wird es das immer häufiger geben?

Goldammer: Das ist unvermeidlich. Selbst an Silvester, wenn es eigentlich kalt ist, führen die Feuerwerke zu einer schweren Luftbelastung. "Das haben wir schon immer so gemacht" - diesen Spruch können wir uns nicht mehr leisten. Es wird weitere Einschränkungen geben, das fängt mit Grillen im Freien an.

Das Interview führte Raphael Rauch

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