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"Operation Gomorrha" 1943 - Feuersturm über Hamburg

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Vor 75 Jahren heulten nachts in Hamburg die Sirenen. Die Alliierten legten große Teile der Stadt in Schutt und Asche - ein Feuersturm über Hamburg.

Vor 75 Jahren starben 34.000 Menschen im Feuersturm über Hamburg, entfacht durch britische und US-amerikanische Bomberverbände. Erinnerungen von Ron Tomlin, Mitglied einer Bomberstaffel, und Wolf Biermann, der den Tag als 6-Jähriger erlebte.

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Die Tage waren stockdunkel von dem dichten schwarzen Rauch, der wie eine Glocke über der Stadt lag. Die Nächte hingegen taghell erleuchtet von den Feuern, die überall loderten. So beschreiben Zeitzeugen jene Tage Ende Juli bis Anfang August 1943 in Hamburg. Bei sechs Großangriffen unter dem Codenamen "Operation Gomorrha" legten britische und amerikanische Bomber die Hansestadt in Schutt und Asche. Mehr als 33.000 Menschen starben.

Eingebrannte Erinnerungen

Der Liedermacher Wolf Biermann lebt damals mit seiner Mutter in Hammerbrook, einem jener Stadtteile, die nahezu vollständig zerstört wurden.  Er ist sechseinhalb Jahre alt, als in der Nacht vom 27. Juli auf den 28. Juli der Feuersturm über Hamburg hereinbricht:

Als die Hitze im Luftschutzkeller unerträglich und der Sauerstoff knapp wird, müssen er und seine Mutter den Schutzraum verlassen, hinaus in die Straßen Hammerbrooks, in denen der Feuersturm tobt.

Wolf Biermann
Wolf Biermann Quelle: dpa

Die Angriffe waren nicht die ersten auf Hamburg, aber sie sind die bis dahin schwersten in der Geschichte des Luftkrieges. Ziel waren diesmal, neben dem Hafen, dicht besiedelte Wohngebiete. Sprengbomben und als "Wohnblockknacker" bezeichnete Luftminen deckten Dächer ab, zerstörten Fenster und Türen. Phosphor- und Stabbrandbomben lösten Flächenbrände aus, die sich über ganze Stadtteile ausbreiteten. Diese möglichst vollständige und großflächige Zerstörung eines Zieles nannten die Alliierten in der Folge "Hamburgisierung". 

Auf die Aufgabe konzentriert

Ron Tomlin war 19 und ein sogenannter "Observer", Beobachter, auf einem Halifax-Bomber. Der Einsatz seiner Einheit am 27. Juli 1943 war sein erster Feindflug. Für ihn sei es ein ganz normaler Luftangriff gewesen. Etwas, wofür er ausgebildet worden war, trainiert hatte, erzählt der 94-jährige im heute.de-Interview. Vieles über die "Operation Gomorrha" habe er erst nach Kriegsende erfahren. Dass diese Angriffe etwas Besonderes waren, ahnte er aber schon auf dem Rückflug:

Bei der "Operation Gomorrha" ging es Luftmarschall Arthur Harris, Befehlshaber des britischen RAF Bomber Command, darum, maximalen Schrecken zu verbreiten und die Moral der deutschen Bevölkerung zu brechen. Der Zweck heiligte die Mittel. Und sei es tausendfacher Tod von Zivilisten. Spätestens die Zerstörung Dresdens im Februar 1945 gilt vielen Historikern als Kriegsverbrechen. Auch Ron Tomlin wünscht sich, dass seine Bomben keine Menschen getötet haben. Wohl wissend, dass es vermutlich nicht so ist.

Ron Tomlin, ein Mitglied der britischen Bomberstaffel, und Wolf Biermann, damals sechseinhalb Jahre alt, berichten über den Feuersturm von Hamburg.

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Tod und Befreiung

Eine andere Wahrheit ist, dass für die Hamburger Bevölkerung im Sommer 1943 sichtbar war, wer da unter grauenvollen und lebensgefährlichen Bedingungen zur Bergung der Leichen, Beseitigung der Trümmer und Suche nach Blindgängern herangezogen wurde: Menschen in gestreifter Kleidung, Häftlinge des KZ Neuengamme. Hunderte von ihnen kamen dabei ums Leben. In einer bis zum 29. September laufenden Ausstellung erinnern die KZ-Gedenkstätte Neuengamme und der Förderkreis Mahnmal St. Nikolai an Opfer, die zweifach Opfer waren.

Auch der 2014 verstorbene Schriftsteller Ralph Giordano, Sohn einer Jüdin und von den Nazis verfolgt, erlebte den Feuersturm über Hamburg. Was er in einem ZDF-Interview zum 70. Jahrestag des Feuersturms zu erzählen hatte, zeigt die Perversion dieses Krieges:

Wolf Biermann hat es ähnlich formuliert. "Bomben wie Himmelsgeschenke. Es war nur so unpraktisch, dass sie uns auf den Kopf fielen."

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