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Autobauer suchen Lösungen - Fiat Chrysler und Renault planen Hochzeit

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Fiat Chrysler und der französische Autobauer Renault loten eine Fusion aus. Die könnte Sinn machen, würde sich aber schwer gestalten. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Fiat Chrysler Automobiles Firmensitz in Auburn Hills
Firmensitz von Fiat Chrysler Automobiles in Auburn Hills
Quelle: Reuters

Warum die Fusionspläne?

In Europa stehen Autokonzerne unter großem Druck: Sie müssen neue CO2-Grenzewerte einhalten, weil sonst empfindliche Strafen drohen. Dazu müssen sie in neue Antriebstechnologien investieren, etwa Elektromobilität. Auch Forschung und Entwicklung des automatischen Fahrens und die zunehmende Digitalisierung der Mobilität verschlingen Milliardensummen. Durch Fusionen oder Übernahmen können Autobauer enorm Kosten sparen und so die Last der Ausgaben besser schultern.

Fiat Chrysler und Renault gehen im Falle eines Zusammenschlusses davon aus, dass sie ihre Kosten pro Jahr um rund fünf Milliarden Euro senken können. Das jüngste Beispiel einer Übernahme war der Verkauf von Opel an die französische PSA-Gruppe. In der Folge sind die Kosten stark zurückgefahren worden, weil man Modelle verschiedener Marken auf ein und die gleiche Plattform stellen kann. Auch die starken Rivalen BMW und Daimler haben kürzlich angekündigt, in bestimmten Bereichen in Zukunft zusammenarbeiten zu wollen.

Wie steht es gerade um Fiat Chrysler?

Fiat Chrysler hat seine Stärken eindeutig auf dem nordamerikanischen Kontinent: Über 90 Prozent seiner Gewinne vor Steuern hat das Unternehmen im NAFTA-Raum erzielt, also der Nordamerikanischen Freihandelszone zwischen den USA, Kanada und Mexiko. Das liegt vor allem an der einen Hälfte der "Gene" des Konzerns - die des amerikanischen Autobauers Chrysler. Umgekehrt allerdings heißt das: Fiat Chrysler ist in Europa vergleichsweise wenig präsent. "Man lebt bei Fiat mehr oder weniger vom in die Jahre gekommenen Fiat 500", sagt Ferdinand Dudenhöffer, Autoexperte an der Universität Duisburg-Essen. Die Modellpalette in Europa sei überaltert und ein Elektroauto aus dem Konzern nicht in Sicht. Der ehemalige Manager des Unternehmens, Sergio Marchionne, hatte in den vergangenen Jahren Investitionen in Europa gestrichen und Fabriken und Unternehmen verschlankt. Insgesamt hat Fiat Chrysler im vergangenen Jahr knapp 5 Millionen Autos weltweit verkauft. Zum Vergleich: Volkswagen lag mit mehr als doppelt so vielen Verkäufen (knapp 11 Millionen) weltweit an der Spitze - noch vor dem Markenbund aus Renault, Nissan und Mitsubishi.

Wie steht es um Renault?

Renault verkauft weniger Autos, mit Folgen für den Aktienkurs.
Renault sucht nach einem neuen Partner.
Quelle: Uli Deck/dpa

Renault war bislang in eine Kooperation mit Nissan und Mitsubishi eingebunden. Allerdings hat sich das Verhältnis seit dem Sturz des Managers Carlos Ghosn abgekühlt. Das ist potentiell ein Problem für Renault, weil der Konzern auf sehr wichtigen Märkten kaum präsent ist: In den USA, dem zweitwichtigsten Automarkt weltweit, ist Renault gar nicht vertreten; im wichtigsten Verkaufsmarkt der Welt - China und Asien - sind die Verkaufszahlen mit 330.000 Fahrzeugen im vergangenen Jahr nicht anders als homöopathisch zu bezeichnen. Dagegen verkauft Renault seine Autos zur Hälfte in Europa; noch einmal 20 Prozent der knapp 4 Millionen Autos gehen nach Eurasien, also in Länder wie Russland, die Türkei oder Rumänien. Renault ist in Europa auch ein Pionier in Sachen Elektroautos.

Was würde die Fusion den Unternehmen bringen?

Beide Autobauer hätten mit der Fusion die Chance, ihre jeweiligen Schwächen auszugleichen. So würde Renault seine starke Präsenz in Europa und sein Know-How in Sachen Elektromobilität in die Ehe mit einbringen; Fiat-Chrysler dagegen seine starke Stellung in Nordamerika. "Nach den Fakten und Daten würde ein Zusammenschluss von Renault und Fiat Chrysler Sinn machen", meint denn auch Ferdinand Dudenhöffer. Allerdings sei die Fusion kein einfacher Weg. "Fiat schlüpft bildlich gesprochen in die Rolle von Opel, was sicher nicht vergnügungssteuerpflichtig wäre." Bei Opel laufen seit der Übernahme durch PSA ein radikaler Konzernumbau und heftige Sparprogramme. Zudem macht die bisherige Allianz mit Nissan-Mitsubishi bei Renault eine Fusion schwieriger. "Hier haben wir jetzt Franzosen, Italiener, Japaner, Amerikaner, die sich auf ein Board einer holländischen Company einigen sollen, in der der franzsösische Staat seinen Sonder-Einfluss verliert", fasst Arndt Ellinghorst vom Investmentberater Evercore ISI die Ausgangslage für die Fusionsverhandlungen zusammen. Denn der französische Staat ist mit 15  Prozent der größte Anteilseigner von Renault. Und das fusionierte Unternehmen soll seinen Sitz in den Niederlanden haben. "Da muss man schon sehr viel Phantasie haben."

Hätte es Vorteile für den deutschen Verbraucher?

Hier darf man wohl eindeutig "Nein" sagen. Denn mit jeder Fusion verschwindet ein Wettbewerber vom Markt - und damit ein Konkurrent im Preiskampf beim Buhlen um die Gunst der Kunden. Zudem haben Erfahrungen aus der Vergangenheit gezeigt, dass die mächtigen Konzerne sich bei Preisen abgesprochen haben. So hatten sich Daimler, BMW und Volkswagen etwa bei Technologien zur Abgasreinigung abgesprochen. Das hat vor wenigen Wochen die EU-Kommission als Ergebnis ihrer Ermittlungen festgehalten. Und von 1997 bis 2011 haben die Lkw-Hersteller Daimler, Iveco, DAF, MAN, Scania und Volvo/Renault sich ebenfalls in einem Kartell über ihre Preise abgesprochen.

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