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Spike Lees Warnruf in Cannes - "Apple-Pie-Terrorismus" in den USA

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Als Spike Lee seinen Film über den Ku-Klux-Klan schon fertig gedreht hat, fährt ein Rassist in Demonstranten hinein. Lee ändert daraufhin den Schluss. Der Film ist ein Warnruf.

 

Wacht auf! Das sei die Botschaft seines Films, erklärt Regisseur Spike Lee im ZDF-Interview. Sein neuestes Werk "BlacKkKlansman" ist Favorit auf die Goldene Palme von Cannes.

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Schuhe - oder auch keine Schuhe - auf dem Roten Teppich in Cannes ist das häufig auch ein Statement. Spike Lee hat sich für zwei verschiedene entschieden - einen schwarzen und einen weißen. Der amerikanische Filmemacher bleibt seinem Thema treu. Auch in seinem jüngsten Film "Blackkklansman", der jetzt beim Filmfestival in Cannes Premiere hatte, geht es einmal mehr um das Verhältnis von Schwarzen und Weißen in seinem Land. 

"Solche Dinge passieren auf der ganzen Welt"

Die Geschichte ist schräg, aber wahr. Der schwarze Polizist Ron Stallworth (John David Washington), der mühelos vom afroamerikanischen Slang in den gehässigen Tonfall weißer Rassisten wechseln kann, kontaktiert auf eine Anzeige hin per Telefon die örtliche Ku-Klux-Klan-Gruppe. Wider Erwarten lädt ihn sein Gesprächspartner, dem er höchst glaubhaft seinen Hass auf den schwarzen Liebhaber seiner Schwester geschildert hat, zu einem persönlichen Treffen ein. 

Da muss dann sein weißer Kollege Flip Zimmerman (Adam Driver) einspringen und befindet sich plötzlich in Gesellschaft kruder Rassisten in verrauchten Billardkneipen, bei Schießübungen auf Karikaturen von Afroamerikanern und schließlich sogar bei seiner eigenen Initiationsfeier im Kapuzengewand. Keine lustigen Veranstaltungen, aber Spike Lee schafft es, die Geschichte mit solchem Tempo und Humor zu erzählen, dass es bei der Premiere immer wieder zu Szenenbeifall kommt.

Der echte Ron Stallworth hat all dies in den 1970ern erlebt, aber natürlich geht es Spike Lee nicht um ein Ereignis der Vergangenheit. "Ich hoffe, dass die Leute verstehen, dass es in diesem Film nicht nur um ein amerikanisches Thema geht, sondern dass solche Dinge auf der ganzen Welt passieren", sagte er im ZDF-Interview. 

"Das war einheimischer Terrorismus"

Als der Film abgedreht, aber noch im Schnitt war, fuhr in Charlottesville im Bundesstaat Virginia ein junger Neonazi in eine Gruppe von Demonstranten und tötete die 32 Jahre alte Heather Heyer. "Ich war traurig und wütend", erinnert sich Spike Lee. "Und ich dachte mir: Jetzt haben wir einen besseren Schluss für den Film." Er fragte Heathers Mutter, ob er die Bilder von damals in seinen Film einbauen dürfe - und nun sind sie Teil eines aufwühlendes Finales, das zeigt, wie brandaktuell das Thema ist. 

"Das war kein Mord, das war einheimischer Terrorismus. Amerikanischer, rot-weiß-blauer Apple-Pie- und Ice-Cream-Terrorismus", betont Spike Lee. Und US-Präsident Donald Trump habe den Boden dafür bereitet. "Als er die Gelegenheit hatte, die Täter zu verurteilen, hat er es nicht getan." 

Kritik an Trump

Donald Trump kommt indirekt gleich in der ersten Szene des Films vor, in der ein weißer Brandredner vor der Bastardisierung der weißen Amerikaner warnt. Gespielt wird er von Alec Baldwin, der in den USA allwöchentlich als Trump-Imitator im Fernsehen auftritt. Am Ende ist Trump sehr groß selbst im Bild. Es ist der Moment, in dem er einer klaren Schuldzuweisung ausweicht und von Gewalt "auf beiden Seiten" spricht. 

Der Film kommt in den USA am 10. August in die Kinos, am ersten Todestag von Heather Heyer. "Das wollte ich so. Weil diese Typen wieder nach Charlottesville kommen werden", sagt Spike Lee.  "Und dieser Film ist ein Statement: Passt auf, wacht auf!" Bei der Premiere gab es minutenlang frenetischen Beifall, manche Kritiker sehen in dem Film schon den möglichen Gewinner der Goldenen Palme. 

 

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