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Filmfestival - Cannes feiert Kritik - an anderen

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Cannes und Politik - das muss kein Widerspruch sein. Das Filmfestival hat sich in diesem Jahr auffallend kritisch gegeben - nur die #MeToo-Debatte bleibt ein Problem.

Cannes – das war diesmal ein Festival, das von politischen Filmen aber auch von der #MeToo-Debatte geprägt war.

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Zitternde Knie habe er, sagte der Gewinner der Goldenen Palme, der japanische Filmemacher Hirokazu Kore-Eda, als er die mit blauem Samt verkleidete Schmuckkiste entgegennahm. Die Jury unter Vorsitz der Schauspielerin Cate Blanchett hatte seinem Film "Shoplifter" die höchste Auszeichnung des Festivals von Cannes verliehen.

Kore-Eda will "Goldene Palme" dritteln

Der Film handelt von einer japanischen Patchwork-Familie unterhalb der Armutsgrenze, die sich mit Ladendiebstählen durchschlägt. Es ist zugleich eine Auseinandersetzung mit dem traditionellen Familienbild. Zuneigung und Fürsorge, die nach einer Zufallsbegegnung allmählich wachsen, kitten die Menschen stärker zusammen als Blutsverwandtschaft. Auch das ist Familie. Und damit greift der Gewinnerfilm ein Thema des Eröffnungsfilms "Everybody knows" des Iraners Asghar Farhadi auf, in dem es ebenfalls um die Frage nach biologischer und faktischer Vaterschaft geht. 

Kore-Eda sagte in seiner Dankesrede, dass er seinen Preis mit den beiden Filmemachern teilen wolle, die ihre Filme im Wettbewerb hatten, aber aus politischen Gründen nicht nach Cannes kommen konnten: Der Russe Kirill Serebrennikov und der Iraner Jafar Panahi.

Politische Filme im Vordergrund

Es war ein auffallend politisches Festival dieses Jahr - Flüchtlinge, Straßenkinder, Rassisten und Gewerkschafter waren unter den Protagonisten. Die überwiegende Mehrheit der Filme spielte in der Gegenwart. Und mehrere Filmemacher betonten, dass sie sich auch als Aktivisten sehen. 

"Wir leben in gefährlichen Zeiten", sagte Spike Lee, der für seinen Film "Blackkklansman" den Großen Preis der Jury erhalten hat. Er nutzt die Geschichte über einen schwarzen Polizisten, der in den 70er Jahren den rassistischen Geheimbund Ku Klux Klan ausspioniert, für ein massives Trump-bashing und wirft dem US-Präsidenten vor, Rassismus in seiner Heimat zu befördern. 

Die libanesische Filmemacherin Nadine Labaki hat den dritten Preis des Festivals für ihr Sozialdrama "Capharnaum" erhalten, das auf berührende Weise vom Schicksal eines Straßenkindes im Libanon erzählt. "Ich denke an ein Mädchen, das im Film mitgespielt hat und heute wieder den Tag damit verbracht hat, zu betteln und ihre Familie zu versorgen", sagte Labaki, die hofft, mit ihren Filmen Debatten anzuregen und Veränderungen auf den Weg zu bringen.

Frauenfrage bleibt Reizthema

Und dann war da noch das Frauenthema, das das Festival trotz all seiner aufregenden und wichtigen Filme durchweg geprägt hat. Das Festival hatte viel getan, um guten Willen zu zeigen - sowohl mit Blick auf die zwanzig Mal schwächere Präsenz von Frauen im Wettbewerb als auch mit Blick auf die sexuelle Belästigung von Frauen in der Filmindustrie und während des Festivals. 

Die schärfsten Worte zu dem Thema kamen von der italienischen Schauspielerin Asia Argento, die dem Publikum während der Abschlusszeremonie kalte Schauer den Rücken hinunterjagte.

"Ich wurde 1997 in Cannes von Harvey Weinstein vergewaltigt. Ich war 21 Jahre alt. Das Festival waren seine Jagdgründe", so begann sie ihre Rede. 

Und dann kam es noch heftiger: "Auch heute sitzen unter Euch welche, die noch nicht für ihre Taten zur Verantwortung gezogen wurden. (...) Wir wissen, wer Ihr seid. Und wir lassen es nicht mehr zu, dass Ihr davonkommt."

Festivalchef Thierry Frémaux hatte am Ende des Abends sichtlich genug von dem Thema. Eine Frage nach dem Resultat der groß angekündigten Hotline für Opfer und Zeugen sexueller Belästigung wischte er rüde beiseite. Und auf eine Frage nach der Rede von Asia Argento brach er kurzerhand ein Interview mit dem ZDF ab. Die Frauenfrage bleibt ein Reizthema in Cannes.

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