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Filmkunst und Propaganda - Das ganz große Kino: 100 Jahre Ufa

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Fritz Lang, Marlene Dietrich: Die Ufa machte Regisseure und Schauspieler zu Stars. Der jüdische Produzent Erich Pommer trug viel dazu bei - bis er 1933 entlassen wurde.

Marlene Dietrich in der Ufa-Produktion "Der blaue Engel" als Tänzerin Lola (1930)
Marlene Dietrich in der Ufa-Produktion "Der blaue Engel" als Tänzerin Lola (1930) Quelle: imago

Es ging darum, den schwindenden Kriegswillen der Deutschen zu stärken: Ein Jahr vor Ende des Ersten Weltkriegs gründete ein Banken-Konsortium auf Veranlassung des militärischen Generalstabs eine Filmproduktionsfirma: die Universum Film AG, kurz Ufa. Das war am 18. Dezember 1917, vor 100 Jahren.

Filmkunst, Propaganda - und dazwischen Unterhaltung

Der erste Film "Dem Licht entgegen" handelt von einem Soldaten, der verschüttet und gerettet wird - Filme als Propaganda. Nach dem verlorenen Krieg wurde die Ufa schnell zum wichtigsten Filmproduzenten der Weimarer Republik. Mit Meisterwerken wie "Die Nibelungen" (1924), "Der letzte Mann" (1924) oder "Der blaue Engel" (1930) mit Marlene Dietrich verblüffte sie die ganze Filmwelt - bis während der NS-Diktatur die NSDAP die völlige Kontrolle über die Filmproduktion übernahm. Filmkunst, Propaganda und dazwischen das breite Mittelfeld der Unterhaltung mit Filmen wie "Die Drei von der Tankstelle" (1930) mit Heinz Rühmann oder "Der Kongress tanzt" (1931) mit Lilian Harvey: Dieser Kontrast bestimmt auch im Festjahr 2017 die Feiern, Filmvorführungen, Ausstellungen und Kongresse zum Ufa-Jubiläum. Das begann im Frühjahr 2017 und endet im April 2018.

Deutschlands berühmteste Film- und Fernsehproduktionsfirma Ufa feiert ihr 100-jähriges Bestehen. Stars wie Hans Albers, Heinz Rühmann, Marlene Dietrich oder Zarah Leander standen vor der Kamera. Ein Blick zurück.

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Gleich das erste Symposium im Mai im Museum für Film und Fernsehen in Berlin beschäftigte sich mit Zwangsarbeitern im Nazifilm - bei der Ufa waren zu NS-Zeiten ständig Hunderte von ihnen beschäftigt. Die eigentliche 100-Jahr-Jubiläumsfeier fand am 15. September schon drei Monate vor dem Gründungstermin in Berlin als Gala statt.

Pommer schuf Filmgeschichte

Entscheidend für den Erfolg der Ufa in der Weimarer Republik war der Produzent Erich Pommer (1889-1966). Schon bevor er zur Ufa kam, hat er 1920 mit seiner eigenen Firma Decla-Bioscop "Das Cabinet des Doctor Caligari" produziert, einen der berühmtesten deutschen Filme überhaupt. 1921 wurde er Leiter der Ufa-Produktion. Ihn faszinierten künstlerische Visionen wie in den Filmen "Phantom" von F.W. Murnau oder "Dr. Mabuse" (beide 1922) von Fritz Lang.

Die kühnste Produktion aber, Fritz Langs Science-Fiction-Film "Metropolis", wurde zum finanziellen Desaster. Heute gilt der Film als eine Großtat der Ufa. Fritz Lang hatte, Pommers Anweisungen missachtend, immer wieder die Drehzeit überzogen. Die Ufa stand vor dem Bankrott. Auch das Publikum mied den Film, als er endlich 1927 ins Kino kam. Pommer verließ die Ufa - und kam zwei Jahre später zurück: Die Ufa brauchte seinen künstlerischen Wagemut.

Propagandaminister Goebbels kontrollierte Filmproduktionen

Alfred Hugenberg und der Scherl-Verleger Ludwig Klitzsch sanierten das Unternehmen, ließen den Regisseuren noch freie Hand, schoben aber die Ufa langsam politisch nach rechts. Keine Überraschung also, dass die neuen Herren schon im Frühjahr 1933 ihre jüdischen Mitarbeiter entließen - noch bevor die Nazis das verlangten. Dieses Verdikt traf auch Pommer, er ging ins Exil nach Hollywood. Zu Beginn der Tonfilmzeit 1930 hatte er sowohl Kunst produziert ("Der blaue Engel") wie Unterhaltung ("Die Drei von der Tankstelle"). Marlene Dietrich, Willy Fritsch oder Lilian Harvey wurden zu Stars.

Während der NS-Diktatur war Propagandaminister Joseph Goebbels der eigentliche Filmproduzent. Künstlerisch anspruchsvolle Filme wurden durchaus gedreht, junge Talente wie Helmut Käutner konnten sich - mit Einschränkungen - entwickeln. Reine Unterhaltungsfilme waren Goebbels besonders wichtig, weil sie die Zuschauer während des Krieges ablenken sollten. Hinzu kamen die extrem antisemitischen Filme des Jahres 1940, "Jud Süß" und "Die Rothschilds". Das monumentale Durchhalteepos "Kolberg" sollte Anfang 1945 der Kriegsmüdigkeit der Deutschen Paroli bieten - kaum einer aber wollte den Film sehen. Der sowjetische Diktator Josef Stalin gehörte zu den Bewunderern der Ufa-Filme der Nazizeit.

Kreml-Experten haben herausgefunden, dass Stalin in seinem Privatkino nach Mitternacht mit den engsten Mitarbeitern "Beutefilme" gesehen hat, auch deutsche Filme - das müssen Ufa-Filme gewesen sein, andere gab es nicht. Hitler dagegen schätzte Hollywood. Zu NS-Zeiten ein Staatsbetrieb, wurde die Ufa nach 1945 wieder privatisiert und ist seit 1964 Teil des Bertelsmann-Konzerns.

Von der Filmkunst zu Fernseh-Soaps

Statt Spielfilmen - einige werden noch hergestellt - produziert die Ufa nun vor allem fürs Fernsehen, besonders für RTL. "Bauer sucht Frau" oder "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" kommen von der Ufa. Geleitet wird sie von Wolf Bauer, von 1990 bis 2017 alleiniger Geschäftsführer, jetzt zusammen mit dem Regisseur Nico Hofmann.

Die frühe Ufa ist auch heute noch ein Maßstab, eine Herausforderung. Das Filmfestival Berlinale zeigt im Februar 2018 in seiner Retrospektive unbekannte Filme der Weimarer Republik - eine Art Antwort auf die Ufa. So erzählt Werner Hochbaums Spielfilm "Brüder" (1929) von einem Hafenarbeiter-Streik in Hamburg, und in Heinz Pauls "Die andere Seite" (1931) spielt Conrad Veidt einen durch den Krieg traumatisierten britischen Hauptmann.

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