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Filmtipp "Die göttliche Ordnung" - Wie die Schweizerinnen ihr Wahlrecht erkämpften

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Rebellion, gesellschaftlicher Wandel - Anfang der 70er Jahre ist alles in Bewegung. Auch das Leben einer Schweizer Hausfrau verändert sich. Sie wird zur sanften Streiterin für die Demokratie. "Die göttliche Ordnung" - eine Geschichte darüber, wie die Frauen sich das Wahlrecht erkämpften.

Der Film „die göttliche Ordnung“ zeigt den Kampf züchtiger Dorfdamen für das Recht, wählen zu dürfen. Die Dorf- und Familienordnung wird auf den Kopf gestellt, der Film ist aber mehr als eine nette Komödie.

Beitragslänge:
3 min
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Dies ist keine bolzengroße Heldenmär, sondern eine charmant-bescheidene "Hausfrauengeschichte", darüber hinaus eine kleine Lektion in Sache Schweizer Geschichte und direkter Demokratie. Gleichwohl wurde "Die göttliche Ordnung" einer der erfolgreichsten Schweizer Filme der jüngsten Zeit - womöglich wegen seiner "Wahrhaftigkeit".

Schweiz als Nachzügler

Obwohl die Filmemacherin Petra Volpe die Geschichte frei erfunden hat, beruht der Film auf historischen Ereignissen. Selbst der pointierte Titel soll nicht einem Gedankenblitz entsprungen, sondern das Ergebnis ausführlicher Recherchen sein. Im Film stammt das saloppe Votum aus dem Mund einer Frauenstimmrechts-Gegnerin: In der "göttlichen Ordnung", die in der Schweiz herrschte, bevor am 7. Februar 1971 per Volksabstimmung die Vorlage zur Einführung des Frauenstimmrechts angenommen wurde, war der Mann von Rechts wegen das Oberhaupt der Familie; Frau und Kinder waren ihm unterstellt. Die Schweiz war damit im internationalen Vergleich eines der späten Länder, die das Frauenstimmrecht einführten.

Im Zentrum des Films steht die 36-jährige Nora Ruckstuhl, die Marie Leuenberger mit der bescheidenen Courage und der unerschrocken-charmanten Verschmitztheit einer einfachen Frau interpretiert. Nora ist glücklich mit Hans verheiratet. Das Paar lebt in einem Dorf im Appenzellischen, auf dem Land, wie man in der Schweiz sagt. Es hat zwei Söhne im Grundschulalter, Luki und Max.

Auf dem Dorf keine Spur von 68er-Stimmung

Mit im Haushalt lebt Hans' Vater: ein Patriarch alter Schule, besserwisserisch, nörgelnd, für sein Alter aber geistig und körperlich fit. Er liest heimlich Sex-Heftchen und rührt im Haushalt nie einen Finger. Seine Schwiegertochter behandelt er wie eine bessere Dienstmagd. Beim Essen in der Großfamilie, zu der auch Hans' Bruder, der den familieneigenen Hof übernommen hat, dessen Frau und Tochter gehören, will er stets den Ton angeben.

Die Welt, sagt Nora, die auch als Erzählerin figuriert, habe damals, im Jahr 1968 mit Woodstock, Black Power und Frauenemanzipation in Flammen gestanden, doch im Dorf sei davon nichts zu spüren gewesen.

Widersacher im eigenen Schlafzimmer

Wenige Wochen vor der Abstimmung gerät Nora im Nachbardorf zufällig an einen Stand von Befürworterinnen des Frauenstimmrechts und wird mit einschlägiger Literatur eingedeckt: Abstimmungsunterlagen, das Schweizer Eherecht, Betty Friedans "Weiblichkeitswahn". Später entdeckt sie in einer Zeitschrift ein Stelleninserat jenes Reisebüros, bei dem sie vor ihrer Hochzeit eine Lehre absolvierte. Jetzt, da ihre beiden Kinder zur Schule gehen, möchte sie wieder arbeiten. Doch Hans erwidert, dass das nicht in Frage komme. Was würden denn die Leute im Dorf sagen? So ergibt sich das Eine aus dem Anderen. Sie habe sich doch bisher noch nie für Politik interessiert, bekommt Nora öfters zu hören, und antwortet dann trotzig: "Jetzt aber schon!"

So beginnt sich Nora zu emanzipieren. In der alten Vroni und der zugewanderten Graziella findet sie Verbündete, mit denen sie, während Hans vorübergehend Militärdienst leisten muss, zu einer Frauendemo nach Zürich reist. Tags darauf findet im Gemeindesaal eine Abstimmungsversammlung statt. Der Film erzählt, wie sich im Dorf die Diskussion anbahnt, sich Lager bilden, die Stimmung aufgeheizt wird, immer mehr Frauen sich auf die Seite der Befürworterinnen schlagen und schließlich in den Streik treten. Sollen die Männer doch schauen, wie sie mit Haushalt und Kindern zurechtkommen. Irgendwann fliegen nicht nur die Fetzen, sondern auch Steine. Dabei ist Frauenrecht doch Menschenrecht.

Tiger, Füchse und Schmetterlinge

Petra Volpe hat dem Volk auf den Mund und in die Seele geschaut und verdichtet stimmig und stimmungsvoll Zeit und Geist. Exemplarisch reichert sie Noras Geschichte mit den Schicksalen ihrer Freundinnen und Bekannten an: ihrer unglücklich verheirateten Schwägerin, deren heftig pubertierenden Tochter, die ins Erziehungsheim verfrachtet wird, aber auch der "Dorfkönigin", die sich in der Männergesellschaft wacker zu behaupten weiß und ihren Geschlechtsgenossinnen in den Rücken fällt.

Quasi nebenbei erzählt der Film auch die Geschichte der sexuellen Revolution, was ihm eine erfrischende Dreistigkeit verleiht und ihn zum Schmunzeln liebenswert macht. Wenn die drei Dörflerinnen in Zürich an einem Sex-Workshop teilnehmen, wo sie die Tiger, Füchse und Schmetterlinge zwischen ihren Beinen entdecken, ist "Die göttliche Ordnung" sogar eine köstliche Gaudi. Ein kleiner, großer, starker Schweizer Frauenfilm.

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