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Finanzkrise vor zehn Jahren - Nach dem Crash ist vor dem Crash

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Im September 2008 ging die Wall-Street-Bank Lehman Brothers pleite. Kurz danach brach das globale Finanzsystem zusammen. Zehn Jahre später warnen Experten vor dem nächsten Crash.

Niemand war auf die Pleite vorbereitet. Mit dem Niedergang der US-Bank Lehman Brothers 2008 begann ziemlich unerwartet die größte Krise nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Bank verspekulierte sich und zog durch ihre Größe andere mit in den Strudel.

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"Wir stehen gefährlich nahe am Rand eines finanziellen Abgrunds. Aber weder der Präsident noch die Zentralbank hören die Alarmglocken schrillen. Dabei wirft die nächste große Finanzkrise bereits ihre Schatten", sagt Nomi Prins. Die ehemalige Investmentbankerin weiß, wovon sie spricht. Sie hat mehrere Jahre bei Goldman-Sachs, Bear Stearns, Lehman Brothers und Chase Manhattan Bank gearbeitet.

"Risiken sind nach wie vor da"

"Genau wie vor der Finanzkrise 2008 herrscht bei Politikern und Regulierungsbehörden heute eine geradezu unheimliche Zuversicht, dass weder die Wirtschaft noch der Bankensektor erneut pleite gehen können", sagt Prins in ihrem neuen Buch "Collusion. How Central Bankers rigged the world". "Die Risiken sind aber nach wie vor da. Viele Privatbanken sind noch größer, als 2007/2008 und operieren in einem Umfeld, in dem noch mehr Schulden gemacht werden als je zuvor."

Prins ist nicht die einzige, die zehn Jahre nach der großen Finanzkrise vor dem nächsten Crash warnt. Auch Amat Admati, Wirtschafts-Professorin an der renommierten Stanford School of Business, warnt: "Es hat sich nur sehr wenig geändert, das System ist weiterhin unglaublich brüchig. Große Finanzinstitutionen werden noch immer viel zu wenig überwacht und reguliert."

Präsident Trump, der sich vor zwei Jahren im Wahlkampf noch als Wall-Street-Gegner präsentiert hat, gehört inzwischen zu den schärfsten Verfechtern der Deregulierung. Wichtige Kontrollmechanismen und Auflagen, die nach dem Crash 2008 eingeführt worden waren, sind inzwischen gelockert.

Die Kompetenzen der 2011 gegründeten Verbraucherschutzbehörde für Bankkunden (Consumer Financial Protection Bureau CFPB) wurden eingeschränkt. Banken dürfen erneut mit Kundengeldern am Finanzmarkt spekulieren. Und die jährlichen Stress-Tests sind mittlerweile nur noch für einige wenige Großbanken mit einem Vermögen von mehr als 250 Milliarden Dollar verpflichtend.

"Der Deich ist nicht hoch genug"

Neel Kashkari hat 2008 mit dem damaligen US-Finanzminister Paulson bei der Bankenrettung mit am Tisch gesessen. Er erinnert sich noch sehr genau an die Panik an der Wall Street, an Banker, die Umzugskartons aus Bürogebäuden schleppten. "Ich habe immer an die freie Marktwirtschaft geglaubt, aber ich habe gelernt, dass Märkte Fehler machen können", sagt der 45-jährige Republikaner. "Wir haben damals versucht, eine Schutzmauer gegen künftige Krisen zu errichten. Aber unsere Analysen heute zeigen, dass der Deich längst nicht hoch genug ist. Wir müssen die Banken zwingen, genügend Kapital zurückzulegen, damit im Fall einer erneuten Krise nicht wieder die Steuerzahler zur Kasse gebeten werden."

Beim großen Crash 2008 verloren zehn Millionen Familien ihr Haus. Die Gesamtverluste der Wirtschaft lagen bei 12 Billionen Dollar. Laut einer aktuellen Studie der Federal Reserve Bank of San Francisco hat die Finanzkrise jeden einzelnen Amerikaner 70.000 Dollar gekostet. Und obwohl 2018 die Wirtschaft wieder boomt und die Börsenkurse steigen, haben sich längst nicht alle Amerikaner von dem Finanzschock erholt.

Exorbitante Verschuldung der USA

Vor allem die exorbitante Verschuldung von Privathaushalten, Gemeinden, Städten und Bundesstaaten in den USA sei besorgniserregend, sagt Andrew Ross Sorkin, Wirtschaftsexperte der "New York Times". "Unsere nationale Schuldenlast liegt bei 21 Billionen. Unter Trump ist sie in nur sechs Monaten um eine Billion gestiegen." Diese unkontrollierbare Verschuldung könnte der Funke sein, der die nächste Krise befeuert.

Auch Wirtschaftsexpertin Naomi Prins ist sich sicher: "Der nächste Crash kommt, die Frage ist nur wann."

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