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Finanzwissenschaftler Prinz - "Ende des Bargelds nicht in Sicht"

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Hat das Bargeld in Deutschland noch eine Zukunft? Ja, sagt Finanzwissenschaftler Aloys Prinz gegenüber dem Wirtschaftsmagazin makro. Alles andere sei sogar gefährlich.

Die Finanzwelt steht vor einer großen Herausforderung: Bargeld wird mit Macht verdrängt und Digitalwährungen stellen etablierte Strukturen in der weltweiten Finanzindustrie infrage.

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29 min
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makro: 2018 wurde im deutschen Einzelhandel weniger bar bezahlt als mit Karte. Ist das der Anfang vom Ende des Bargelds in Deutschland?

Aloys Prinz: Ein solches Ende ist meiner Einschätzung nach in Deutschland nicht absehbar. Die Zahlungsgewohnheiten ändern sich, aber langsam. Kartenzahlungen werden zudem eher eine Zwischenstufe der Entwicklung sein. Künftig werden mobile Zahlungen mit Smartphones etc. voraussichtlich zunehmen.

Aber selbst dann ist ein Ende des Bargelds nicht in Sicht. Schon allein deshalb, weil die Bürger mit Bargeld auch dann noch bezahlen können, wenn elektronische Systeme ausfallen oder nicht vorhanden sind.

makro: In Schweden haben Bargeldzahlungen stark abgenommen. Die schwedische Zentralbank erwägt jetzt, selbst eine elektronische "Krone" auszugeben. Was halten Sie davon?

Prinz: Bisher wird die 'e-Krone' für Zahlungen in kleinen Beträgen diskutiert. Ob das aber wirklich eine Verbesserung des Zahlungssystems darstellt, ist unklar. Solche Beträge können auch jetzt schon mit Karte bezahlt werden. Sowohl auf der technischen als auch auf der rechtlichen Seite gibt es viele offene Fragen.

Möglicherweise wäre die e-Krone nur ein weiteres Zahlungsmedium neben Banknoten, Münzen und Karten bzw. Smartphones. Das hängt davon ab, ob längerfristig die e-Krone das einzige gesetzliche Zahlungsmittel wäre. Experimente mit einer elektronischen Währung in überschaubarem Rahmen sind durchaus sinnvoll.

makro: Negative Zinsen auf Sparguthaben machen Bargeld attraktiv. Um eine Flucht ins Bargeld zu verhindern, kommt aus dem Internationalen Währungsfonds nun der Vorschlag, Bargeld abzuwerten. Ist das aus Ihrer Sicht eine gute Idee?

Prinz: Ich halte das für keine gute Idee. Es droht die Politisierung des Geldes. Dadurch würde der sogenannten finanziellen Repression - die einseitige Belastung der Sparer zugunsten der Staatsfinanzierung mit Negativzinsen - leicht gemacht werden. Ob diese Gefahr durch den vermeintlichen makroökonomischen Vorteil negativer Zinsen zu rechtfertigen ist, scheint mir zweifelhaft.

makro: Sind rein digitale Währungen wie Bitcoin oder Libra eine Chance oder ein Gefahr für die Finanzsicherheit?

Prinz: Weder Bitcoin noch Libra scheint unmittelbar eine Gefahr für die Sicherheit und Stabilität des Finanzsystems zu sein - allerdings nur dann, wenn sie in die Regulierung der Finanzmärkte einbezogen werden. Insbesondere Libra hat großes Potential als Digitalwährung, da Facebook über ein sehr großes Nutzer-Netzwerk verfügt. Dadurch würde der Geldtransfer über das Internet erleichtert, auch für Menschen ohne Bankkonten, z.B. in weniger entwickelten Ländern.

Ob aber Libra das Vertrauen der Nutzer gewinnen kann, das durch Datenskandale bei Facebook verloren gegangen ist, bleibt abzuwarten. Zudem würde Facebook durch Libra noch mächtiger werden als es jetzt schon ist, unter anderem wegen der enormen Datenmenge, die mittels Libra gesammelt wird.

makro: Wie sieht die Zukunft des Geldes Ihrer Meinung nach aus - wird sich Bargeld halten?

Prinz: Meines Erachtens wird es noch recht lange Bargeld geben. Stellen Sie sich nur einmal vor, dass der Strom für ein paar Stunden oder sogar einen Tag ausfällt. Dann geht digital nichts mehr. Man wird noch lange ein nachgelagertes Geldsystem benötigen, das unabhängig von Stromversorgung und Internetzugang funktioniert. Digitales Geld und Bargeld ergänzen sich, selbst wenn das digitale Geld eines Tages eine Vorrangstellung erreicht.

Das Interview führte Nadja Kaltwasser.

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