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Fipronil-Skandal - Angst und Hektik am Eier-Markt

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Der Fipronil-Skandal macht der Eier-Branche zu schaffen. Verbraucher kaufen weniger, Supermärkte wie Aldi nehmen Eier tagelang gleich ganz aus den Regalen. Die Angst ist groß, dass der Aufwärtstrend der letzten Jahre gestoppt werden könnte.

Diese Frage stellen sich mittlerweile acht betroffene Länder. Vor allem belgische und holländische Behörden sehen sich mit dem Vorwurf konfrontiert, sie hätten geschlafen. Die zeigen sich nun entschlossen, melden Razzien und Festnahmen.

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Der Schaden durch den Fipronil-Skandal geht für die niederländischen Bauern in die Millionen. In Deutschland sind zwar weit weniger Betriebe direkt betroffen, dennoch geht es auch bei ihnen um die Existenz.

Tausende Eier landen im Müll. Der Verlust wird vom Deutschen Bauernverband in jedem Hof auf 4.000 Euro täglich geschätzt. Und bevor über eine Entschädigung geredet werden kann, müsse erst einmal geklärt werden, wer für die Verunreinigung überhaupt verantwortlich ist. "Die betroffenen Landwirte dürfen nicht auf ihren Schäden sitzen bleiben", fordert Udo Hemmerling, stellvertretender Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands.

"Große Verunsicherung"

Aber auch im Rest der Branche geht die Angst um. In den Supermärkten werden offenbar weniger Eier gekauft. Aldi hatte eine ganze Woche lang überhaupt keine mehr im Sortiment. "Es herrscht eine große Verunsicherung am Markt", sagt Marktanalystin Margit Beck vom Branchendienst "Eier und Geflügel" (MEG) im ZDF. Noch könne aber nicht eingeschätzt werden, ob die Nachfrage tatsächlich gesunken ist oder nicht. Trotzdem ist die Angst bei Bauern und Händlern groß.

Denn in den letzten Jahren hatte wieder einen spürbaren Aufwärts-Trend gegeben. 2010 wurden nach Zahlen der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) in den deutschen Betrieben 10,6 Milliarden Eier produziert, letztes Jahr waren es schon stolze 14,2 Milliarden. Die mit Abstand meisten Betriebe gibt es in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, gefolgt von Bayern und Baden-Württemberg.

Weniger Käfighaltung

Bemerkenswert dabei ist, dass die viel kritisierte Käfighaltung in Deutschland eine immer geringere Rolle spielt. 9,7 Prozent der Hennen lebten 2016 noch in solchen Legebatterien, so der MEG, mehr als 62 Prozent in Boden- und 17,7 Prozent in Freilandhaltung. Der Bio-Anteil: 10,6 Prozent. Zum Vergleich: In Frankreich oder Italien liegt der Käfig-Anteil bei über 60 Prozent, in Polen, Lettland oder Spanien sogar bei deutlich über 80 Prozent. Bio-Eier gibt es dort so gut wie gar nicht.

Was die Zahl der Legehennen angeht, ist Deutschland Spitzenreiter in der EU. Trotzdem reicht die Produktion nicht aus, um den Appetit der Deutschen auf Eier zu stillen. Etwa 30 Prozent des Bedarfs wird durch Importe gedeckt, meist aus den Niederlanden. 235 Eier werden hierzulande laut BLE pro Kopf und Jahr vertilgt. Vor sieben Jahren waren das noch 218 gewesen. "Die Hälfte davon wird nach unserer Recherche als Schalen-Ei im Laden gekauft", erklärt Margit Beck. Der Rest wird in der Gastronomie oder von der Nahrungsmittel-Industrie verarbeitet - etwa zu Majonäse, Nudeln und Gebäck.

Eier bald teurer?

Werden Eier wegen des Fipronil-Skandals nun bald teurer? In absehbarer Zeit nicht, glaubt Margit Beck, weil die Kundenpreise üblicherweise längerfristig verhandelt werden. "Innerhalb eines Jahres sind die Verbraucherpreise in der Regel stabil. Und ich wüsste nicht, warum sich das jetzt ändern sollte." Noch kann aber niemand sagen, welche Kreise der Skandal ziehen wird und wie die Verbraucher längerfristig darauf reagieren.

Der Deutsche Bauernverband drängt wohl auch deshalb auf "eine rasche und umfangreiche Aufklärung aller Hintergründe zu der aktuellen Krise". Der Verzehr deutscher Eier sei im Übrigen aber weiter unbedenklich, so der Verband. Dass Aldi zeitweise gleich alle Eier aus den Regalen genommen habe, nennt er „überzogen“ und „nicht angemessen.“

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