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FIBO in Köln - Fitness 2018: Die Auferstehung des Turnvaters

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Bei der Fitness-Messe FIBO gibt es neue Trainingsgeräte, Sportarten und Klamotten zu sehen. Und auch alte Bekannte der Trimm-Dich-Bewegung kommen in neuem Gewand daher.

Die Fitness-Trends 2018

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Die ganz Unentwegten haben zwar auch im Winter hier ihre Runden gedreht, aber die Zahl der Läufer auf der Finnbahn im Bremer Bürgerpark ist mit den ersten Frühlingsblüten nach oben geschnellt. Der gelenkschonende Belag aus Sägespänen und Rindenmulch lockt in Verbindung mit der frischen Waldluft seit Ende der Siebziger Jahre Bremens Jogger hierher.

Gruppentraining an der Sprossenwand

Lediglich die Sprossenwand, die Reckstange und der Holzbock neben dem Unterstand am Startplatz fristeten lange Zeit ein Schattendasein. Doch seit einiger Zeit treffen sich auch hier Gruppen von Freizeitsportlern und trainieren ihre Klimmzüge und Situps gemeinsam. Einige schleppen sogar noch Matten, Hanteln, Kugeln und andere Geräte an und zeigen sich gegenseitig ihre Übungen.

Damit vereint dieser kleine Platz gleich mehrere der Fitness-Trends, die das renommierte American College of Sports Medicine (ACSM) in ihrem Ranking unter die Top 10 platziert: Gruppentraining, Bodyweight-Training und funktionelles Training. Wenn dann auf der Laufbahn noch jemand hin und wieder einen Sprint einstreut - statt langsam seine Runden zu drehen, wie es jahrelang üblich war - kommt noch das Top-platzierte Hochintensive Intervalltraining (HIT) dazu.

Von Jürgen Klinsmann nach Deutschland geholt

"Viele Trainingsformen und Geräte wurden einfach nur vergessen und sind dann in neuem Gewand wiedergekommen", sagt der Sportwissenschaftler Robert Heiduk, der den Markt innovativer Fitness-Produkte intensiv beobachtet. So schießen sogenannte Calisthenics Parks mit festinstallierten Turngeräten, an den mit dem körpereigenen Gewicht trainiert wird, aus dem Boden wie die Trimm-Dich-Pfade der Siebziger Jahre.

"Für mich ist es die Turnvater-Jahn-Bewegung des 21. Jahrhunderts", sagt Heiduk, dessen Schwerpunkte Trainingswissenschaft und Soziologie sind. "Es ist eine Gegenbewegung zur Technisierung." Und auch die Geräte, die beim sogenannte funktionellen Training eingesetzt werden wie Tubes, Kettlebells und TRX, hat es in anderer Form schon mal gegeben. Diese Trainingsform sorgte in Deutschland einst für Furore, als der damalige Bundestrainer Jürgen Klinsmann mit seinen aus den USA engagierten Athletiktrainern danach trainieren ließ.

Bewegungstraining statt Muskeltraining

"Der Expander feiert sein Comeback heute als Tube. Und das Faszientraining ist das moderne Wort für Schwunggymnastik", sagt Robert Heiduk. Mit dem laut ACSM-Ranking besonders angesagten Intervalltraining habe bereits in den 1950er Jahren die tschechische "Lokomotive" Emil Zatopek trainiert.

Vom herkömmlichen Krafttraining im Sportstudio unterscheiden sich diese wiederentdeckten Trainingsformen hauptsächlich dadurch, dass sie keine einzelnen Muskelgruppen formen, sondern ein Ganzkörpertraining sind. Die Botschaft lautet: "Wir trainieren Bewegungen statt Muskeln, wir machen wieder Sport statt isoliertes Muskeltraining aus dem Bodybuilding."

Die Zeit der Mega-Trends ist vorbei

Unabhängig davon, dass mit dem alten Expander die gleichen Trainingserfolge zu erzielen sind wie mit den neuartigen Tubes, begrüßt Robert Heiduk jeden Hype, der die Menschen in Bewegung bringt. "Schließlich lösen wir uns durch die Digitalisierung gerade in der Nichtkörperlichkeit auf. Problematisch ist immer nur die Dosis. Joggen kann gesund, aber auch schädlich sein."

Die Digitalisierung ist für Heiduk auch dafür verantwortlich, dass es Massentrends in Zukunft nicht mehr geben wird. "Die Gesellschaft löst sich in immer feinere Interessen- und Trendgruppen auf. Das gilt auch für den Fitness- und Bodybuilding-Bereich. Mittlerweile gibt es unzählige Arten der Körperformung und des Bewegungstrainings, die sich in unterschiedliche Interessengruppen aufteilen. Den Mega-Trend kann es nicht mehr geben."

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