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Die Erde in der Zange

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Sonderbericht des Weltklimarates - Die Erde in der Zange

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Die Menschheit wächst. Und mit ihr der Wunsch nach mehr Lebensstandard. Damit steigt fast immer auch der Verbrauch von Flächen. Einer Ressource, die kaum vermehrbar ist.

acker in mecklenburg-vorpommern
Etwa 37 Prozent der weltweiten Landfläche, ca. fünf Milliarden Hektar, sind Agrarflächen.
Quelle: dpa

Die Landoberfläche der Erde beträgt rund 13,4 Milliarden Hektar. Dazu zählen auch Wüsten, Ödland, Eisschilde und Hochgebirgsregionen, die kaum für den Menschen nutzbar sind. Was nutzbar ist, gerät unter immer stärkeren Druck. Denn eine wachsende Weltbevölkerung benötigt mehr Raum, Nahrung und Energie.

Als wichtigste Faktoren des Flächenverbrauchs gelten Land- und Forstwirtschaft, Siedlungsbau und Infrastrukturentwicklung, Energieproduktion und Bergbau.

Landwirtschaft

Etwa 37 Prozent der weltweiten Landfläche, ca. fünf Milliarden Hektar, sind Agrarflächen. Damit nimmt die Landwirtschaft den größten Teil der Landfläche ein. Analog zum Bevölkerungswachstum wächst auch diese Fläche. Vor allem durch Großbetriebe zur Produktion von Fleisch, Sojabohnen (vor allem als Futtermittel) und Palmöl.

So haben die Ackerflächen zwischen 1985 und 2005 weltweit um 154 Millionen Hektar zugenommen - das entspricht 4,3 mal der Fläche Deutschlands. Dies insbesondere in den Tropen, wo die Umwandlung von Wald in Felder den wichtigsten Teil des Flächenverbrauchs darstellt. Damit verbunden ist ein dramatischer Verlust an Biodiversität und Ökosystemleistungen wie etwa die Speicherung von Wasser oder Kohlendioxid (CO2). Zudem steht der landwirtschaftliche Flächenbedarf in unmittelbarem Nutzungskonflikt zum Flächenbedarf des Siedlungsbaus.

Forstwirtschaft  

Etwa 29 Prozent der weltweiten Landfläche, ca. 3,9 Milliarden Hektar, sind Waldfläche. Das meiste davon Wälder, die wirtschaftlich genutzt werden. Nur rund 36 Prozent sind ursprüngliche Primärwälder. Bei der Waldfläche ist der Trend entgegengesetzt zur Entwicklung in der Landwirtschaft. Zwar stehen der Umwandlung von Wald in Agrarflächen in tropischen Gefilden Aufforstungen in Europa, Nordamerika und China gegenüber. Dennoch ist zwischen 1990 und 2010 ein weltweiter Waldverlust von 135,2 Millionen Hektar zu verzeichnen.

Neben dem Verlust an Biodiversität und Ökosystemleistungen ergeben sich weitere Probleme. Denn ohne Waldbedeckung ist der Boden schutzlos der Erosion ausgesetzt. Was nicht an Fruchtbarkeit durch einseitigen Anbau von Feldfrüchten verloren geht, wird  durch Wind ausgeweht oder durch Wasser weggeschwemmt.

Siedlungsbau

Etwa zwei bis drei Prozent der Landfläche sind besiedelt. Das Bevölkerungswachstum auf der Erde wird auch zu einem Anwachsen des Siedlungsbaus führen. Bis 2050 erhöht sich der Anteil der Siedlungsfläche an der Landoberfläche auf vier bis fünf Prozent.

Wachsen werden vor allem die Ballungsräume. Bevölkerungswissenschaftler schätzen, dass im Jahr 2050 rund 2,5 Milliarden Menschen in Städten leben. Was nicht allein durch Konzentration aufgefangen werden kann, sondern vor allem im Umland zu wachsendem Flächenverbrauch führen wird. Auf Kosten des Ackerlandes. Nach Schätzungen des Global Land Outlook Report 2017 der UNCCD gehen vom Jahr 2000 bis 2030 jährlich zwischen 1,6 und 3,3 Millionen Hektar wertvolles Ackerland durch städtischen Flächenverbrauch verloren. Auszugleichen ist dieser Verlust nur durch weiteres Abholzen von Wäldern.

Der Ausblick ist düster

Solange die Menschheit weiter wächst, sind Flächenverbrauch und Druck auf die Natur kaum vermeidbar. Unberührte Flächen mit gesunden Böden werden rar. Mit Folgen für den Klimawandel. Denn neben dem Verlust an kohlenstoffspeichernder Biomasse ist auch das CO2-Speicherpotential unberührter Böden nicht zu unterschätzen

Verglichen mit dem Boden der Vorindustriellenzeit wurde der organische Kohlenstoffgehalt des Bodens bereits um 176 Giga-Tonnen reduziert. Geht es weiter wie bisher, werden zwischen 2010 und 2050 weitere 80 Giga-Tonnen Kohlenstoff aus Böden und Vegetation freigesetzt. Eine Menge so hoch, wie zurzeit weltweit in acht Jahren durch fossile Energieträger emittiert werden.

Rolf Markert ist Redakteur in der ZDF-Umweltredaktion.

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