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Flirten mit Dating-Apps - Ausstellung lotet Liebe aus

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Früher hat Amor mit seinen Pfeilen liebestrunken gemacht. Heute sollen Dating-Apps mitten ins Herz treffen. Die Ausstellung "What is Love? Von Amor bis Tinder" spürt dem nach.

"What is Love?" – Antworten gibt die aktuelle Ausstellung der Kunsthalle Bremen. Es ist eine Zeitreise von Liebesgott Amor bis zu aktuellen Dating-Apps. Erotik, Liebe, Partnerschaft – in der kleinen Themenschau geht es um große Gefühle.

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Bis zum 21. Oktober 2018 gehen Fotos, Gemälde, Plastiken, Videos und Installationen dem schönsten aller Gefühle nach. Und das von Adam und Eva bis heute. Ein australischer Künstler lässt in der Kunsthalle Bremen einen Silikonfinger pausenlos auf ein Smartphone tippen. Wie bei aktuellen Dating-Portalen leuchten im Sekundentakt neue Frauengesichter auf. Die Vielfalt an potentiellen Partnern scheint riesig.

17 Millionen Singles in Deuschland

Ausstellung "What is love? Von Amor bis Tinder" in Bremen
Ein Silikonfinger tindert. Quelle: ZDF

Gleichzeitig gibt es in Deutschland Studien zufolge rund 17 Millionen Singles, mehr als je zuvor. "Online-Partnerbörse sind ein neuer Ort der Begegnung, weisen aber gleichzeitig zahlreiche Hürden auf", sagt Ausstellungskuratorin Jasmin Mickein. "Mimik, Stimme, Gestik, Geruch - das sind alles Dinge, die übers Internet nicht zu transportieren sind." Auch würden viele Menschen andere liken, dabei aber vergessen, dass sie sich selbst lieben und so annehmen müssen, wie sie sind. Die Ausstellung solle zu Diskussionen über die digitale Partnersuche anregen, zudem organisiert die Kunsthalle Single-Abende.

In der konzentrierten Themenschau führen 60 Werke von der antiken Mythologie bis heute vor Augen, wie sehr sich Wünsche, Illusionen, Irrwege und Abgründe der Liebe über Jahrhunderte hinweg gleichen und wiederholen. Edvard Munch fahndete ebenso nach dem großen Glück wie Nan Goldin und Tom Wood. Schönheit spielte bei der Liebe auf den ersten Blick schon immer eine entscheidende Rolle.

Das gilt für die Profil-Bilder auf Online-Partnerbörsen ebenso wie für Pablo Picasso. Das Porträt seines Models "Sylvette" erinnert in der Bremer Ausstellung daran, wie sich der alternde Maler auf der Stelle in die 18-Jährige verliebte, ohne zuvor ein einziges Wort mit ihr gewechselt zu haben.

Was Männer mögen: Doppelkinn nein, Bauch ja?

Fotokünstlerin Eylül Aslan aus Berlin
Fotokünstlerin Eylül Aslan aus Berlin Quelle: dpa

Wie subjektiv die Definition von Schönheit ist, zeigt die 28-jährigen Fotokünstlerin Eylül Aslan aus Berlin. Über die mobile Dating-App Tinder hat die gebürtige Türkin 20 Männer gesucht, getroffen und gefragt, was sie an sich selbst beziehungsweise am Körper der Künstlerin mögen und was nicht: Doppelkinn nein, Bauch ja. Diese Details hat Aslan fotografiert und gegenübergesellt, ein ästhetischer Dialog, der für die Sehnsucht steht zu gefallen und gleichzeitig für den Irrsinn, definieren zu wollen, was Schönheit ist.

Der Versuch vieler User, sich auf Dating-Apps perfekt darzustellen, hat nach Ansicht der Künstlerin nichts mehr mit der Realität zu tun. Sie selbst habe Tinder nur für dieses Kunstprojekt genutzt und nicht, um einen Mann kennen zu lernen, sagt sie. Die App habe sie direkt nach dem Kunstprojekt gelöscht.

Chancen und Risiken von Internet-Dates

Die Masterstudenten Katharina Dacrés, Lena Heins und Jakob Weth von der Bremer Hochschule für Künste verdeutlichen mit ihrem Video "<3", wie unnatürlich die Kommunikation über Tinder oftmals ist. Das Künstlerkollektiv ließ Original-Chats von Schauspielern nachsprechen, ohne preiszugeben, von wem die Dialoge stammen. "Das ist doch etwas sehr Privates", räumt Jakob Weth ein. Viele Tinder-Paare würden in der Öffentlichkeit verschweigen, dass sie sich online kennen gelernt haben. Lieber würden sie sagen, sie seien sich ganz real im Supermarkt begegnet.

Mit Chancen und Risiken von Internet-Dates setzt sich auch der Performer Dries Verhoeven auseinander. Tagelang hatte der Niederländer im Container gelebt und nur über Grindr, einer Dating-App für Schwule, Kontakt mit der Außenwelt aufgenommen. Während seiner Kunstaktionen "Wanna Play? Liebe in Zeiten von Grindr" hat er sich dann mit diesen Männerbekanntschaften getroffen. Allerdings nicht für schnellen Sex, sondern – ganz im Gegenteil – um zu reden, zu tanzen, zu kochen, zu essen, sich die Haare zu schneiden. Für den 42-Jährigen ist es das Bekenntnis zu Zärtlichkeit und Verletzlichkeit - Gefühle, die seiner Beobachtung zufolge in heutiger Zeit fast schon tabu sind.

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