Sie sind hier:

Florida vor Hurrikan "Irma" - "Wartet nicht! Es wird nicht besser"

Datum:

Die rund 200 Meilen auf dem Highway zwischen Miami und Orlando sind ein einziger Stau. Tag und Nacht reiht sich Auto an Auto. Gouverneur Rick Scott rät seiner Bevölkerung zur Evakuierung und viele hören auf ihn. So schnell wie möglich.

Hurrikan "Irma" wird am Wochenende in Florida erwartet. Der Gouverneur von Florida appellierte an sämtliche Einwohner des Bundesstaats, sich für eine mögliche Evakuierung zu wappnen. Miami ist bereits wie leer gefegt.

Beitragslänge:
3 min
Datum:

Hurrikan "Irma", obwohl inzwischen von der höchsten Stufe fünf auf vier heruntergestuft, könnte auch in den USA verheerende Schäden anrichten. Meterhohe Wellen, Windböen mit bis zu mehr als 300 Kilometern pro Stunde. "Wartet nicht! Es wird nicht besser", ruft Floridas Gouverneur Rick Scott seinen Landsleuten zu. "Heute ist der Tag, an dem ihr es richtig machen könnt, für euch und eure Familien."

Bislang betreffen die Anordnungen der regionalen Behörden in Florida für die obligatorische Evakuierung nicht den gesamten Bundesstaat, sondern nur diverse Küstenregionen. Auch im weiter nördlich gelegenen US-Bundesstaat Georgia wurde die Evakuierung von Teilen der Küste angeordnet. Von den bisherigen Evakuierungsanordnungen in beiden Bundesstaaten sind insgesamt mehrere hunderttausend Einwohner betroffen.

Vom Atlantik nähert sich unterdessen bereits der nächste Hurrikan: "Jose" hat schon jetzt Windgeschwindigkeiten von 200 Kilometern pro Stunde erreicht, auch er wurde auf Stufe 4 eingestuft.

Plünderungen in zerstörten Gebieten

In der Karibik war "Irma" bereits und hat Verwüstung hinterlassen und mindestens 19 Menschen getötet. Nachdem der Sturm weitergezogen ist, wird Sint Maarten von Plünderern heimgesucht. Die Lage sei ernst und unübersichtlich, sagte der niederländische Premierminister Mark Rutte am Freitag. Es gebe Berichte, dass Bürger auch bewaffnet auf der Straße seien. Die niederländische Marine nannte die Situation auf Facebook "besorgniserregend". "Marinesoldaten und Militärpolizei unterstützen zurzeit die lokalen Behörden beim Bewahren der öffentlichen Ordnung."

Sint Maarten teilt sich mit Saint-Martin (Frankreich) eine Insel. Auch dort soll es Plünderungen geben. Eine Bewohnerin sagte dem französischen Radiosender France Bleu Limousin, sie sei schockiert und ernüchtert. Es gebe Prügeleien um Fernseher oder Ventilatoren. Sie habe Angst, nach draußen zu gehen, fügte die Frau hinzu. "Ich sehe auf der Straße junge Menschen mit Macheten, die uns böse ansehen. Ja, ich habe Angst um meine Sicherheit." Sie fürchte, dass bald das Wasser und die Lebensmittel - vor allem bei der ärmeren Bevölkerung auf der Insel - knapp würden.

Das bereits Wirbelsturmgeplagte Haiti kam diesmal glimpflich davon. Es kam zu Überschwemmungen und Stromausfälle. Der Hurrikan wehte auch Dächer von Häusern und zwei Menschen wurden von einem umstürzenden Baum verletzt, zunächst wurden jedoch keine Toten vermeldet.

Auch Trumps Ferienanlage Mar-a-Lago wird geräumt

Hurrikan "Irma" könnte zum schwersten Sturm werden, den Florida je gesehen hat. Und Florida hat schon vieles gesehen. 1992 hatte "Andrew" große Teile der Halbinsel, strategisch ungünstig zwischen dem Atlantik und dem Golf von Mexiko gelegen, verwüstet. Das türkisfarbene Wasser und die weißen Sandstrände locken die Touristen in Scharen. Das für Urlauber angenehm warme Wasser besonders im Golf von Mexiko lässt aber auch die Gefahr von Tropenstürmen extrem steigen.

"Irma" wird am Wochenende mit voller Wucht auf Florida treffen, sagt der US-Hurricane-Center in Miami voraus. Das Zentrum soll am Sonntagmorgen (Ortszeit) die Inselgruppe der Florida Keys auf Höhe von Marathon und die Südküste des US-Bundesstaats erreichen. Erste Ausläufer könnten den Staat schon am Samstag gegen 8.00 Uhr (14.00 Uhr MESZ) erreichen. Allein in der Gegend um Miami im Südwesten haben die Behörden 650.000 Menschen zum Verlassen ihrer Häuser aufgerufen. 13 Notunterkünfte stehen bereit. Auch Donald Trumps Ferienanlage Mar-a-Lago in West Palm Beach wird geräumt.

Der US-Präsident riet seinen Landsleuten, "Irma" aus dem Weg zu gehen, wenn sie es können. "Hurrikan "Irma" ist von epischem Ausmaß, vielleicht größer als was wir je gesehen haben", twitterte er. Die Küstenwache habe vergangene Woche 15.000 Menschenleben vor Sturm "Harvey" gerettet und "Irma" könne noch heftiger werden.

Eine Schneise der Verwüstung wird erwartet

Für die gesamte Südküste Floridas, vom Atlantik bis in den Golf von Mexiko, gilt eine Warnung vor bis zu drei Meter hohen Wellen. Weit über 100.000 Menschen hatten schon am Freitag ihre Wohnungen verlassen. Der Sturm könnte nordwärts ziehen und eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. In Orlando, zentral in Florida gelegen, macht von Samstag an der Flughafen zu, im ganzen Hurrikangebiet, das bis hinauf nach Georgia und South Carolina reicht, fielen mehr als 4.000 Flüge aus.

Der Schulunterricht wurde in ganz Florida abgesetzt, die meist als Flachbauten angelegten Schulgebäude wurden als Notunterkünfte gebraucht. Gouverneur Scott ließ auf den Highways die Mautstellen räumen - die fliehenden Autofahrer sollen nicht auch noch zur Kasse gebeten werden. "Wir haben 1.000 Trucks und 100 Helikopter bereitstehen", sagt Scott.

Warten auf Nachschub aus der Sperrholzabteilung

Alte Leute müssen aus Hochhäusern geholt, Kranke aus Kliniken transportiert werden. In den Baumärkten stehen die Männer an und warten auf Nachschub in der ausverkauften Sperrholzabteilung. Fenster und Türen müssen verbarrikadiert werden. Angst haben sie weniger vor dem Sturm selbst. "Was danach kommt, das Aufräumen in tropischer Hitze, die Luftfeuchtigkeit - das macht mir Sorgen", sagt Conrad, der seit 1971 in Palm Beach lebt.

Nicht alle sehen es bitterernst. "Ich habe eine Menge Hurrikans gesehen", sagt Sam Fernsell. Der 56-Jährige hat sein ganzes Leben in Palm Beach verbracht, als jungen Mann ließen ihn die Eltern als Aufpasser zu Hause, wenn sie vor den Wirbelstürmen flohen. "Ich bin ein ziemlicher Profi", sagt Fernsell lachend. "Angst habe ich nicht, meine einzige Sorge ist, wie lange der Strom ausfallen wird." Er habe weder eine Taschenlampe noch Kerzen zu Hause, sagt Fernsell. "Ich habe Wodka, ich bin okay", scherzt er.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.