Warum Rana Ahmad aus ihrer Heimat floh

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Von Saudi-Arabien nach Köln - Warum Rana Ahmad aus ihrer Heimat floh

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In Saudi-Arabien wäre Rana Ahmad heute vermutlich tot. Weil sich die 33-Jährige zum Atheismus bekennt, muss sie fliehen - vor der Regierung, der Gesellschaft und der Familie.

Heute lebt Rana Ahmad in Deutschland. In Freiheit. Mit 26 Jahren beginnt Rama den Islam zu hinterfragen. Im Internet liest sie von Darwin und Nietzsche, setzt sich mehr und mehr mit dem Atheismus auseinander. Darauf steht in Saudi-Arabien die Todesstrafe. Doch Rana kann nicht aufhören, das System zu hinterfragen, nach Wegen aus ihrem "eingesperrten Leben", zu suchen.

Als ihr Bruder davon erfährt, versucht er Rana, in ihrem Zimmer zu erwürgen - im letzten Moment kommt ihr Vater dazwischen. Ranas Mutter möchte sie wieder auf den "vermeintlich" rechten Weg führen, pilgert mit ihr nach Mekka - der heiligsten Stätte für Muslime auf der ganzen Welt. Doch zu diesem Zeitpunkt wusste Rana schon, dass sie als Atheistin leben möchte. Der Islam nehme ihr alle Rechte, die sie sich so sehr wünscht. Selbstbestimmtheit, Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen.

Entscheidung gegen die Familie

"Es gab für mich nur noch zwei Möglichkeiten: Mich selbst umzubringen oder zu fliehen." Im ZDF-Interview erzählt sie uns, dass der Mut schließlich siegt. Akribisch bereitet sie ihre Flucht vor. Damit entscheidet sich die junge Frau gegen ihre Familie, aber für die Freiheit.

Geschichten wie diese - von arabischen Frauen, die der Unterdrückung entkommen wollen - häufen sich. Anfang des Jahres ging der Fall von Rahaf um die Welt, die sich in Bangkok verbarrikadierte, um vor ihrem Vater zu fliehen. Auch der Fall von Scheikha Latifa sorgt weltweit für Aufsehen. Die Tochter des Emirs von Dubai flieht, wird aber von Söldnern eingefangen. Jüngst sitzen zwei saudische Schwestern nach ihrer Flucht in Hongkong fest.

Flucht über die Türkei nach Deutschland

Das erste Mal - als erwachsene Frau - auf meinem Körper das Sonnenlicht zu spüren, war unbeschreiblich.
Rana Ahmad

Für Rana ist 2015 ihr Schicksalsjahr: Mit einer Reihe von Tricks und Ausreden schafft sie es schließlich, in die Türkei zu kommen. Sie erinnert sich noch genau an den Moment, als sie die Abaya, den Ganzkörperschleier, in der Öffentlichkeit ablegt.  "Das erste Mal - als erwachsene Frau - auf meinem Körper das Sonnenlicht zu spüren, war unbeschreiblich."  Sofort schneidet sie ihre Haare ab, färbt sie blond. Sie weiß, dass ihre Familie sie suchen würde, um sie zurück nach Saudi-Arabien zu holen, wo ihr - durch die Abkehr vom Islam - die Todesstrafe droht.

Als sie kurz davor ist, in ein Flüchtlingsboot zu steigen, um nach Griechenland zu kommen, bekommt sie Angst. "Warum, warum muss ich das machen, nur damit ich ein normales Leben führen kann? Aber ich habe mir gesagt, dass ich es für meine Freiheit versuchen muss. Über die Balkanroute erreicht sie nach mehreren Monaten Deutschland, wo sie schließlich Asyl beantragt.

FSJ und dann Physik studieren

Das macht mich unendlich traurig. Ich vermisse meinen Vater.
Rana Ahmad

Zu ihrer Familie hat Rana keinen Kontakt mehr. "Das macht mich unendlich traurig. Ich vermisse meinen Vater." Vor allem, weil sie ihn nicht in den Arm nehmen konnte, um sich zu verabschieden.
Doch sie weiß, wofür sie diesen Preis gezahlt hat: Für ein selbstbestimmtes Leben. Rana hat einen Verein gegründet, um säkulare, unterdrückte Frauen auf der ganzen Welt zu unterstützen. Zudem macht sie gerade ihr freiwilliges soziales Jahr. Im Herbst beginnt sie ihr Physikstudium.

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