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Flüchtlinge am Arbeitsmarkt - Mehr Aushilfen als Fachkräfte

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Ein Unternehmensnetzwerk für die Integration von Flüchtlingen hat jetzt 2.000 Mitglieder. Die meisten Flüchtlinge finden aber eher Aushilfsjobs als eine Fachausbildung.

Flüchtling aus Somalia arbeitet bei einem Industrieunternehmen
Flüchtling aus Somalia arbeitet bei einem Industrieunternehmen
Quelle: dpa

Es muss nicht immer eine komplette Ausbildung sein. "Papier ist geduldig, wir schauen zunächst auf die Einstellung", sagt Marion Frederike Krämer, Personalchefin des Luxushotels Steigenberger Frankfurter Hof. Es geht um die Frage, wie man Flüchtlinge am besten in den Arbeitsmarkt integrieren kann.

Flüchtlinge sollen offene Stellen besetzen helfen

Auf die Fahnen geschrieben hat sich diese Aufgabe das "Netzwerk Unternehmen integrieren Flüchtlinge". Das Frankfurter Hotel ist dessen 2.000. Mitglied. Gegründet haben das Netzwerk der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und das Bundeswirtschaftsministerium im Jahr 2016. Das Netzwerk berät die Unternehmen bei Problemen, die bei der Integration von Flüchtlingen auftreten können. Rechtliche Fragen sind das beispielsweise - oder auch Hilfe bei der Suche nach Fördermöglichkeiten.

Gerade bei älteren Flüchtlingen seien Teilqualifizierungen mitunter sinnvoller als eine komplette Ausbildung über mehrere Jahre, meint der DIHK. Und das nicht ohne Grund: "Rund 60 Prozent der Unternehmen können offene Stellen nicht besetzen", sagt DIHK-Präsident Eric Schweitzer. "Neben der Zuwanderung von Fachkräften ist die Qualifizierung Geflüchteter ein Weg, den Fachkräftebedarf auch in Zukunft zu decken".

Überwiegend Helferjobs mit ungünstigen Perspektiven

Allerdings geben die Unternehmen des Netzwerks auch an, dass rund zwei Drittel der Flüchtlinge in Form von Praktika oder Hilfsarbeitertätigkeiten in ihren Firmen beschäftigt seien - grundlegende Qualifizierungsmaßnahmen also oder gering bezahlte Tätigkeiten. Das deckt sich auch mit der Einschätzung des DIHK, dass es bundesweit eine erhöhte Nachfrage nach Arbeitskräften für Helfertätigkeiten gibt.

Bestätigen kann dies das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW). "Etwa die Hälfte der Flüchtlinge, die den Einstieg in den Beruf hierzulande geschafft haben, arbeitet in einem einfachen Helferjob, häufig in der Zeitarbeit, der Gastronomie, dem Reinigungs- und dem Sicherheitsgewerbe", sagt der Zuwanderungsexperte des Forschungsinstitutes, Wido Geis-Thöne. "Diese Tätigkeiten können zwar eine Brücke in den Arbeitsmarkt bilden, bieten im Hinblick auf Einkommen und Jobsicherheit selbst aber vergleichsweise ungünstige Perspektiven."

Organisatorische und Sprachliche Hürden

Nach Darstellung der DIHK befinden sich in Deutschland inzwischen rund 400.000 Flüchtlinge in Beschäftigungsverhältnissen, rund jeder zehnte davon mache eine Ausbildung. Dass eine Ausbildung, mindestens aber eine Teilqualifizierung wichtig ist, liegt daran, dass Geflüchtete in der Regel vergleichsweise wenig Vorbildung mitbringen. "Sie bringen aber sehr großes Engagement mit,  haben oft auch Berufserfahrung, wenn sie schon ein bisschen älter sind. Daran kann man anknüpfen", sagt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des DIHK, Achim Dercks.

Auch im Hotel Frankfurter Hof hat man sich solche oder ähnliche Gedanken gemacht - und sich nun dem Netzwerk angeschlossen. Hier wie andernorts sind es vor allem zwei Barrieren, mit denen Unternehmen und arbeitswillige Flüchtlinge zu kämpfen haben: Organisatorische und bürokratische Hürden - etwa Arbeitserlaubnisse oder die Unsicherheit vor einer möglichen Abschiebung. Zum anderen aber auch sprachliche Barrieren.

Bisher arbeiten nur wenige Flüchtlinge als Fachkräfte

Überdies gilt es, mitunter offene Ohren zu haben für die Menschen, die aus Notsituationen oder Kriegsgebieten aus der Heimat geflüchtet sind.  "Wenn es einem Kollegen nicht gut geht, weil er einen Anruf aus seiner Heimat bekommen hat, arbeiten wir mit anderen Stellen zusammen", sagt Marion Frederike Krämer. "Intern haben wir Mentoren, die wir den Kollegen zur Seite stellen, so dass wir da frühzeitig informiert sind, wenn etwas Schlimmes passiert. Da muss man einfach sensibel sein".

Mit dem Netzwerk jedenfalls hofft die DIHK, dass ausgebildete Flüchtlinge in Zukunft auch dabei helfen, den Fachkräftemangel hierzulande auszugleichen. Bis dahin aber müssen die Flüchtlinge noch viele ihrer Ausbildungsgänge erfolgreich zu Ende zu bringen. Denn Stand heute gibt das Unternehmens-Netzwerk an, dass in den Befragten Mitgliedsunternehmen nur 263 Flüchtlinge eine Stelle als Fachkraft besetzen - das ist ein Anteil von nur fünf Prozent.

Interesse an Ausbildung groß

Auf der anderen Seite ist das Interesse an Ausbildung auf Seite der Schutzsuchenden offenbar groß. So gibt die Bundesagentur für Arbeit an, dass die Zahl junger Flüchtlinge, die mit Hilfe der Arbeitsagentur einen Ausbildungsplatz gesucht haben, zwischen Oktober und März um rund 15 Prozent gestiegen.

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