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Flüchtlingshelfer in Cannes - Cédric Herrou: "Ich kann nicht anders"

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Frankreich schiebt illegal Migranten nach Italien ab, auch unbegleitete Kinder und Jugendliche. Ein Film in Cannes erzählt von ihnen und dem Flüchtlingshelfer Cédric Herrou.

Cedric Herrous Hof wirft nicht viel ab, aber es reicht, um einige Flüchtlinge mit zu ernähren. Vielen gibt er zeitweise ein Zuhause. Michel Toesca hat einen Film darüber gemacht.

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Cédric Herrou lässt sich vom roten Teppich in Cannes nicht weiter beeindrucken. "Ich gehe die Stufen zum Festivalpalast genau so gelassen hinauf wie die Stufen zum Gericht", sagte der Olivenbauer, der in den vergangenen Jahren zu Frankreichs berühmtem Flüchtlingshelfer wurde - und sich wegen seines Einsatzes für die Migranten mehrfach vor Gericht verantworten musste. Herrou spielt die Hauptrolle im Dokumentarfilm "Libre", der jetzt in Cannes Premiere hatte.

"Für mich ist die Einladung zum Filmfestival vor allem eine Möglichkeit, unsere Botschaft zu verbreiten", sagte Herrou im ZDF-Interview. "Die Côte d'Azur, das bedeutet nicht nur Yachthafen und Filmfestival. Ein paar Kilometer von hier wird Jagd auf Schwarze gemacht, es gibt Rassismus, und der Staat handelt illegal", erklärte er. 

Harte Vorwürfe, aber gut dokumentiert. Toescas Film zeigt auf bedrückende Weise aus nächster Nähe, wie französische Polizisten mit Migranten umgehen, die aus Italien ins Land kommen. Die französischen Behörden schicken so viele wie möglich umgehend von Frankreich nach Italien zurück. Dabei verstößt Frankreich gegen internationales Recht, denn die Flüchtlinge müssten die Möglichkeit bekommen, in Frankreich ihren Asylantrag zu stellen. 

Jede Woche kommen 50 Flüchtlinge

Immer wieder kommt es vor, dass auch unbegleitete Minderjährige zurückgeschickt werden, was ebenfalls illegal ist. "Und wenn ich diese Kinder und Jugendlichen da alleine sehe, ohne ihre Eltern - da kann ich nicht anders, als ihnen zu helfen", erzählte Herrou. In den vergangenen Jahren hat er bis zu 250 Migranten auf seinem Grundstück im Royatal beherbergt. Derzeit kommen jede Woche etwa 50 Flüchtlinge bei ihm an.

"Da ist zum Beispiel Mussa, er ist 15 und lebt seit drei Wochen bei mir. Er ist in einem Wohnwagen untergekommen", sagte Herrou. Eigentlich müsste der Staat sich um ihn kümmern und ihm den Schulbesuch ermöglichen. "Aber der Staat verweigert seine Pflicht, und wenn ich ihn vor die Tür setzen würde, dann würde die Polizei ihn sofort nach Italien zurückbringen."

Das Royatal ist für viele Flüchtlinge eine Falle, weil die Grenze zwischen Frankreich und Italien hier in Form einer Ausbuchtung verläuft. "Viele Flüchtlinge denken, sie gelangen über die Berge nach Paris - aber tatsächlich landen sie wieder in Italien und laufen Richtung Turin", erklärte Toesca, der ebenfalls im Royatal wohnt und seinen Freund Herrou zwei Jahre lang immer wieder mit der  Kamera begleitet hat

Geschichten sorgen für Gänsehaut

Neben Herrou engagieren sich viele der Einwohner für die Flüchtlinge, die irgendwann einfach auftauchten. "Ich mache das nicht aus politischen Gründen, sondern einfach aus humanitären Gründen", sagt eine Frau im Film. Und eine Krankenschwester radebrecht mühselig auf Englisch, um den Migranten medizinische Hilfe zu leisten. 

Toesca lässt immer wieder auch die Migranten selbst zu Wort kommen, und ihre Geschichten lassen vielen Zuschauern kalte Schauer den Rücken hinunterlaufen. Da berichtet etwa eine hochschwangere junge Frau, wie sie sich auf der Rückbank eines Auto versteckt hat, um einer Polizeikontrolle zu entgehen. Dabei war sie lediglich auf dem Weg zum nächsten Ort, wo sie einen Asylantrag stellen wollte. Frankreich 2018.

Zur Premierenfeier kam Herrou in Begleitung mehrerer junger Migranten - in Smoking und pailettenbesetzem Abendkleid, vor Freude strahlend. Das Publikum applaudierte minutenlang, und Herrou erinnerte in seiner Dankesrede an die Kinder, "die illegal über die französisch-italienische Grenze abgeschoben werden - ganz hier in der Nähe von Cannes." Es ist ein überraschend politisches Filmfestival dieses Jahr. 

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