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Bundespräsident in Bogota - Steinmeier zollt Kolumbien Respekt

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Mehr als eine Millionen Venezolaner ist nach Kolumbien geflohen. Bei seinem Besuch in Bogota zollt Bundespräsident Steinmeier dem Land Respekt für den Umgang mit den Flüchtlingen.

Empfang für Bundespräsident Steinmeier in Bogota.
Kennt Erfahrungen mit Flüchtlingen: Bundespräsident Steinmeier weiß, was Kolumbien momentan erlebt.
Quelle: Tobias Käufer

Seit ein paar Tagen ist Bauarbeiter Jonny in Kolumbien. Mit ihm seine Frau und die beiden Kinder, drei und vier Jahre alt. Auch ein Freund ist mitgegangen, den weiten Weg von Maracay - gut eine Autostunde von der venezolanischen Hauptstadt Caracas - bis nach Bogota. Sie sind gelaufen, mit dem Bus gefahren, haben sich auf Lastwagen gesetzt. Nur weg aus Venezuela. "Es gibt dort keine Arbeit mehr für mich, keine Baustellen. Niemand hat Geld."

Nun sitzt er in Bogota auf der Straße, hat ein Schild gemalt und bittet um Spenden. Was ihn an Bogota am meisten überrascht hat in der kurzen Zeit, die er da ist: "Die vielen Baukräne. Hier wird gebaut. Hier finde ich sicher Arbeit", ist er überzeugt. Er ist gegangen, obwohl oder gerade weil in Venezuela ein Machtkampf zwischen dem sozialistischen Autokraten Nicolas Maduro und dem konservativen Interimspräsidenten Juan Guaidó tobt. Am Dienstag brachte dieser wieder Hunderttausende Demonstranten in ganz Venezuela auf die Straße. "Ich hatte Angst, dass wir nicht mehr rauskommen, dass sie vielleicht irgendwann die Grenze schließen", sagt Jonny.

Bauarbeiter Jonny und seine Familie in Bogota.
Bauarbeiter Jonny und seine Familie in Bogota.
Quelle: Tobias Käufer

220.000 Venezolander in Bogota

Am Tag vor der Ankunft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Bogota veröffentlichte die kolumbianische Migrationsbehörde die neuesten Zahlen. Danach leben derzeit 1,14 Millionen Venezolaner in Kolumbien, davon rund 695.000 mit legalen Aufenthaltsstatus. Besonders groß ist laut der Studie "Venezolaner in Kolumbien" die venezolanische Exilgemeinde in der Hauptstadt Bogota, wo allein rund 220.000 Menschen aus dem Nachbarland eine neue Heimat gefunden haben. An diesem Mittwoch wird Steinmeier dort eine Anlaufstelle für venezolanische Flüchtlinge in der Stadtverwaltung Bogotas besuchen.

Kolumbiens Präsident Ivan Duque sagte bei der gemeinsamen Pressekonferenz im "Casa de Narino", dem kolumbianischen Präsidentenpalast im Herzen Bogota, sein Land wolle von den Erfahrungen Deutschlands bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise lernen. Gerade weil Deutschland diese Erfahrungen kenne, "nötigt uns Ihre Leistung Respekt ab", entgegnete Steinmeier.

Krise mit anderen Voraussetzungen

Die Voraussetzungen in Kolumbien sind etwas anders als in Europa: Die Flüchtlinge aus Venezuela sprechen die gleichen Sprache und sie haben den gleichen kulturellen und religiösen Hintergrund. Kolumbien versucht, die humanitäre Herausforderung so gut es geht zu meistern. Den Venezolanern werden schnell und relativ schnell Aufenthaltsstatus und Arbeitsgenehmigungen erteilt, damit diese schnellstmöglich in den Arbeitsmarkt integriert werden können. Allerdings nutzen einige kolumbianische Unternehmen die Not der Migranten aus: Immer wieder kommt es zu Ermittlungen, weil es Firmen gibt, die die Venezolaner unter dem ohnehin schon niedrigen Mindestlohn von umgerechnet etwa 230 Euro im Monat anstellen. Zudem werden immer wieder Frauen Opfer von Zwangsprostitution.

Obendrein gibt es in Kolumbien und auch in Ecuador, der zweiten Station Steinmeiers auf seiner fünftägigen Südamerika-Reise ähnlich wie im Norden Brasiliens auch soziale Spannungen durch die Flüchtlingsbewegungen. In Ecuador brachen sie jüngst auf, als eine ecuadorianische Frau von einem venezolanischen Migranten erstochen wurde. Einwohner der nordecuadorianischen Stadt Ibarra machten danach Jagd auf verängstigte venezolanische Flüchtlinge. Wie viele Flüchtlinge die lateinamerikanischen Länder noch aufnehmen können und müssen, ist ungewiss. Eine Lösung und ein Ende des Machtkampfes in Venezuela ist nicht in Sicht. Diese Krise in Venezuela müsse durch Neuwahlen gelöst werden, bekräftigte Steinmeier. Nur so könne den Menschen Hoffnung auf einen Neuanfang gemacht werden.

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