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Experte zur Niki-Pleite - "Lufthansa kann nun besser agieren"

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Flugexperte Andreas Spaeth spricht im heute.de-Interview über die möglichen Folgen des Niki-Konkurses - und warum der Lufthansa-Verzicht Sinn macht.

Wegen ihrer Insolvenz hat die Air-Berlin Tochter Niki am Abend den Flugbetrieb eingestellt. Tausende Passagiere sitzen fest, da ihre gebuchten Tickets ungültig sind.

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heute.de: Wie erklären Sie sich den Verzicht der Lufthansa auf die Übernahme von Niki - macht das Sinn?

Andreas Spaeth: Es macht für Lufthansa mehr Sinn als man im ersten Moment denken könnte. Denn es befreit sie in einer gewissen Weise, sie kann so eigentlich besser agieren und die Lufthansa spart zudem eine Menge Geld, da die Integration von Niki durchaus relativ teuer und mühsam gewesen wäre. Diese Probleme spart sich die Lufthansa nun inklusive des vielen Geldes und sie kann mit Eurowings (wo Niki ursprünglich integriert werden sollte) trotzdem in ähnlicher Form wachsen - auch ohne Niki.

heute.de: Für viele Niki-Kunden kam das alles sehr überraschend. Sind die bisher getroffenen Maßnahmen, gestrandete Urlauber zurückzuholen, ausreichend? Funktioniert das?

Andreas Spaeth: Es fällt doch deutlich ein Unterschied auf. Nämlich der zur relativ guten Abfederung der Air-Berlin Pleite im August verglichen mit der aktuell ziemlich zurückhaltenden Reaktion seitens der Politik auf das Aus von Niki. Dazu muss man natürlich auch sagen, dass hier viel an Österreich hängt. Niki ist eine österreichische Fluggesellschaft und da es auch in Österreich aktuell nur eine geschäftsführende Regierung gibt, kann man nicht so efffizient handeln. Dazu stehen 150 Millionen Euro Überbrückungskredit durch den geplatzten Niki-Verkauf in Frage - dieses Geld kommt jetzt vermutlich nicht zurück an den deutschen Steuerzahler.

heute.de: Wie lange wird es sich hinziehen, bis alle Niki-Kunden wieder zurückgeholt sind?

Andreas Spaeth: Um die betroffenen gestrandeten Passagiere wird sich die österreichische Regierung bemühen. Dies schon allein aufgrund des öffentlichen Meinungsdrucks. Bitter ist es aber auch für all diejenigen, die jetzt erst in den Weihnachtsurlaub fliegen wollten. Niki ist pleite, bei Ryanair droht der Pilotenstreik - das kann für viele Kunden bedeuten, dass sie auf ihren Urlaub verzichten müssen.

heute.de: Was passiert jetzt mit den Flugzeugen von Niki?

Andreas Spaeth: Die Frage ist: wie viele Flugzeuge besitzt Niki derzeit überhaupt noch? Offiziell hatte sie 28, von denen aber, soweit ich weiß, kaum eines wirklich Niki gehört. Viele davon waren geleast und teilweise bereits weiterverteilt worden. Die Frage ist aber generell: Auf dem deutschen Markt fehlten bisher um die 60 Flugzeuge, die bis Oktober bei Air-Berlin geflogen sind, aber seitdem am Boden geblieben waren - dazu kommen jetzt noch die 28, die für Niki unterwegs waren. Sprich, im Moment ist auf dem deutschen Markt die Kapazität knapp, was zu höheren Flugpreisen führt. Das wird sicher nicht dauerhaft so bleiben, aber derzeit sind Flugsitze knapp, was natürlich gerade in der Vorweihnachtszeit sehr ärgerlich ist.

heute.de: Niki besitzt Start- und Landerechte. Was passiert mit diesen?

Andreas Spaeth: Kommt jetzt kein Käufer mehr, der mit dem Kauf von Niki die Landezeiten für sich sichern würde, fallen die Start- und Landerechte zurück an den deutschen Flugplankoordinator, der diese offiziell verteilen muss. Die Lufthansa hofft natürlich, für sich passende Slots zu übernehmen, ohne dabei viel Geld ausgeben zu müssen.

heute.de: Sie haben viele Vorteile für die Lufthansa skizziert. Könnte man behaupten, dass die Lufthansa dem Veto der EU-Kommission, ein Kauf von Niki könne zu einer Monopolstellung führen, am Ende sogar Vorschub geleistet hat?

Andreas Spaeth: Lufthansa hofft ganz klar, dass sie die Hauptteile von Air-Berlin ohne größere weitere Zugeständnisse übernehmen darf. Ob das eintritt, ist noch völlig unklar. Aber die Lufthansa braucht in erster Linie die Geschäfts-Reiserouten, die innerdeutschen Routen, die hochpreisigen Routen und die entsprechenden Flugzeuge. Niki ist ein Ferienflieger, der ein vergleichsweise kleines Marktsegment abdeckt und für Lufthansa nicht wirklich von existentieller Bedeutung ist. Für die Lufthansa wird sich zeigen, ob die Air-Berlin-Übernahme insgesamt ein guter Deal war, denn sie möchte die Kernstücke. Welche Zugeständnisse hierfür noch gemacht werden müssen, das ist noch nicht klar. Fakt ist aber, dass Niki für die Lufthansa ein eher kleinerer Fisch ist, den über Bord zu werfen, nicht schwer fällt.

heute.de: Was sagen Sie zu einer Übernahme der Airline durch dessen Gründer, Niki Lauda?

Andreas Spaeth: Dem messe ich keine so große Bedeutung zu, denn Niki Lauda hat das schon sehr oft gesagt, aber nie ein entsprechendes Angebot vorgelegt. Ich bezweifle zudem auch, dass Niki Lauda das nötige Geld dazu hat.

Das Interview führte Martin Niessen

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