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Flugreisen - Heißer Sommer am Himmel

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Die Vorfreude auf die Sommerferien ist etwas getrübt: Experten sagen für die nächsten Wochen Flugausfälle, Verspätungen und Umbuchungen voraus – deutlich mehr als üblich.

Flugzeug vom Typ Boeing 747-200 im Flug
In der Flugbranche gärt es - es wird ein heißer Sommer. Quelle: pr

Die Schwierigkeiten hatten sich in den letzten Monaten schon gezeigt. Nach den Zahlen des Flugrechteportals EU-Claim sind bis zum 20. Juni knapp 15.600 Flüge von und nach Deutschland annulliert worden, etwa 76 Prozent mehr als vor einem Jahr. Und knapp 3.800 waren mehr als drei Stunden verspätet, das waren zwei Drittel mehr. Allein im Mai hätten sich die Ausfälle und Verspätungen verdoppelt. Das Verbraucherschutzportal Fairplane nennt für den Mai einen Anstieg um etwa die Hälfte bei den Ausfällen, um 60 Prozent bei Verspätungen.

Es gibt mehrere Gründe, warum es am deutschen Himmel so chaotisch zugeht: Zum einen wollen immer mehr Menschen fliegen, in diesem Sommer sind es noch mehr als in den letzten Jahren üblich. Zum anderen spürt man am deutschen Luftverkehrsmarkt die Spätfolgen der Air-Berlin-Insolvenz im vergangenen Herbst. Außerdem gibt es Engpässe bei den Sicherheitskontrollen am Boden und in der Luft. Und nicht zuletzt drohen Streiks.

Harter Wettbewerb

In diesem Jahr rechnet die internationale Luftverkehrsvereinigung IATA weltweit mit knapp 4,4 Milliarden Passagieren, das wären 6,5 Prozent mehr als 2017. In Deutschland haben die Menschen nach den Turbulenzen der vergangenen Jahre die Türkei und Nordafrika als Urlaubsziele wiederentdeckt. Bis Ende Mai haben die Deutschen 14 Prozent mehr Urlaubsreisen für die Sommersaison gebucht als ein Jahr zuvor, haben die Marktforscher der Gfk ermittelt, das sei ein "bemerkenswert großer Vorsprung", der auf eine anhaltend gute Urlaubsnachfrage im Markt verweise.

Deren Urlaubsfreude könnte aber durch Verspätungen stark getrübt werden. Sabine Fischer-Volk von der Verbraucherzentrale Brandenburg erklärt das auch mit dem harten Wettbewerb der Fluggesellschaften untereinander, denn diese müssten trotz Niedrigpreisangeboten Gewinne erzielen, bemühten sich deshalb meist um eine bessere Auslastung ihrer Flüge: "Dass Fluggesellschaften gezielt Flüge streichen oder zusammenlegen, um damit zu sparen, ist nicht auszuschließen." So fliege das Flugzeug dann eben von Berlin nach Palma de Mallorca nicht direkt, sondern landet an einem anderen deutschen Flughafen zwischen.

Zu wenige Flugzeuge und Crews

Der zweite Grund sind die Spätfolgen der Air-Berlin-Pleite. Zwar sind deren Flugzeuge übergegangen auf die Lufthansa-Tochter Eurowings, auf die britische Easyjet, als auch auf Laudamotion, an der Ryanair beteiligt ist. Doch die Flugzeuge müssen an die jeweilige Fluggesellschaft angepasst, neu lackiert und ausgestattet werden, sie müssen neu für den Betrieb freigegeben werden. Das aber dauert länger als etwa bei einem Auto, und der plötzliche Andrang fordert das Luftfahrtbundesamt ganz anders als in "normalen" Jahren.

Ein Flugzeug der Fluggesellschaft Air Berlin im Landeanflug auf den Flughafen Berlin Tegel, aufgenommen am 23.08.2017
Folgen der Air-Berlin-Pleite belasten die Branche Quelle: reuters

Außerdem fehlt es an Crews, die diese Flugzeuge bereedern- und selbst wenn man die findet, müssen sie noch von der Fluggesellschaft geschult werden. Die Lufthansa hat zwar zahlreiche neue Flugzeuge bestellt, aber die können wegen technischer Probleme von den Herstellern nicht so schnell ausgeliefert werden wie erhofft. Und auch die Reservepuffer sind weitgehend aufgebraucht. Auf dem freien Markt seien kaum noch Flugzeuge zu leasen, sagt Roland Schmid von Fairplane.

Verspätungen durch lange Kontrollzeiten

Ein weiteres Ärgernis, das vor allem die Fluggesellschaften gern anprangern, sind die Sicherheitskontrollen an den Flughäfen. So moniert etwa Lufthansa seit einiger Zeit regelmäßig die Zustände am Frankfurter Flughafen. Stefan Schulte, Chef des Flughafenbetreibers Fraport, weiß um die Nöte der Passagiere und verspricht Abhilfe. Er ist jedoch auch abhängig von der Bundespolizei, die eigentlich dafür zuständig ist. Außerdem will Fraport zwar eine neue Leichtbauhalle errichten und so mehr Abfertigungsplätze schaffen. Doch ihr ist es untersagt, dafür auch die neueste Sicherheitstechnik anzuschaffen, weil die in Deutschland noch nicht zugelassen ist. Es empfiehlt sich also, mindestens zwei bis drei Stunden vor Abflug anzureisen.

Und schließlich ist da die latente Streikgefahr: So hätten Ausstände der Fluglotsen in Europa in diesem Jahr schon zur Stornierung von fast 5.000 Flügen geführt, klagt der Verband "Airlines for Europe". 39.000 Flüge, das seien etwa 30 Prozent der gesamten Verspätungen, seien durch Streiks der Flugsicherung verursacht worden. Für das laufende Jahr rechnet der Verband mit einem Anstieg der Gesamtverspätungsminuten um 53 Prozent auf dann 14,3 Millionen. Deshalb planen sowohl Ryanair als auch IAG, die Muttergesellschaft von British Airways, Iberia und Vueling, Beschwerde bei der Europäischen Kommission einzureichen. Die Streiks bei der Flugverkehrskontrolle seien die größte Herausforderung für die Branche. 

Keine Besserung in Sicht

Doch gerade Ryanair wird sich in den nächsten Wochen auch mit den Folgen von Pilotenstreiks in Irland und Deutschland auseinandersetzen müssen. Die Urabstimmungen dazu laufen jeweils schon. Und wer glaubt, mit diesem Sommer sei es vorbei mit Verspätungen und Flugausfällen, der irrt sich: Eurocontrol, die Europäische Organisation zur Sicherung der Luftfahrt, rechnet damit, dass sich die Zahl der Flüge, die sich um bis zu zwei Stunden verspäten, bis 2040 versiebenfachen werde. Davon wären dann 470.000 Passagiere betroffen statt der derzeit rund 50.000.  

Den Fluggästen stehen erst bei Verspätungen von mehr als drei Stunden oder bei Flugausfällen Entschädigungsleistungen oder Ersatzbeförderung zu. Das gilt aber nur, wenn die Fluggesellschaft sich nicht erfolgreich entlasten kann.

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