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"Die Puzzleteile fügen sich zusammen"

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Luftfahrtexperte zu Absturz - "Die Puzzleteile fügen sich zusammen"

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Nach dem Absturz eines Flugzeugs bei Teheran gibt es Hinweise auf einen möglichen Abschuss des Jets. Im Interview mit dem ZDF äußert sich dazu Luftfahrtexperte Andreas Spaeth.

Die USA und Kanada vermuten, dass die Flugzeugkatastrophe von Teheran durch einen Raketenabschuss verursacht worden ist. Dazu der Luftfahrtexperte Andreas Spaeth mit seiner Einschätzung.

Beitragslänge:
2 min
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ZDF: Für wie glaubwürdig halten Sie die Meldungen über einen Raketenabschuss?

Andreas Spaeth: Als ich gestern Morgen die ersten Videos und die ersten Bilder von der Unglücksstelle sah, war mir schon klar: Das kann eigentlich kein normaler Unfall gewesen sein.  Es hat zwar viel auf einen Unfall hingedeutet und erstmal wenig auf einen Raketenbeschuss, aber im Nachhinein fügen sich die Puzzleteile zusammen.

Wenn es jetzt sozusagen auch Herr Trudeau in Kanada als Faktum erklärt, dass in der Tat viele Hinweise, die wir an Einzelstellen sehen -  etwa auch Fotos von Teilen, die entsprechende Einschläge aufweisen am Unglücksort - dass das durchaus stimmig sein kann, dass hier auf jeden Fall auch eine Rakete oder ein von außen kommender Angriff beteiligt war.

ZDF:  Die iranischen Behörden sind gerade die einzigen, die Zugriff auf den Flugschreiber haben. Sie geben an, die Daten darauf seien teilweise zerstört. Ist das tatsächlich möglich, dass eine Blackbox kaputt geht, bei einem Absturz?

Spaeth: Ja, das ist möglich. Es gibt Fälle, wo auch diese sehr stark gesicherten und auf extreme Temperaturen und extreme Aufprallwucht speziell gehärteten Boxen zerstört werden. Das kann passieren, aber in fast allen Fällen kann man noch gewisse Dinge retten. Man kann zumindest noch Reste der erhaltenen Datenträger analysieren. Und ich hoffe, dass das hier möglich sein wird.

Rettungskräfte am Absturzstelle, wo ein ukrainisches Flugzeug in Shahedshahr, südwestlich der Hauptstadt Teheran (iran) abstürzte, aufgenommen am 08.01.2020

Flugzeugunglück bei Teheran -
Flugschreiber wird ausgewertet
 

Die Untersuchung zur Ursache des Flugzeugabsturzes nahe Teheran hat begonnen. Dabei werden die USA den Iran unterstützen. Unterdessen streicht Lufthansa alle Iran-Flüge.

ZDF: Die Frage ist dann aber, wer das Ganze auswerten soll. Es gibt ja doch einige Behauptungen, die auseinander gehen, jetzt gerade?

Spaeth: Ja, das ist eine sehr wichtige Frage in diesem Fall. Wegen der aktuellen politischen Gemengelage wird nicht das passieren, was der normale Weg wäre. Normalerweise würden diese Boxen zur NTSB nach Washington gebracht. Das ist die amerikanische Verkehrssicherheitsbehörde. Die sind das weltweit führende Labor dafür. Und da es sich um eine in den USA gebaute Maschine handelt, wäre das der normale Weg.

Das haben die Iraner bereits gesagt: Sie geben es nicht in die USA. Und das ist aus ihrer Sicht auch verständlich. Deswegen wäre es naheliegend, weil der Iran selbst diese Methoden wohl nicht hat, solche beschädigten Boxen zu analysieren, es nach Europa zu vergeben, etwa nach Frankreich zur dortigen Untersuchungsbehörde, oder auch nach Braunschweig hier in Deutschland, wo die Flugunfalluntersuchungsstelle auch die entsprechenden Möglichkeiten hätte dazu.

ZDF: Wenn es ein Raketenabschuss gewesen wäre, hätte das nicht verhindert werden können, indem die Airlines gewarnt worden wären?

Spaeth: Das ist ein ganz großes Thema seit dem Absturz des Fluges MH17, dass teilweise Airlines in Gefahrengebieten fliegen, ohne es zu wissen. Und die Frage stellt sich hier definitiv, ob es klug war zu einem Zeitpunkt, wo der Iran gerade Luftangriffe führt, in der Nacht zu gestern gleichzeitig den zivilen Luftverkehr uneingeschränkt stattfinden zu lassen.

Das Interview führte Daniel Bröckerhoff für heute+ am 9.1.2020

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