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"Ich bin die Architektin des Waldes"

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Försterin im Hunsrück - "Ich bin die Architektin des Waldes"

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Gleich das volle Programm zum Jobstart: Als die junge Försterin Anne-Sophie Knop ihr erstes Waldrevier im Hunsrück übernimmt, kämpfen die Bäume gegen den Dürresommer 2018.

heute.de: Welche Bedeutung hat Ihre Arbeit für den Wald, aber auch für uns alle?

Anne-Sophie Knop: Der Wald spielt eine wichtige Rolle im Klimawandel, der Wald ist aber auch Opfer des Klimawandels und wir brauchen Leute, die sich mit Kompetenz um den Wald kümmern, und auch das Holz brauchen wir. Wir produzieren das Holz als Rohstoff, der gebraucht wird. Dieser Wald, wo mein Revier liegt, ist Staatswald, das heißt, er gehört allen und ich bin diejenige, die die Verantwortung übernommen hat, sich gut um ihn zu kümmern.   

heute.de: Vor welchen Herausforderungen steht der Wald hier im Hunsrück?

Knop: Meine Eindrücke sind sehr geprägt vom vergangenen Jahr, da ich erst seit dem vergangenen Jahr hier im Forstrevier dabei bin. Das war schon ein großes Erlebnis: Ich bin in dieses Revier gekommen, das jahrelang von meinem Vorgänger gepflegt wurde und dann sterben hier auf einmal ganz viele Bäume. Das prägt einen natürlich. Jetzt müssen wir schauen, dass wir unseren Wald erhalten. Bei Landesforsten Rheinland-Pfalz setzen wir auf artenreiche Mischwälder, um den Wald auf den Klimawandel vorzubereiten.

heute.de: Vor welchen Problemen stehen Sie konkret?

Knop: Die Fichten hier sind ungefähr 70 Jahre alt - damals hat von Klimawandel noch keiner gesprochen und in Deutschland herrschte nach dem Krieg große Armut. Die damaligen Förster setzten also auf schnell wachsende Baumarten wie Fichten und Kiefern, um die Bevölkerung versorgen und Reparationszahlungen leisten zu können. Die Fichten kommen aber mit langer Trockenheit so wie im vergangenen Jahr nicht gut zurecht. Dann sind sie geschwächt, können kein Harz produzieren, um den Borkenkäfer abzuwehren und werden daher schnell durch ihn befallen. Wir suchen jetzt vor allem nach Bäumen, in denen die Käfer überwintern. Die müssen wir schnell aus dem Wald schaffen, damit im Frühjahr möglichst wenig Borkenkäfer schlüpfen.

heute.de: Sie haben in Göttingen Forstwissenschaften studiert, anschließend ein praktisches Vorbereitungsjahr als Försterin in Rheinland-Pfalz gemacht. Seit Mitte Februar leiten Sie ein 1.500 Hektar großes Revier im Soonwald im Hunsrück. Wie beschreiben Sie den Beruf der Försterin?

Knop: Ich habe in meinem Beruf natürlich auch gestalterische Aspekte. Es ist ein Waldbild, das man selbst erschafft. Ich bin quasi die Architektin des Waldes. Es ist ein kreativer Job, bei dem man sein Wissen in der Praxis anwenden kann.

Anne Sophie Knop
"... und dann sterben hier auf einmal ganz viele Bäume" - Försterin Anne-Sophie Knop hat zum Jobstart alle Hände voll zu tun.
Quelle: ZDF

heute.de: Warum haben Sie sich für diesen Beruf entscheiden?

Knop: Ich wollte etwas Sinnvolles und Vielfältiges tun. Bei mir sieht jeder Tag anders aus, ich arbeite sowohl im Wald als auch am Schreibtisch. Fachlich reichen meine Aufgabengebiete von rechtlichen Dingen, über Naturschutz bis hin zu Erntemaschinen und Wegebau. Da wird es nie langweilig. Es bereitet mir viel Freude, Zeit in der Natur verbringen und die Jahreszeiten so bewusst zu erleben. Außerdem habe ich gegen jede Erwartung auch viel mit Menschen zu tun. Viele Leute kaufen ihr Brennholz bei mir.

heute.de: In Rheinland-Pfalz gibt es rund 700 Försterinnen und Förster - darunter nur 75 Frauen. Ist es schwierig, sich als Frau in einer Männerdomäne zu behaupten?

Knop: Ich finde es schwierig, diese Frage zu beantworten, denn ich weiß ja nicht wie es als Mann ist. Aber ich habe nie das Gefühl, dass Kollegen mich anders behandeln oder dass sie kritisieren, dass da eine junge Frau kommt. Ich habe mich bei meiner Berufswahl nie gefragt, ob das ein Beruf für Männer oder einer für Frauen ist. Ich habe mich gefragt: Ist das ein Beruf für mich? Und das ist er definitiv.

Das Interview führte Anna Duda, ZDF-Landesstudion Rheinland-Pfalz

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