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Folgen des Klimawandels - Die Weltwirtschaft leidet unter CO2

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Unter den Folgen des Klimawandels leidet auch die globale Wirtschaft. Dennoch steigert sie den CO2-Ausstoß ungebremst - und bedroht so unseren Wohlstand, anstatt ihn zu mehren.

Archiv: Kohlebergbau im Latrobe Valley, Australien, aufgenommen am 04.03.2010
Kohlebergbau im Latrobe Valley in Australien (Archivbild) Quelle: imago

Genervt wischt Wendy Bowman den Kohlestaub von ihren Möbeln, so wie jeden Tag. Die 83-Jährige lebt im Hunter Valley, 200 Kilometer nördlich von Sydney. Seit 60 Jahren ist sie Farmerin in dieser Region Australiens, die seit jeher von Landwirtschaft geprägt war. Doch jetzt wird das Tal Stück für Stück von Kohlefirmen aufgekauft. 18 Minen gibt es mittlerweile in direkter Umgebung ihrer Farm. Zweimal musste Wendy Bowman bereits vor dem Kohle-Tagebau zurückweichen. Ein drittes Mal will sie ihr Land nicht aufgeben. "Die Kohlefirma will das alles hier aufgraben. Sie behauptet, es sei ohnehin kein guter Boden. So ein Unfug!", schimpft Bowman. Solange sie lebt, will die resolute Farmerin gegen den ungezügelten Kohlehunger im Hunter Valley kämpfen.

Australien fördert weiter Kohle

Damit steht ihr ein schwerer Kampf bevor. Denn Kohle steht in Australien nach wie vor hoch im Kurs. 300 bis 400 Millionen Tonnen exportiert das Land jährlich und ist damit der weltweit größte Exporteur des fossilen Brennstoffs. Die Politik unterstützt die Industrie. 2014 wurde unter dem damaligen Premierminister Tony Abbott die CO2-Steuer abgeschafft, seitdem müssen Kohlekraftwerke nicht mehr für ihre Emissionen bezahlen. Die Förderung für erneuerbare Energien hingegen wurde gekürzt. Und das obwohl Australien Prognosen zufolge stärker als alle anderen Industrienationen vom Klimawandel betroffen sein wird. Schon jetzt ist das Land der trockenste bewohnte Kontinent der Erde. Trotzdem setzt die Politik weiter auf eine Industrie, die mit ihren klimaschädlichen Emissionen die globale Erwärmung ungebremst vorantreibt.

Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaft in Berlin warnt davor, dass die Industrie sich selbst das Wasser abgrabe. Ein Ausstieg aus der Kohle ist für die Wirtschaftswissenschaftlerin unabdingbar, auch und gerade aus ökonomischer Sicht: "Je länger man an der Vergangenheit festhält, desto teurer wird es für die Wirtschaft dort vor Ort." Denn die langfristigen Schäden, die durch den Klimawandel für die Industrie entstehen, werden enorm sein. Würde Australien dagegen auf erneuerbare Energien umsteigen, könnte das Land, das nahezu ideale Bedingungen für Solar- und Windenergie mitbringt, erheblichen Wohlstand schaffen.

Energiewende in Deutschland stockt

Auch die deutsche Energiepolitik hinkt laut Kemfert immer noch hinterher: "Einen Kohleausstieg einzuleiten, die CO2-Preise zu erhöhen, die Emissionen auch ordentlich zu bepreisen - all das hat Deutschland ja bisher auch noch nicht in dem Umfang geschafft." Aber erst dann könne die Bundesrepublik wieder eine Vorbildrolle in Sachen Klimaschutz einnehmen. Und nur mit einem Kohleausstieg können die selbstgesteckten Klimaziele erreicht werden. Eines ist für Claudia Kemfert klar: Sollte der Klimawandel ungebremst fortschreiten, stellt er eine massive Bedrohung für die gesamte Menschheit dar, davon kann sich die Wirtschaft nicht ausnehmen.

Wie empfindlich die vernetzte Weltwirtschaft schon jetzt auf Extremwetterereignisse reagiert, fand eine Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung heraus. Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass sich die Anfälligkeit der Wirtschaft für Hitzewellen im letzten Jahrzehnt verdoppelt hat. Auch diese Studie unterstreicht: Ohne Klimaschutz geht es nicht. Dies ist auch Wendy Bowmans Botschaft. Mit ihren 83 Jahren hat die Farmerin längst verstanden, was die Kohle-Lobbyisten offenbar gerne vergessen: Wer nicht versucht, den Klimawandel zu stoppen, sägt an dem Ast, auf dem er sitzt.

Experten zu den Folgen des Klimawandels

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