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Präsident droht mit Konsequenzen - Der laute Knall von Caracas

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In Venezuela soll es ein Attentat auf Präsident Maduro gegeben haben. Der kündigt eine harte Gangart gegen die Opposition an und wittert Strippenzieher in Kolumbien und den USA.

Für Venezuelas Präsidenten gibt es keinen Zweifel: "Man hat versucht, mich zu ermorden“, sagte Nicolas Maduro nach jenem lauten Knall, der am Samstag erst die Ehrentribüne erschütterte und dann auch für ein politisches Erdbeben in ganz Südamerika gesorgt hat. Genau in jenem Moment, in dem Maduro über die Wiederherstellung der Wirtschaftskraft spricht, gibt es offenbar eine Explosion. Ehefrau Cilia Flores blickt erschrocken gen Himmel, Soldaten fliehen auf der Avenida Bolivar wie auf Kommando in alle Himmelsrichtungen davon, und das Staatsfernsehen unterbricht die Übertragung.

Politprominenz: Explosion war Attentat

Venezuelas führende Politprominenz fällt schnell ihr Urteil - die Vertreter von Regierung, Justiz und Parlament teilen die Auffassung von Präsident Maduro; ebenso wie ein paar Flugstunden entfernt die Regierungen in Nicaragua, Bolivien und Kuba. Alle sind sich einig: Es ist ein Attentat auf den Präsidenten. Regierungskritische Medien melden allerdings ihre Zweifel an: Feuerwehrleute berichten von einer Gasflasche, die offizielle Version von einer mit Sprengstoff beladenen Drohne. Wenig später tauchen Bilder von blutüberströmten Soldaten auf.

Santos unterschreibt neues Gesetz für reduzierte Haftstrafen.
Juan Manuel Santos wird von Maduro als Strippenzieher beschuldigt.
Quelle: Monica Gonzalez/Presidencia Colombia/dpa

Auch einen Schuldigen hat Maduro bereits parat: Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos, der am Dienstag in den politischen Ruhestand geht und vor einem Jahr den Friedensnobelpreis für seine erfolgreichen Verhandlungen mit der venezuelanahen Guerilla-Organisation FARC erhielt. Er soll das Attentat ferngesteuert haben, meint Maduro. Kolumbien weist die Anschuldigungen zurück. Santos gilt als scharfer Kritiker der venezolanischen Regierung, weil sein Land die Hauptlast der Massenflucht aus dem Nachbarland tragen muss. In den letzten Jahren machte sich Santos aber vor allem als Pragmatiker einen Ruf, der eher am Frieden denn an Bomben interessiert ist. Auch Donald Trump und die USA sollen die Strippen gezogen haben, berichtet Maduro die erstaunlich schnellen Ermittlungsergebnisse des venezolanischen Inlandsgeheimdienstes.

Maduro droht mit Konsequenzen

Maduro kündigte in einer ersten Reaktion umfassende Ermittlungen und Konsequenzen an: "Egal wer fällt". Damit hat der Gewinner der umstrittenen und von einigen lateinamerikanischen Ländern nicht anerkannten Präsidentschaftswahlen von vor ein paar Monaten alle Karten in der Hand, um die ohnehin schon durch Inhaftierung, Hausarrest, Berufsverbot oder Exil de facto in ihre Einzelbestandteile aufgelöste Opposition endgültig zu zerlegen. In einer ersten Reaktion verurteilte das Bündnis für ein freies Venezuela "FAVL", dass die Regierung ohne jeden Beweis und in einer "unverantwortlichen Weise“ die Opposition für die Geschehnisse verantwortlich machte.

Für die venezolanischen Nachbarn sind das alles keine guten Nachrichten: Kolumbien, Brasilien, Ecuador und Peru haben in den vergangenen zwei Jahren bereits weitgehend unbeachtet von der Weltöffentlichkeit und ignoriert von den meisten Nichtregierungsorganisationen mehr als eine Million Geflüchtete aus Venezuela aufgenommen und versuchen auf sich allein gestellt diese Menschen so gut es eben geht zu integrieren und zu versorgen. 

In den Reihen der Militärs, in denen es bereits in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder Säuberungsaktionen gab, dürfte die Angst umgehen. In Venezuela reichte zuletzt der bloße Verdacht, eine regierungskritische Haltung zu haben, um ins Visier des gefürchteten Inlandsgeheimdienstes Sebin zu geraten. Seit den Massenprotesten vor zwei Jahren befinden sich immer noch rund 300 politische Gefangene in den überfüllten Haftanstalten.

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