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"Frontal 21"-Recherche - Foodwatch kritisiert überzuckerten Schul-Kakao

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Gezuckerter Kakao an Schulen, gefördert mit EU-Geld: Diese Subventionierung kritisiert die Verbraucherorganisation Foodwatch und fordert deren Ende in drei Bundesländern.

Das Schulmilchprogramm der EU

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5 min
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In der Studie "Im Kakao-Sumpf - der Schulmilch-Report", die der ZDF-Redaktion "Frontal 21" exklusiv vorliegt, beschreibt Foodwatch ein Interessennetzwerk aus Landespolitik, Milchwirtschaft und Wissenschaftlern, das mehr die Schule als Absatzmarkt im Blick habe statt die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen.
Martin Rücker von Foodwatch kritisiert: "Politiker sagen den Eltern, sie sollen sich um eine ausgewogene Ernährung ihrer Kinder kümmern. Aber an den Schulen, wo die Kinder in staatlicher Obhut sind, da fördert man noch den Zuckerkonsum, damit es noch mehr wird. Das ist ein absolut falsches Signal."
Foodwatch fordert von den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Berlin und Brandenburg ein Ende dieser Praxis.

NRW-Ministerin verteidigt Schulmilchprogramm

Die zuständige Ministerin in NRW, Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser (CDU), verteidigt das Schulmilchprogramm: "Ich persönlich halte das für richtig, dass die Kinder auch Kakao trinken können, wenn sie geschmacklich mit der reinen Milch nicht klar kommen. Der Kalziumbedarf, den die Kinder täglich brauchen, ist hoch."

Diese Position kritisieren Ärzte wie Kinder- und Jugendmediziner Professor Alfred Längler vom Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke. Für ihn hat gesüßter Kakao nichts an Schulen verloren - auch wenn es nur eine Packung am Tag ist: "Damit bekommen die Kinder ein Übermaß dessen, was an Zucker gesundheitlich zuträglich ist. Das heißt, wir legen heute im schlimmsten Fall im Kindesalter die Wurzeln für eine Fehlernährung, die langfristig zu katastrophalen Gesundheitsfolgen führt."

80 bis 90 Prozent gezuckerte Milchmixgetränke

Absatzzahlen belegen, dass 80 bis 90 Prozent der Schüler gezuckerte Milchmixgetränke bestellen. Das zeige, wie abhängig das Schulmilchprogramm vom Kakao sei, erklärt Martin Rücker von Foodwatch: "Sonst sind die Bestellmengen viel, viel geringer. Gerade 'Landliebe' droht ganz offen damit, die Lieferungen zu beenden, wenn der Kakao nicht weiter staatlich gefördert wird."

Die Marke Landliebe gehört zur Groß-Molkerei Friesland-Campina, die in mehreren Bundesländern Schulmilch und Kakao anbietet. 2017 hat Friesland-Campina den Vertreib von Schulmilch in den Ländern Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz eingestellt. Die Landesregierungen hatten zuvor beschlossen, die Förderung von gezuckerten Milchmixgetränken einzustellen.

Foodwatch kritisert Werbung an Schulen

Ein weiterer Kritikpunkt, den die Verbraucherorganisation Foodwatch formuliert, ist die Werbung für Milch an Schulen, die in NRW staatlich gewollt ist und gefördert wird. Die Landesvereinigung Milchwirtschaft wurde Anfang der 50er Jahre anerkannt, um unterernährte Kinder und Jugendliche nach dem Krieg mit Hilfe von Milch und Milchprodukten aufzupäppeln. Die Landesvereinigung besteht fast ausschließlich aus Verbänden der Milchwirtschaft. Sie darf im staatlichen Auftrag Unterrichtsmaterialien anbieten und Veranstaltungen in der Schule organisieren.

Das kritisiert die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in NRW, Dorothea Schäfer: "Wir wollen nicht, dass Lobbyarbeit bereits bei den Kindern anfängt." Für sie solle die Schule ein werbefreier Raum bleiben, dazu zähle auch die Arbeit der Landesvereinigung Milchwirtschaft.

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