Foodwatch straft "Smartwasser" ab

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Goldener Windbeutel 2019 - Foodwatch straft "Smartwasser" ab

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Der Verein Foodwatch verleiht alljährlich den "Goldenen Windbeutel" für die dreisteste Werbelüge des Jahres. In diesem Jahr wird ein Mineralwasser von Coca-Cola "ausgezeichnet".

Der von Foodwatch verliehene Goldene Windbeutel für die "dreisteste Werbelüge" geht in diesem Jahr an das Unternehmen Coca-Cola. Wie die Verbraucherschutzorganisation mitteilte, kürten die Teilnehmer der Aktion das "Smartwater" des Getränkeherstellers zum Gewinner des Negativpreises. Foodwatch kritisiert, dass das Wasser "nicht besser als herkömmliches Mineralwasser" sei - jedoch bis zu sieben Mal mehr koste.

Überflüssige Bearbeitungsverfahren

Im ZDF-Morgenmagazin erklärte Sophie Unger von Foodwatch, das Produkt "tut so, als wäre es was ganz Besonderes. Coca-Cola gibt da wolkige Versprechen, bewirbt ein Bearbeitungsverfahren, was völlig sinnlos und ernährungsphysiologisch auch total überflüssig ist". Im Endeffekt handele es sich jedoch um ein schlichtes Tafelwasser, bei noch nicht einmal die Herkunft angegeben werden müsse.

An der Online-Abstimmung hatten sich fast 70.000 Menschen beteiligt. Das "Smartwater" erhielt mehr als 21.000 Stimmen. Die Verbraucher konnten neben dem Coca-Cola-Produkt auch ein Olivenöl wählen, das mit großen Oliven auf dem Etikett wirbt, aber zu 49 Prozent aus Sonnenblumenöl besteht. Außerdem standen ein Erbseneintopf, ein Ketchup für Kinder sowie ein Müsliriegel auf der Liste.

Legale "Täuschungstricks der Industrie"

Coca-Cola bewirbt sein "Smartwater" als "dampfdestilliertes natürliches Mineralwasser für einen klaren, frischen Geschmack". Hinter Werbesprüchen wie "von Wolken inspiriert" steckt nach Angaben von Foodwatch ein simpler Vorgang: Das Wasser würde zuerst verdampft und dann wieder aufgefangen. Verlorene Mineralstoffe würden später wieder hinzugefügt. Im Handel koste der Liter 1,65 Euro und damit bis zu siebenmal mehr als herkömmliches Mineralwasser. Coca-Cola ziehe den Verbrauchern mit einem Bearbeitungsverfahren das "Geld aus der Tasche", das wissenschaftlich klinge, aber völlig unsinnig sei, kritisierte die Organisation.

Die Hersteller nutzen Gesetzeslücken.
Sophie Unger, Foodwatch

Die Art der "Täuschungstricks der Industrie", so Sophie Unger, seien völlig legal: "Die Hersteller nutzen Gesetzeslücken." Das zeige auch, dass die Gesetze eher die Interessen der Hersteller schützen würden, als die Rechte der Verbraucher. Generell fordere der Verein, dass Pflichtangaben und Zutatenlisten lesbar sein müssen. "Keiner sollte Experte sein, um diese lesen zu können, wir forder daher eine Nähwertampel, die leicht erkennbar macht, was in dem Produkt steckt", betonte Unger.

Konzern lehnt Preis ab

Coca-Cola bezeichnete die Auszeichnung indes als "nicht gerechtfertigt" und kündigte an, den Goldenen Windbeutel nicht anzunehmen. "Die Deklaration und Kennzeichnung des Wassers sind transparent und entsprechen den lebensmittelrechtlichen Regelungen", sagte eine Sprecherin. Sämtliche Aussagen zum Getränk und seinen Inhaltsstoffen seien "selbstverständlich zugelassen". Grundsätzlich seien unterschiedliche Preise für Produkte nicht nur in der Lebensmittelindustrie gang und gäbe.

Foodwatch will den Preis am Dienstagvormittag bei der Firmenzentrale von Coca-Cola in Berlin überreichen. Die Organisation verleiht den Goldenen Windbeutel in diesem Jahr bereits zum achten Mal. Im vergangenen Jahr ging er an einen Kinderkeks von Alete wegen seines hohen Zuckergehalts.

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