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Wahlanalyse zur Landtagswahl - Analyse: Warum die Thüringer so gewählt haben

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Linke und AfD sind die klaren Gewinner in Thüringen. Warum die Wähler ihre Stimmen den beiden Parteien links und rechts der Mitte gegeben haben: die Blitzanalyse.

Passanten in der Fußgängerzone in Weimar
Die Wähler haben entschieden: Die Linke wird erstmals bei einer Landtagswahl stärkste Partei. CDU und SPD fallen auf ihre schwächsten Ergebnisse in Thüringen. Die AfD legt deutlich zu. Die Blitzanalyse erklärt warum.
Quelle: imago

Hinweis: Die Forschungsgruppe Wahlen liefert diese Analyse auf Basis von Befragungen am Wahltag. Zusätzlich hat sie vor der Wahl Telefon-Interviews geführt.

Warum die Linke die CDU als stärkste Partei ablöst

Die Linke verdankt ihren Wahlsieg ihrem Parteiansehen, guter Regierungsarbeit und gewachsenem Politikvertrauen. Die Basis für den Erfolg legt aber Bodo Ramelow: Bei Leistungsbilanz und Ansehen ist er deutlich besser als die CDU-Ministerpräsidenten Lieberknecht und Althaus vor fünf bzw. zehn Jahren. Die meisten Thüringer wünschen sich Ramelow weiter als Regierungschef. Die CDU wird bei Ansehen und politischer Arbeit positiv gesehen, beim Kandidat und zentralen Themen hat sie aber relative Defizite. Das gleiche gilt für die SPD. Beide Parteien können nicht von ihrer Regierungsarbeit im Bund profitieren.

Warum die Linke die CDU als stärkste Partei ablöst
Ramelow oder Mohring: Wen die Thüringer lieber als Landesvater hätten.
Quelle: Forschungsgruppe Wahlen

Was die Thüringer von Ramelow, Mohring und Höcke halten

So liegt CDU-Spitzenkandidat Mike Mohring beim Ansehen (+5/-5-Skala: 0,9) klar hinter Bodo Ramelow (1,6; 2014: 0,9). Ramelow wird inzwischen selbst im CDU-Lager positiv bewertet. 73 Prozent der Thüringer bescheinigen Ramelow gute Arbeit und 53 Prozent bevorzugen ihn als Regierungschef. Das gilt bei Mohring nur für 32 Prozent. Im Duell Linke- gegen AfD-Kandidat sind 72 Prozent für Ramelow und lediglich 14 Prozent für den AfD-Mann Björn Höcke, der selbst die eigenen Reihen nur bedingt überzeugt. Beim Ansehen mit minus 2,6 tief im Negativbereich, sehen 66 Prozent in Höcke "eine Gefahr für die Demokratie".    

Was die Thüringer von Ramelow, Mohring und Höcke halten
Was die Thüringer von Ramelows Arbeit halten.
Quelle: Forschungsgruppe Wahlen

Warum SPD und Grüne schwach bleiben

Während die Linke für 61 Prozent der Befragten "Thüringen in den letzten fünf Jahren vorangebracht" hat, können sich die Grünen in der Regierung nicht profilieren, zumal es im Land für 74 Prozent "viel wichtigere Themen als Klimaschutz" gibt. Bei der SPD, deren Koalitionsarbeit leicht positiv bewertet wird, sehen 67 Prozent den Grund für das schlechte Ergebnis primär "bei der SPD im Bund". Hier hat neben der SPD auch die CDU Ansehensverluste. Parallel ist die Zufriedenheit mit der schwarz-roten Bundesregierung (0,0; 2014: 1,5) eingebrochen.

Warum die AfD gewählt wird

Besonders laut ist die Kritik an Koalition und Kanzlerin unter AfD-Anhängern, die die AfD als Protestplattform sehen: Für 93 Prozent nennt die AfD "als einzige Partei die wichtigen Themen beim Namen". 29 Prozent wählen die AfD als "Denkzettel", 69 Prozent "wegen ihrer politischen Forderungen". Vom Thema Ausländer abgesehen, genießt die AfD unter allen Thüringern kaum Politikvertrauen. Sie trägt aber als Partei, in der gut zwei Drittel rechtsextremes Gedankengut weit verbreitet sehen, "durch ihre Positionen und Aussagen" für 63 Prozent "Mitschuld an rechtsextremen Gewalttaten".   

Warum die AfD (nicht) gewählt wird
Warum die AfD gewählt wird.
Quelle: Forschungsgruppe Wahlen

Wer die AfD wählt

Besonders erfolgreich ist die AfD wie gewohnt bei Männern, unter Wählern mit niedrigerer Schulbildung sowie außerhalb der größeren Städte. Bei allen unter 60-jährigen Männern wird die AfD mit 32 Prozent klar stärkste Partei. Unter Wählern mit Haupt- oder Realschulabschluss hat sie rund dreimal so viel Unterstützung wie unter Wählern mit Hochschulabschluss (29, 30 bzw. zehn Prozent). 

Wo die Linke ihre besten Ergebnisse holt

In der Generation 60plus wählen nur 16 Prozent AfD. Die Linke liegt hier weit vor der CDU (40 bzw. 24 Prozent). Bei den unter 30-Jährigen liegt die CDU nur knapp vor den Grünen (13 bzw. elf Prozent). Linke und AfD sind bei den jungen Wählern ungefähr gleich stark (22 bzw. 24 Prozent). Besonders gute Ergebnisse erzielt die Linke unter konfessionslosen sowie unter formal hochgebildeten Wählern: Bei den ab 60-Jährigen mit Hochschulabschluss schafft sie 47 Prozent.

Mit welchen Themen die Linke punktet

Das bereits 2014 niedrige Ansehen der thüringischen AfD ist nochmals erheblich gesunken (auf minus 2,3; 2014: minus 1,4). CDU (0,9; 2014: 1,1), SPD (0,6; 2014: 0,9) und Grüne (minus 0,2; 2014: 0,3) haben Imageverluste. Die Linke schafft einen Bestwert (1,1; 2014: 0,7), was sich auch sachpolitisch erklärt: Neben viel Zuspruch bei "Sozialer Gerechtigkeit" wird ihr beim Top-Thema "Bildung und Schule" am meisten zugetraut und für 40 Prozent kümmert sich die Linke am ehesten um die Sorgen und Probleme der Ostdeutschen. Die CDU führt zwar weiter bei "Wirtschaft" und "neue Jobs", hat hier aber sichtbare Kompetenzverluste.

Mit welchen Themen die Linke punktet
Mit welchen Themen die Parteien punkten.
Quelle: Forschungsgruppe Wahlen

 Welche Parteien jetzt regieren sollen

Auch wenn mit dem AfD-Erstarken bisherige Koalitionsmodelle jetzt auch im Erfurter Landtag keine Mehrheit mehr finden, plädieren die Thüringer für politische Basiskontinuität und gegen AfD-Verantwortung: Eine Regierungsbeteiligung der AfD lehnen 68 Prozent ab. Dagegen fänden 51 Prozent eine Regierungsbeteiligung der Linken prinzipiell gut. Für die CDU gilt das für 49 Prozent. Dass die CDU ein Bündnis mit der Linken ausgeschlossen hat, sehen 59 Prozent aller Thüringer und selbst 47 Prozent der CDU-Anhänger kritisch. Gegenüber einer Minderheitsregierung gibt es große Vorbehalte.  

Welche Parteien jetzt regieren sollen
Wie die Thüringer eine mögliche Minderheitsregierung fänden.
Quelle: Forschungsgruppe Wahlen

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