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Kabinett billigt Fortschrittsbericht - Fachkräfte: "Herausforderung bleibt riesengroß"

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Deutschland könnten bald die Fachkräfte ausgehen - ganz so düster, wie Experten die Lage sehen, ist die Einschätzung der Regierung zwar nicht. Sie sieht Fortschritte, doch die Herausforderung bleibe "riesengroß", sagte Arbeitsministerin Nahles. Der Fortschrittsbericht sei eine "Mahnung zum Handeln".

Frank-Jürgen Weise scheidet heute aus dem Amt als Chef der Bundesagentur für Arbeit und fordert einen subventionierten Jobmarkt für Hartz-4-Empfänger.

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Die Bundesregierung sieht trotz mancher Fortschritte bei der Mobilisierung von mehr Fachkräften für die deutsche Wirtschaft noch erheblichen Handlungsbedarf. Das ist das Fazit des neuen Fortschrittsberichts zum Fachkräftekonzept aus dem Arbeitsministerium, den das Kabinett heute verabschiedete.

Die Wirtschaft sieht im Fachkräftemangel inzwischen ein Kernproblem, das das künftige Wirtschaftswachstum bremst. Allein bis 2030 könnte sich die Zahl der fehlenden Facharbeiter, Techniker, Forscher und medizinischen Fachkräfte auf bis zu 3,0 Millionen belaufen und bis 2040 gar auf 3,3 Millionen, geht aus neuen Berechnungen des Basler Forschungsinstitut Prognos hervor.

"Mahnung zum Handeln"

"Wir sind bei der Fachkräftesicherung gut vorangekommen. Aber die Herausforderung bleibt riesengroß", schilderte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles die Lage. Um Wohlstand und Wachstum abzusichern, müsse den Erwerbstätigen geholfen werden, sich an die Veränderungen und neuen Anforderungen anzupassen. Alle müssten dabei die gleichen Chancen bekommen, unabhängig vom Geldbeutel. "Der Fortschrittsbericht ist eine Mahnung zum Handeln", erklärte Nahles und warnte vor "Stillstand und Nichtstun".

Alle Beteiligten müssen gemeinsam handeln, und zwar jetzt. Zentral für die Zukunft sei es, die Erwerbstätigkeit von Frauen zu erhöhen. Auch müsse mehr Geld in Bildung und Weiterbildung gesteckt werden. Die Zuwanderung von Fachkräften sollte besser gesteuert werden.

Berufe fallen weg, neues Fachwissen gefragt

Als Hauptgrund für den drohenden Mangel führt das Prognos-Institut die zunehmende Überalterung der deutschen Gesellschaft an: "Im Zuge des demografischen Wandels wird sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt in den nächsten 10 bis 20 Jahren erheblich verschärfen", betont Oliver Ehrentraut von Prognos. Die Zahl der Menschen im arbeitsfähigen Alter werde bis zum Jahr 2040 um gut 10 Prozent sinken.

Hinzu komme, dass mit dem wachsenden internationalen Wettbewerb, anderem Konsumverhalten und der Digitalisierung in fast allen Wirtschaftsbereichen manche Berufe nach und nach an Bedeutung verlieren würden. Umgekehrt werde es an Menschen mit dem künftig dringend gefragten Fachwissen fehlen, so die Prognos-Wissenschaftler.

Bildungsoffensive gefordert

Um die Fachkräftelücke zu verkleinern oder zu schließen, sprechen sich die Baseler Bevölkerungsforscher auch für eine "Bildungsoffensive" aus: Vor allem die berufliche Ausbildung müsse gezielt gefördert werden, um mehr jungen Menschen zu einem Berufsabschluss zu verhelfen. Bei der akademischen Ausbildung habe sich dagegen viel getan. Für Menschen im Berufsleben sei eine "effektivere Weiterbildung" erforderlich, die sie auf neue Jobs vorbereiten, die mit dem Einzug des Internets in den Fabrikhallen entstünden.

Zudem sollte Frauen und Männern nach einer Familienpause die Rückkehr in das Erwerbsleben erleichtert werden. Ältere sollten dazu motiviert werden, länger zu arbeiten. Mit beiden Maßnahmen könnte der drohende Arbeitskräftemangel langfristig um rund zwei Millionen Beschäftigte verringert werden. Schließlich sollten Teilzeitkräfte dafür gewonnen werden, ihre wöchentliche Arbeitszeit zu verlängern. In allen Szenarien ist bereits eine durchschnittliche jährliche Zuwanderung von 200.000 Migranten unterstellt.

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