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Versteckte Gefahr - In vielen Böden liegt noch immer Munition

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Wenn es in Deutschland brennt, stehen Einsatzkräfte vor großen Herausforderungen - die Löscharbeiten werden in vielen Teilen des Landes durch munitionsbelastete Böden erschwert.

fliegerbombe wird durch den kampfmittelbeseitigungsdienst entschaerft
Deutschland wird sich noch jahrzehntelang mit Munitionsresten beschäftigen müssen, sagen Experten.
Quelle: dpa

Mehr als 70 Jahre nach Kriegsende ist sie noch da - die Gefahr in unseren Böden. Etliche Teile Deutschlands sind noch immer mit Bomben, Patronen und Granaten belastet. Hinzu kommen nicht vollständig geräumte Militär-Anlagen. Die Entsorgung wird noch Jahrzehnte dauern, meinen Experten.

Ein Problem: Der Bund hat keine eigene, flächendeckende Übersicht zur sogenannten Kampfmittelbelastung. Denn die Beseitigung von Kampfmitteln ist vorrangig Aufgabe der Länder. Und das macht es so kompliziert - denn jedes Land hat seinen eigenen Kampfmittelbeseitigungsdienst, der die Flächen unterschiedlich bewertet und erfasst. Ob Ost oder West, beide Teile des Landes sind gleich stark betroffen. Ein Überblick über vier besonders belastete Länder und die Rolle des Bundes:

bombenentschaerfung in potsdam
Immer wieder werden bei Bombenentschärfungen in Deutschland ganze Stadtteile evakuiert.
Quelle: dpa

Wie viel Munition liegt in Brandenburgs Böden?

Brandenburg ist das Bundesland mit dem höchsten Anteil an munitionsbelasteten Flächen. Dort stehen 350.000 Hektar unter sogenanntem kampfmittelverdacht, schätzt der Kampfmittelbeseitigungsdienst Brandenburg.

Wie viele Kampfmittel wurden dort gefunden?

Im Jahr 2018 wurden hier 1.124.918 Kampfmittel mit rund 330 Tonnen Gesamtgewicht gefunden und geräumt.

Wie viel Geld kostet das?

Die Landesausgaben für die Beseitigung von Kampfmitteln lagen 2017 bei 14,8 Millionen Euro. Da die Gefahrenabwehr in Brandenburg Sache der Kommunen ist, muss auch jede einzelne Kommune im Zusammenhang mit der Beseitigung von Kampfmitteln Kosten aus ihrem Etat aufbringen. Der finanzielle Aufwand für den Bund lag 2017 laut einer kleinen Anfrage bei rund 122.000 Euro.

"Munitionsbelastetes Gebiet - Lebensgefahr - betreten verboten!" steht auf einem Schild an dem 160 Hektar grossen Areal des ehemaligen Bombenabwurfplatzes.
Munitionsaltlasten bremsen die Bekämpfung von Waldbränden.

Wie viel Munition liegt in Mecklenburg-Vorpommerns Böden?

Aktuell hat der Munitionsbeseitigungsdienst Mecklenburg-Vorpommern 798 Flächen mit einer Gesamtfläche von rund 155.000 Hektar als kampfmittelbelastet erfasst.

Wie viele Kampfmittel wurden dort gefunden?

Im Jahr 2017 wurden insgesamt 39,18 Tonnen Kampfmittel geborgen.

Wie viel Geld kostet das?

Zahlen aus dem Jahr 2017 liegen uns nicht vor. Im Haushaltsplan des Landes Mecklenburg-Vorpommern sind für die Beseitigung von Kampfmitteln derzeit 1,25 Millionen Euro, zukünftig 1,5 Millionen Euro jährlich eingeplant. Vom Bund hat Mecklenburg-Vorpommern 2018 rund 3,3 Mio Euro erstattet bekommen.     

Mitarbeiter des Kampfmittelräumdiensts waren im Einsatz.
Mitarbeiter des Kampfmittelräumdiensts sind zuständig für sogenannte gewahrsamslos gewordene Kampfmittel.
Quelle: Bodo Marks/dpa

Wie viel Munition liegt in Niedersachsens Böden?

Niedersachsen war grundsätzlich flächendeckend in das Kriegsgeschehen eingebunden, daher muss im gesamten Landesgebiet mit Kampfmitteln gerechnet werden, sagt der Kampfmittelbeseitigungsdienst Niedersachsen.

Wie viele Kampfmittel wurden dort gefunden?

2018 wurden in Niedersachsen insgesamt 145,14 Tonnen Kampfmittel geborgen.

Wie viel Geld kostet das?

Aus dem Landeshaushalt wurden 2018 für die Kampfmittelbeseitigung rund vier Millionen Euro aufgewendet. Da die Gefahrenabwehr in Niedersachsen Sache der Kommunen ist, muss auch jede einzelne Kommune im Zusammenhang mit der Beseitigung von Kampfmitteln Kosten aus ihrem Etat aufbringen. Der Bund zahlte in Niedersachsen für die Beseitigung ehemals reichseigener Munition auf nicht bundeseigenen Flächen 2018 rund 750.000 Euro sowie 8.000 Euro für die Beseitgung ehemals allierter Kampfmittel.

weltkriegsbombe in frankfurt erfolgreich entschaerft
Immer wieder werden in Deutschland alte Fliegerbombe von Allierten aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden.
Quelle: dpa

Wie viel Munition liegt in Nordrhein-Westfalens Böden?

Da in Nordrhein-Westfalen nicht alle Munitionsverdachtsflächen bekannt sind, liegen dort keine genauen Zahlen vor.

Wie viele Kampfmittel wurden dort gefunden?

Der Kampfmittelbeseitigungsdienst hat 2018 in NRW insgesamt 13.068 Kampfmittel entdeckt und geräumt. Dazu zählen Bomben (aller Art), Granaten, Minen, Handgranaten, andere Sprengmittel, Infanteriemunition und Munitionsteile. Das waren zusammen rund 119 Tonnen.

Wie viel Geld kostet das?

Aus dem Landeshaushalt wurden 2018 für die Kampfmittelbeseitigung 22,3 Millionen Euro aufgewendet. Der Bund zahlte in NRW für die Beseitigung ehemals reichseigener Munition auf nicht bundeseigenen Flächen 3 Millionen Euro sowie 2,2 Millionen Euro für die Beseitgung ehemals allierter Kampfmittel.

fliegerbombe in koblenz
Ein Job der Kampfmittelräumdienste: die Entschärfung und Entsorgung von Blindgängern.
Quelle: dpa

Gibt es Schätzungen, wie viele Flächen bundesweit betroffen und wie viele Tonnen Munition noch im Boden zu finden sind?

Dazu liegen keine genauen Informationen vor. Neue Flächen werden nach Auswertung von Luftbildern oder Bauarbeiten entdeckt, alte Flächen ändern sich. Sie werden größer, wenn neue Daten vorliegen, und kleiner, wenn Teile von Munition geräumt werden.

Gibt es Schätzungen, wie lange es dauern wird, bis der Großteil der Munition in Deutschland entfernt ist?

Es ist bereits jetzt absehbar, das sich bundesweit noch weitere Generationen mit den Überresten der Kriege beschäftigen müssen.

Welche Kosten entstehen jährlich durch die Munitionsaltlasten bundesweit?

Das Bundesfinanzministerium gibt an, dass 2018 knapp 28 Milliarden Euro an die Bundesländer für die Beseitigung "reichseigener" Munition erstattet wurden.

Stellt der Bund auch Kosten für die Beseitigung ehemals alliierter Kampfmittel bereit?

In der aktuellen Legislaturperiode hat der Bund bislang insgesamt 8,58 Millionen Euro für die Beseitigung ehemals alliierter Kampfmittel auf nicht bundeseigenen Liegenschaften ausgezahlt.

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